Zu sehen ist ein Ohr einer Frau, die liegt.

Bild: Hayes Potter/Unsplash

17.08.2026 | Meena Stavesand

Wie beeinflussen Geräusche unsere Gesundheit?

Kann eine angenehme Geräuschkulisse unsere gesundheitlichen Beschwerden lindern und bei der Genesung helfen? Ja, Klänge beeinflussen uns. Doch wie können wir gerade in Krankenhäusern oder Arztpraxen diese „Hilfe“ nutzen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Bildungsangebot „Healing Soundscapes“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Hochschule für Musik und Theater (HfMT). Die Musiktherapeutin Dr. Pia Preißler ist für das Projekt verantwortlich und erklärt im Interview, warum Klänge für uns Menschen wichtig sind, warum uns manche negativ und andere positiv beeinflussen. Außerdem spricht Pia Preißler darüber, wo sie noch Handlungsbedarf in den Einrichtungen sieht, und macht auf ein besonderes Angebot aufmerksam.

Wann hast du das letzte Mal die Geräusche deiner Umgebung intensiv wahrgenommen und welches Geräusch ist dir dabei in Erinnerung geblieben?

Dr. Pia Preißler: Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten brauchen eine „Feinhörigkeit“ für ihre Arbeit. In meinem Studium damals hat uns mein Professor mit Hörspaziergängen und anderen Hörübungen diese Sensitivität vermittelt und sozusagen die Ohren geöffnet. So habe ich eigentlich fast immer das Hören präsent, manchmal zum Leidwesen, wenn es um mich herum lärmt, aber oft auch mit kleinen netten Momenten. Gestern war ich im UKE und kurz nach dem Rettungshubschrauber riefen ein paar Möwen hinunter. Für einen Moment habe ich mir vorgestellt, an einem schönen Platz am Meer zu sitzen.

Das Kursbild zum Lernangebot: Healing Soundscapes - DE

Healing Soundscapes - DE

Healing Soundscapes sind Klangumgebungen, die durch künstlerisch und raumbezogen gestaltete Musical Soundscape Interventions (MSI) entstehen. Lerne hier, wie wir die klangliche Umgebung von Warte- und Arbeitsbereichen in Krankenhäusern gestalten, dass das Wohlbefinden von Patient:innen und Mitarbeitenden gesteigert wird. 

Zum Lernangebot

Warum können Geräusche für Menschen heilsam sein?

Dr. Pia Preißler: Geräusche verstehen wir als Klänge. Viele davon sind bei Menschen mit guten Erinnerungen verbunden. Sie in der Gegenwart wieder zu hören, kann uns an die daran geknüpften positiven Emotionen erinnern. Das ist ein Ansatz, der auf konkrete, individuell bedeutsame Klänge fokussiert.

Für die „Healing Soundscapes“ suchen wir nach übergreifenden Klangeigenschaften, nach Prinzipien, die die eingespielten Klänge für möglichst viele Hörende angenehm machen und ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit zum Raum, Verbundenheit, „Helle und Wärme“, entspannter Wachheit geben. Eine solche Atmosphäre, die wir im Krankenhaus damit schaffen möchten, unterstützt indirekt die Heilung, die Menschen dort zu finden hoffen.

Ein Mann misst die Geräusche in einem Krankenzimmer.

Wie kann eine solche heilsame Geräuschkulisse etwa in Krankenhäusern gelingen? Was müssen Institutionen dafür unternehmen?

Dr. Pia Preißler: Oft ist es wichtig, als ersten Schritt den Lärm mit bestimmten Maßnahmen zu reduzieren. Denn es macht keinen Sinn, einen noch lauteren musikalischen Reiz (auch wenn er noch so schön ist) in eine solche Umgebung zu geben. Das wäre nur ein weiterer Stressfaktor für die Menschen dort. Wir haben zu Beginn unseres Projektes zum Beispiel darum gebeten, den wummernden Snackautomaten aus dem Wartebