07.12.2023 | hoouadmin

So lässt sich ChatGPT spielerisch in den Unterricht integrieren

"Geschichte schreiben mit ChatGPT" - der Name des Lernangebots der HAW Hamburg ist Programm. Denn mit dieser kostenlosen Schritt-für-Schritt-Anleitung können Schüler:innen ihre eigenen Storys mithilfe von generativer KI entwickeln. Dr. Nicole Hagen hat bei der Joachim Herz Stiftung gezeigt, wie sich dieses Projekt in der Schule einsetzen lässt. Spannend für Schüler:innen, aber vor allem auch für Lehrkräfte.

Veranstaltet von der Joachim Herz Stiftung fand am 27. und 28. November in Hamburg die Konferenz „Adaptives Lernen und KI in der schulischen und beruflichen Bildung: Potenziale und Herausforderungen technologiegestützten Lehrens und Lernens“ statt. Im Mittelpunkt standen die tiefgreifenden Veränderungen, die Künstliche Intelligenz in Lehr- und Lernprozessen auslösen kann und mit Sicherheit auch auslösen wird. Bei der Veranstaltung in der Langenhorner Chaussee drehten sich viele Fragen um intelligente tutorielle Systeme, die einerseits eine Arbeitserleichterung für didaktisch Tätige darstellen, andererseits die Diversität von Lerngruppen und deren individuelle Unterstützung fördern können.

HOOU-Projekt „Geschichte schreiben mit Chat GPT“ vorgestellt

Vor allem generative Chatbots und Co. bieten derzeit neue Ansätze im Bereich des adaptiven Lernens. So stellte Dr. Nicole Hagen von der HAW Hamburg im Rahmen der HOOU das Projekt „Geschichte schreiben mit ChatGPT“ eine Open-Source-Anleitung für Schulen vor, das sich vornehmlich an Schüler:innen und Lehrende richtet, die das Thema KI auf spielerische Weise in ihren Unterricht integrieren möchten.

Dr. Nicole Hagen von der HAW Hamburg stellt ihr Lernangebot „Geschichten schreiben mit ChatGPT“ bei der Joachim Herz Stiftung vor. Bild: Joachim Herz Stiftung

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erklärt hierbei, wie Schüler:innen mit Hilfe eines generativen Sprachmodells eine eigene Geschichte entwickeln können – mit oder ohne initiale Idee für eine Story. Dazu bieten die bereitgestellten Materialien zusätzliche Hilfestellungen zur Anregung der eigenen Fantasie und viele Inspirationsquellen. Der Leitfaden versteht sich als Orientierungshilfe. Darüber hinaus sind freies und kreatives Ausprobieren sowie der Einstieg in den Diskurs über Risiken und Potenziale von KI erwünscht.

Hohes Interesse an offenem Angebot: Projekt wird weiterentwickelt

Die Entwickler:innen des Angebots befinden sich aktuell in einer intensiven Testphase, um zu prüfen, was funktioniert und wo es mit den Large-Language-Modellen zurzeit eventuell noch hakt. Sie sammeln das Feedback der Teilnehmenden, um es in das Endprodukt einfließen zu lassen. Bisher erprobte Formate waren zum Beispiel die rein digitale Nutzung ohne Begleitung durch eine Lehrkraft über die Plattform Lehre:Digital zum deutschlandweiten Digitaltag. Im analogen Austausch mit einem vielfältigen Publikum zu den Festivitäten rund um den Tag der deutschen Einheit hat sich gezeigt, dass vor allem sehr junge und ältere Interessierte von einem solchen offenen Angebot profitieren. Auch die Durchführung als ChatGPT-Workshop für ganze Klassen auf dem Digital@School Campus 2023 der Telekomstiftung in Bonn erwies sich als zielführend.

Der Austausch mit dem interessierten Fachpublikum auf der Veranstaltung der Joachim Herz Stiftung brachte weitere Impulse und potenzielle Kooperationspartner. Nach diesem vielfältigen Input stehen die nächsten Planungsschritte in den Startlöchern.

Probiere das Angebot selbst aus: Der Chatbot ChatGPT kann ohne Registrierung direkt auf der Lehre:Digital-Seite getestet werden!

Text: Dr. Nicole Hagen/HAW Hamburg
Headerbild: Katrin Schröder
/MMKH

17.11.2023 | Meena Stavesand

KI und Ethik: „Wir müssen bei Innovationen interdisziplinäre Teams bilden“

„Code is law“ ist ein bekanntes Zitat von Lawrence Lessig, einem Tech-Vordenker aus den USA. Entwickler:innen haben durch ihren Code die Macht über Gesetzmäßigkeiten und lassen so auch ihre Wertvorstellungen in die Software einfließen. Das ist ein Grund, warum es eine ethische Betrachtung von Technologie geben muss. Axel Dürkop, Experte der TU Hamburg, erklärt im Interview, warum wir interdisziplinäre Teams brauchen und was aus ethischer Sicht bei dem bekannten KI-Tool ChatGPT schiefgelaufen ist.

Axel, wie bist du privat und beruflich in der letzten Zeit mit technologischen Innovationen in Berührung gekommen?

Axel Dürkop: Privat habe ich mir in diesem Jahr ein Balkonkraftwerk an die Wand geschraubt. Es ist faszinierend, am Stromzähler direkt zu sehen, wie viel Energie die Sonne an meiner Hauswand spendet. Das Thema Erneuerbare Energien habe ich dann auch bei unseren WATTwanderungen mit verschiedenen Veranstaltungen wie einem Workshop, bei dem die Teilnehmenden die Technik hinter einem Balkonkraftwerk verstehen, oder einem Kinoabend am KulturEnergieBunker – realisiert durch Energie, die wir vorher in einer Biogasanlage an den Wilhelmsburger Zinnwerken selbst herstellten und nach Altona gebracht haben. 

Ansonsten diskutiere ich aktuell in einer Informatik-Veranstaltung mit angehenden Berufsschullehrkräften die Gestaltbarkeit von Künstlicher Intelligenz. Wir setzen uns dabei praktisch mit KI auseinander – aber jenseits von ChatGPT oder Prompting. Mir geht es in der Veranstaltung um die Frage: Wie können wir für KI ethische und gesellschaftlich relevante Implikationen schaffen? Als Beispiel: Wir beschäftigen uns mit einer automatisierten Moderation von Hasskommentaren auf Social Media und diskutieren dabei Klassifikationen von Hatespeech.

Künstliche Intelligenz und Ethik sind zwei wichtige Stichwörter. Aktuell wird diskutiert, wie wir ethisch mit KI umgehen. Wie kann beides miteinander kombiniert werden?

Axel Dürkop: Im Idealfall klären wir ethische Fragestellungen zu einer neuer Technologie wie ChatGPT und Co. vor der Entwicklung. Sie lassen sich aber auch begleitend diskutieren. Wir sollten die Ethik aber nicht nachschalten. Denn: Code is law – also Code ist Gesetz. Das sagte US-Tech-Vordenker Lawrence Lessig Anfang dieses Jahrtausends. Das heißt: Die Wertevorstellungen der Entwickler:innen fließen in die Software. Wer den Code kontrolliert, hat sozusagen die Macht über Gesetzmäßigkeiten. Da braucht es eine ethische Begleitung.

Wie lässt sich das realisieren?

Axel Dürkop: Wir wissen jetzt: Bei ChatGPT hat das Zusammenspiel von Softwareentwicklung und Ethik nicht gut geklappt. OpenAI, das Unternehmen hinter dem Chatbot, hat für die Entwicklung Menschen im Globalen Süden ausgebeutet – das wäre mit einer vorgeschalteten oder begleitenden Ethik-Debatte vielleicht besser gelaufen. Es ist also wichtig, dass wir bei technologischen Innovationen interdisziplinäre Teams bilden, in denen Entwickler:innen und Ethiker:innen zusammenarbeiten.

Wie könnte eine Zusammenarbeit aussehen?

Axel Dürkop: Wenn eine Innovation wie beispielsweise ChatGPT entwickelt wird, sind dann auch Ethiker:innen an diesem Prozess beteiligt. Bei den Diskussionen, wie die Technologie oder die Software aufgebaut wird, wie sie funktionieren und wie das Qualitätsmanagement und auch das Testing aussehen soll – das sind Fragen, die auch einer ethischen Reflexion bedürfen. Dafür gibt es bestimmte Frameworks, die man heranziehen kann. Ich halte das von Sebastian Hallersleben (und weiteren) für besonders sinnvoll und belastbar. Darin gibt es sechs Kriterien, anhand derer wir eine Technologie beurteilen können.

  • Transparenz
  • Verantwortlichkeit
  • Privatsphäre
  • Recht
  • Sicherheit
  • Nachhaltigkeit

Mit diesem Framework zum Beispiel lassen sich die Wertvorstellung einer Technologie diskutieren. Das Interessante daran ist, dass wir je nach Technologie Abstufungen bei den einzelnen Punkten machen können. Bei Technik in der Landwirtschaft ist Privatsphäre nicht so entscheidet wie etwa beim Einsatz in der Medizin, wo es um vertrauensvolle Daten geht. Außerdem ist auch das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen, was wir nicht mehr vernachlässigen dürfen. Heutige Technologie wie etwa ChatGPT benötigt Unmengen an Kühlwasser – das können wir in unserer Bewertung nicht ignorieren. Das Framework bietet daher einen idealen Leitfaden.

Wird deiner Meinung nach aktuell genug über ethische Fragen bei Technologie gesprochen?

Axel Dürkop: Bei ChatGPT haben wir das, wie bereits gesagt, versäumt, vorher darüber zu diskutieren. Aber klar ist auch, dass eine (ethische) Regulierung mit dem technologischen Fortschritt nicht mithalten kann. Da ist Eile mit Weile geboten. Meiner Meinung nach hat der Deutsche Ethikrat eine gute Ausgangsbasis geschaffen. Generell müssen wir dahinkommen, dass wir auch in unseren Studiengängen zu Technik und Ingenieurwissenschaften das Thema Ethik von Anfang an mitdenken. Ethik gehört ins digitale Zeitalter. Darum haben wir an der TU Hamburg mit Prof. Dr. Maximilian Kiener einen Juniorprofessor für Ethik in Technologie. Das Thema gehört in unsere Ausbildungen.

Aber das sollte keine rein akademische Diskussion bleiben. Alle Menschen haben Sorgen und Befindlichkeiten, die wir ernstnehmen müssen. Wir müssen daher den Diskurs auch außerhalb der Hochschulen führen. Die Menschen sollen mitgestalten, ihre Fragen einbringen. Das war ein Grund, warum wir an der TU Hamburg das HOOU-Lernangebot „tekethics“ gestartet haben. Noch vor der Corona-Pandemie haben wir regelmäßige Treffen in den Hamburger Bücherhallen veranstaltet, um mit Bürger:innen über ethische Herausforderungen bei Künstlicher Intelligenz zu diskutieren. Wir möchten dieses Thema auch im nächsten Jahr aufgreifen: Maximilian Kiener wird sich 2024 in einem neuen HOOU-Lernangebot mit ethischem Design von KI beschäftigen. Das wird sehr spannend!

Wer sich für das Thema Ethik und KI interessiert, kann sich die aktuellen Vortragsmaterialien von Axel Dürkop anschauen. Hier gibt es auch weiteres Material von ihm – unter anderem zu dem Thema „Souverän mit KI umgehen“.

Titelbild: Jason Goodman/Unsplash

06.11.2023 | Meena Stavesand

So wichtig ist die richtige Abfalltrennung: Steffen Walk erklärt BioCycle

Welchen Beitrag können wir leisten, um aus Lebensmittelabfällen neue Ressourcen entstehen zu lassen? Steffen Walk erklärt BioCycle.

Aus Lebensmittelabfällen können neue Produkte werden – und es ist für jeden einzelnen gar nicht so schwierig, diesen Prozess zu unterstützen. Denn es gibt BioCycle. Was dieser Kreislauf von Lebensmittelabfällen genau ist, erfahrt ihr nicht nur in diesen Interview mit dem Experten Steffen Walk, sondern auch detailliert in unserem neuen und kostenlosen Lernangebot – klickt gerne rein!

Hautnah erleben könnt ihr BioCycle übrigens bei unseren WATTwanderungen – an den Wilhelmsburger Zinnwerken haben wir eine Biogasanlage aufgebaut, die ihr mit euren Lebensmittelabfällen „füttern“ könnt. Auch das erklärt Steffen Walk in unserem Gespräch. Mehr dazu findet ihr hier.

Steffen Walk, was können wir uns unter dem Prinzip von BioCycle vorstellen?

Steffen Walk: BioCycle beschreibt die Zusammenhänge eines Kreislaufs, bei dem Lebensmittel zu Abfällen werden und dann zu neuen Produkten wie Energie oder Bodenverbesserungsmitteln wie Kompost umgewandelt werden können. Diese bilden dann wiederum die Grundlage für neue Lebensmittel. Insgesamt besteht dieser Kreislauf aus sechs Schritten, die wir im Lernangebot in vielfältiger medialer  Aufbereitung dargestellt haben.

Wie trägt BioCycle dazu bei, unser Verständnis und Bewusstsein für den Bio-Kreislauf von Lebensmittelabfällen zu verbessern?

Das Lernangebot enthält neben klassischen Lehrformaten auch Einheiten  zur Selbstreflektion. Ein ganz wichtiger Punkt ist hier eine dauerhaft etablierte Challenge, in der jeder seine eigene Generierung von Lebensmittelabfällen messen kann und somit ein Gespür für die unterschiedlichen Arten von Lebensmittelabfällen erhält. Denn nicht alle Abfälle ist potentiell vermeidbar. Eine Bananenschale wird immer anfallen, sorgt aber nur bei richtiger Entsorgung für einen geschlossenen Kreislauf.

Wie wichtig ist dieses Bewusstsein für unsere Zukunft?

Hier gibt es zwei wichtige Faktoren: Die Verknappung traditioneller Energieressouren und die so genannte Desertifikation von Böden durch zu intensive Nutzung, die zum Verlust des Bodenlebens führt.

  • Zu der Verknappung traditioneller Energieressourcen: Biogas aus Bioabfällen kann ein wichtiger Baustein in der Transformation  zu einem klimaneutralen Energiemix führen, fossiles Erdgas ersetzen und gleichzeitig, wenn der Bioabfall nicht mehr im Restmüll entsorgt wird, Abfallverbrennung vermindern.
  • Zu der Desertifikation: Kompost ist ein wunderbarer Bodenverbesserer. Er ersetzt mineralische Dünger, dient aber vor allem als Wasser- und Nährstoffspeicher, was bei den sich akut verändernden klimatischen Bedingungen ein wichtiger Faktor ist und noch wichtiger werden wird.

Sie haben zu BioCycle ein spannendes und kostenloses Lernangebot konzipiert. Was können Teilnehmende daraus mitnehmen?

Das Lernangebot ist in die sechs Etappen des Kreislaufs von Lebensmitteln aufgebaut. Diese können prinzipiell auch einzeln bearbeitet werden. Ein großes Ziel ist jedoch, dass die Teilnehmenden ihr Bewusstsein über die eigene Verantwortung in diesem Kreislauf schärfen. Denn: Nur wenn ich am Anfang meine Abfälle ordentlich trenne, können später die wertvollen Produkte entstehen, die wiederum zu neuen Lebensmitteln führen können.

Was sollten Menschen in ihrem Alltag im Umgang mit Lebensmittelabfällen beachten? Was würden Sie sich dabei für die Zukunft wünschen?

  1. Vermeiden, was zu vermeiden ist, durch bewusstes Einkaufen und Lagern. 
  2. Korrekt trennen, was zu trennen ist, das heißt, alle Lebensmittelabfälle in die Biotonne, ohne Verpackungen, insbesondere Plastik.

Aber natürlich ist  das oftmals schwierig umzusetzen, aber wir wollen dabei gerne helfen mit unserem kostenfreien Lernangebot.

Axel Dürkop, Initiator der WATTwanderungen, und Steffen Walk von der TUHH freuen sich auf viele Besucherinnen und Besucher. Bild: Stephan Dublasky

Um den Nutzen von korrekter Trennung hautnah zu erfahren, haben wir in den Wilhelmsburger Zinnwerken eine kleine Biogasanlage aufgebaut, die mit Lebensmittelabfällen „gefüttert“ wird. Das Biogas nutzen wir dann bei unserem BioGAStmahl am 30. Juni 2023 zum Kochen von leckerem Essen. Um also den Kreislauf optimal zu schließen, haben wir im Rahmen der HOOU-WATTwanderung eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen – das Motto: „Bring uns deine Lebensmittelabfälle, wir machen daraus Biogas und laden dich dann zum gemeinschaftlichen Kochen und Essen ein.“ Die Anmeldephase zum BioGAStmahl läuft bereits. Um mitzumachen, müsst ihr einfach eure Lebensmittelabfälle nach Wilhelmsburg an die Zinnwerke bringen und euch anmelden. Ein paar Plätze sind noch frei.

So funktioniert die WATTwanderung und das anschließende BioGAStmahl.

An folgenden Terminen könnt ihr eure Lebensmittelabfälle zu uns an die Biogasanlage an den Wilhelmsburger Zinnwerken, Am Veringhof 7, bringen und euch für das BioGAStmahl anmelden:

  •  Fr., 9. Juni, 16 bis 19 Uhr
  • Do., 15. Juni, 17 bis 19 Uhr
  • Do., 22. Juni, 17 bis 19 Uhr
  • Do., 29. Juni, 17 bis 19 Uhr

Weitere Informationen zur WATTwanderung gibt es hier. Kommt vorbei!

Titelbild: Stephan Dublasky

24.08.2023 | Meena Stavesand

„Wir möchten Erneuerbare Energien für alle erlebbar machen“

Für die zweite WATTwanderung in Hamburg hat sich Axel Dürkop wieder etwas Besonderes einfallen lassen: Mit dem Rad bringen wir gespeichertes Biogas von Wilhelmsburg nach Altona, um damit am KulturEnergieBunker gemeinsam und nachhaltig zu kochen. Im Interview erklärt er den Hintergrund.

Axel Dürkop, bei der zweiten WATTwanderung verbindet ihr die beiden Stadtteile Wilhelmsburg und Altona als Lernorte miteinander. Was hat es damit auf sich?

Axel Dürkop: Bei der ersten WATTwanderung haben wir bei verschiedenen Veranstaltungen an den Wilhelmsburger Zinnwerken erklärt, wie man aus seinen eigenen Biofällen Energie gewinnen kann – durch eine Biogasanlage. Nun möchten wir Menschen den Energiekreislauf dahinter stadtteilübergreifend näherbringen. Das Biogas, das aus Lebensmittelabfällen gewonnen wird, ist in Säcken gespeichert. Diese wollen wir am 8. September um 12 Uhr mit dem Fahrrad nach Altona zum KulturEnergieBunker bringen, um damit gemeinsam zu kochen. Die Bioabfälle, die dabei entstehen, bringen wir wiederum mit einem Lastenrad nach Wilhelmsburg zurück, um dadurch in der Biogasanlage an den Zinnwerken erneut Energie zu produzieren. So machen wir den Energiekreislauf für alle erlebbar. Die Route, die wir am 8. September fahren, stellen wir zeitnah online, damit jeder, der Lust hat, sich anschließen kann.

Das planen wir beim BioGAStspiel.

Kann jeder bei der Aktion dabei sein?

Dürkop: Jeder, der Lust, Zeit und ein Fahrrad hat, kann gerne dazustoßen. Ob es uns wirklich gelingt, mit den Säcken voller Biogas nach Altona zu fahren, ist noch nicht klar. Gerade sprechen wir mit den verantwortlichen Behörden und erfahren, welche Regeln es dafür gibt. Wenn es dieses Mal noch nicht klappt, bleiben wir weiter im Dialog. Wir fahren aber auf jeden Fall und essen am Ziel gemeinsam. Wir hoffen, dass es irgendwann selbstverständlich möglich ist, mit Lastenrädern selbstproduziertes Biogas in der Stadt zu transportieren. In anderen Ländern ist das auch möglich. Unser Ziel bei dieser Aktion ist es daher, zu zeigen, wie ein stadtteilübergreifender Kreislauf in Zukunft aussehen kann.

Das ist die Solarbox, deren Gehäuse mit CNC-Fräse und Lasercutter hergestellt wurde. Im Workshop am 16. September gibt es alle Details dazu. Bild: Michel Langhammer

Am 16. September gibt es noch eine weitere Aktion: Was plant ihr da?

Dürkop: Michel Langhammer wird in dem Workshop die Libre Solar Box vorstellen. Es geht darum, im Team die Bestandteile einer mobilen Solaranlage kennenzulernen, mit der man seinen Laptop oder sein Smartphone laden kann. Wir legen damit den Schwerpunkt auf Sonnenenergie und beantworten die Frage, wie wir diese für uns im Alltag nutzen können. Das Thema ist durch die Diskussion um Balkonkraftwerke und die neuen politischen Regelungen zur privaten Installation hochaktuell. Mit unserem Workshop am 16. September von 13 bis 16 Uhr im KulturEnergieBunker in Altona erfährt man, welche Technik dahintersteckt.

Warum veranstaltet ihr die WATTwanderungen?

Dürkop: Mit der Veranstaltungsreihe der WATTwanderungen möchten wir Menschen spannende Perspektiven auf die Energiewende bieten. Wir verbinden dieses wichtige Thema mit einer künstlerisch-ästhetischen Einladung. Das heißt: Wir laden Menschen zu Events ein, die sie schön finden, die sie genießen können – also etwa zu Kunst, zu Theater oder auch zu einem leckeren Essen. Dabei bewegen wir uns immer im öffentlichen Raum und schaffen durch die Verknüpfung des Ästhetischen mit Wissen spannende Energie- oder auch Lernorte, an denen Menschen mit dem Thema der Erneuerbaren Energien auf Tuchfühlung gehen können.

Wie sieht die Verbindung zur HOOU aus?

Dürkop: Unser Angebot fußt auf drei Säulen: Wir haben erstens einen Erlebnismoment, der die Menschen für das Thema sensibilisiert, neugierig macht. Wir bieten spannende Veranstaltungen, die Spaß machen – wie die Radtour oder das gemeinsame Essen. Zweitens haben wir die Lernangebote der Hochschulen auf hoou.de, die die kognitive Ebene anregen. Wer mehr über die Wissenschaft und Forschung zu den Themen erfahren möchte, kann sich von den Lernangeboten inspirieren lassen. Drittens bieten wir ein Praxisangebot; das Wissen kann in Workshops direkt angewendet werden – bei der zweiten WATTwanderung ist das der Workshop „Libre Solar Box“. Jede:r kann individuell entscheiden, welches Angebot er oder sie nutzen möchte – oder ob vielleicht sogar alle interessant sind. Wir freuen uns auf viele Hamburgerinnen und Hamburger, die mehr über Erneuerbare Energien wissen möchten.

Mehr zu den WATTwanderungen und zu den einzelnen Terminen gibt es auf https://wattwanderungen.hoou.tuhh.de/.

Die erste WATTwanderung fand an den Wilhelmsburger Zinnwerken statt. Was dort alles passiert ist, lest ihr hier.

10.07.2023 | Meena Stavesand

Hamburg Open Online University: Bildung für alle auf akademischem Niveau

Was ist die HOOU eigentlich? Ein innovativer Bildungsort für alle Menschen. Bei uns kannst du dich zu den unterschiedlichsten Themen informieren – von Technik über Musik bis hin zu Medizin und Gesundheit. Lass uns dir mehr erzählen!

Hamburg erweist sich einmal mehr als ein führender Ort der digitalen Bildung und Innovation mit unserer Hamburg Open Online University (HOOU). Es ist ein weltweit einzigartiges online basiertes Lernangebot für alle Menschen. Im Interview mit Hamburg 1 erklärt unser neuer Geschäftsführer Prof. Dr. Sönke Knutzen das Projekt. Er geht dabei auch auf die Zukunft der Bildung ein.

So ist die HOOU entstanden

Die Idee der HOOU ist etwa im Jahr 2012 entstanden, als amerikanische Universitäten erstmals ihre sogenannten „Massive Open Online Courses“ (MOOC) anboten. Institutionen wie Stanford und Harvard öffneten ihre Vorlesungen für die ganze Welt. Wir erlebten damit eine Art „Demokratisierung der akademischen Bildung“ – alle konnten teilhaben. Inspiriert von diesem Modell, wollte die Stadt Hamburg ein ähnliches Projekt umsetzen, allerdings mit einem eigenen, unverwechselbaren Stil.

Dank intensiver Gespräche und Unterstützung auch von Olaf Scholz, dem damaligen Ersten Bürgermeister von Hamburg, haben wir das Projekt 2015 realisiert. Seitdem bieten wir als HOOU eine Vielzahl von Kursen an, die uns die verschiedenen Hamburger Hochschulen zur Verfügung stellen. Ob Gesundheitswesen, Kunst, Theater, Ingenieur- oder Sozialwissenschaften – wir bieten allen Interessierten Zugang zu einer breiten Palette von Wissen. Neugierig? Dann klick dich durch und finde hier dein Lieblingsangebot!

Hamburg als Standort: Kurze Wege zu inspirierenden Hotspots

Die HOOU unterscheidet sich aber grundlegend von einer traditionellen Universität. Wir haben keinen eigenen Campus. Unser USP besteht darin, interessante Kurse verschiedener Hamburger Hochschulen zu bündeln und jederzeit von überall aus im Internet anzubieten. Das ist aber nicht alles! Ursprünglich war die HOOU als reine Online-Universität konzipiert, doch durch die Erfahrungen während der Pandemie, in denen reines Online-Lernen als ermüdend empfunden wurde, begannen wir, hybride Angebote zu entwickeln, die sowohl Online-Kurse als auch physische Präsenz beinhalten. Wir binden Hamburg als Standort also nicht nur durch die Universitäten und Hochschulen ein, sondern profitieren auch von den kurzen Wegen zu inspirierenden Hotspots. Wir nutzen Hamburg als Stadt mit seinen vielen Facetten und binden so alle Menschen ein, die sich weiterbilden möchten.

Wissenschaft wird durch Events erlebbar

Ein besonderer Aspekt der HOOU ist außerdem ihre Orientierung an realen, gesellschaftlichen Herausforderungen. Zum Beispiel organisierten wir das „BioGAStmahl“ im Rahmen der WATTwanderungen. Dabei spendeten Hamburgerinnen und Hamburger ihren Biomüll. Dieser wurde dann in Biogas und Humus umgewandelt. Mit dieser selbst erzeugten Energie wurden die Teilnehmenden bekocht. Dieses innovative Projekt diente dazu, das Bewusstsein für die Kreisläufe der Energieerzeugung zu schärfen und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Energieversorgung zu betonen. Lies dazu auch unter Interview mit dem Wissenschaftler Steffen Walk, der das Verfahren erklärt. An der HOOU möchten wir Wissenschaft hautnah erlebbar machen – dafür organisieren wir Events wie die WATTwanderungen und das BioGAStmahl.

KI an der HOOU: Sorgen der Menschen ernst nehmen und Chancen besser kommunizieren

Im Interview betonte Prof. Dr. Knutzen auch die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI) in der Bildung und Forschung. KI ist in vielen Bereichen wie Medizin oder Verkehrsplanung bereits ein fester Bestandteil. Dennoch sehen wir auch die vielschichtigen Sorgen und Ängste der Menschen in Bezug auf KI – diese wollen wir ernst nehmen. Wir möchten mit unserem Angebot helfen, die Chancen, die KI bietet, besser zu kommunizieren, damit Menschen die Technologie und ihren Einsatz besser verstehen. Zukünftig plant die HOOU daher, stärker auf KI zu setzen und die Möglichkeiten zu erforschen, wie sie bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen wie etwa dem Klimawandel helfen kann.

Dieses Thema zeigt, dass die HOOU ein lebendiges Beispiel für die Demokratisierung von Bildung ist, die den Einsatz von Technologie beispielsweise zur Bewältigung globaler Herausforderungen aufgreift und das Wissen dazu für alle zugänglich macht. Durch unseren freien und offenen Zugangs zu einer breiten Palette von akademischen Kursen überbrücken wir die Kluft zwischen Hochschulen und Gesellschaft und heben die die Bedeutung der Bildung für die Bewältigung der dringendsten Probleme unserer Zeit hervor. Stöbere gerne durch unsere vielfältigen Kurse!

Du willst mehr über die HOOU erfahren? Dann schau mal in das Interview mit unserem Geschäftsführer hinein!

30.05.2023 | Meena Stavesand

BioCycle: So kannst du deine Lebensmittelabfälle in Energie umwandeln

Mit BioCycle werden Lebensmittelabfälle wieder in den Kreislauf der Umwelt gebracht. Sie geben Energie und Nährstoffe. Lerne, wie du dabei helfen kannst.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, die Schalen deiner Kartoffeln, Äpfel, Gurken oder Bananen nicht einfach wegzuschmeißen, sondern sie umweltfreundlich zu nutzen? Möglich ist das mit dem innovativen Ansatz von BioCycle. Dabei wird das, was wir als Abfall betrachten – wie eben unsere Gemüseschalen – in etwas Positives und Wichtiges verwandelt: in Energie und Nährstoffe. Wie das geht, erklären wir die in unserem neuen Lernangebot, das den Startschuss zu einem spannenden Projekt in Wilhelmsburg gibt.

Abfälle kommen der Umwelt zugute

Mit BioCycle geben wir den Lebensmitteln eine zweite Chance, indem wir ihren Lebenszyklus verlängern und sie in eine Form umwandeln, die uns und der Umwelt zugutekommt. Was auf den ersten Blick kompliziert klingt, ist es vom Prinzip aber nicht. Du musst deine Lebensmittel nur richtig trennen und sie dann kompostieren oder in einer Biogasanlage wie jene im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg recyclen.

So funktioniert BioCycle

  1. Sammeln von Lebensmittelabfällen: Zunächst sammelst du alle Lebensmittelreste, die du normalerweise wegwerfen würdest. Dazu gehören auch Obst- und Gemüseschalen, Kaffeesatz, Teekräuter oder alte Brotreste.
  2. Sortieren der Abfälle: Du sortierst deinen Abfall. Die organischen Lebensmittelreste kommen in einen speziellen Bio-Abfallbehälter. Alles andere (wie Plastik oder Metall) gibst du in separate Boxen.
  3. Kompostierung: Der Bioabfall kann einerseits zu einer Kompostieranlage gebracht werden, um dort in Kompost umgewandelt zu werden. Kompost ist eine Art Superdünger, der den Boden mit Nährstoffen anreichert und Pflanzen beim Wachstum hilft. Du kannst deinen Biomüll auch zu Hause kompostieren, wenn du einen Garten hast.
    Biogasproduktion: Ein Teil des Bioabfalls kann andererseits auch in einer Biogasanlage genutzt werden. Hier werden die organischen Abfälle unter speziellen Bedingungen abgebaut, wodurch Biogas entsteht. Dieses Gas kann dann als erneuerbare Energiequelle genutzt werden.
  4. Wiederverwendung: Der entstandene Kompost und das Biogas kommen so in den Kreislauf zurück. Der Kompost wird für die Landwirtschaft oder den heimischen Garten genutzt. Das Biogas kann zur Strom- oder Wärmeerzeugung verwendet werden.
  5. Produktion: Durch den Kreislauf entstehen wieder neue Produkte, die wir dann als Lebensmittel verzehren können.

Lernangebot: Wie wird Bioabfall zu neuen Ressourcen?

Wir haben bereits erklärt, dass unsere Essensreste ziemlich nützlich sein können. Schließlich sind sie der Dreh- und Angelpunkt des BioCycle. In unserem Lernangebot erklären wir dir, wie wir aus unseren Lebensmittelabfällen wieder Essen machen können. Das Lernangebot erläutert dir, wie du gezielt zu Hause deinen Müll dafür sortierst, wie gescheite Sammelsysteme aussehen und wie aus den Essensresten dann Biogas und Kompost wird.

Steffen Walk erklärt BioCycle. In unserem Lernangebot erfährst du mehr darüber.

In unserem Lernangebot wirst du alles über den BioCycle, also den Bio-Kreislauf, erfahren und selbst erleben, was du tun kannst, um diesen Kreis effizient zu schließen. Klicke dich jetzt durch das Angebot.

Event-Tipp: Mach aus deinen Lebensmittelabfällen wieder Energie bei unserer Aktion in Wilhelmsburg!

So läuft unsere Aktion des BioGAStmahls ab.

Wenn du hautnah miterleben willst, wie aus deinen Lebensmittelabfällen Energie entsteht, dann mach mit bei unserer Wattwanderung und dem BioGAStmahl! Wir erklären dir den Kreislauf direkt an der Biogasanlage bei den Wilhelmsburger Zinnwerken. Unser Plan ist, gemeinsam mit dir Essensreste zu sammeln, Biogas daraus zu machen und dann mit diesem Gas ein leckeres Dinner zu kochen.

Auf diese Weise kannst du tatsächlich miterleben, wie diese Recycling-Wirtschaft tickt und welche Möglichkeiten sie für unsere Energiezukunft hat. Wir finden, dass dieses gemeinsame Kochen mit erneuerbarer Energie eine schöne Methode ist, um sich dem Thema zu nähern und sich damit auseinanderzusetzen. Erfahre hier mehr über unser Event.

Titelbild: Unsplash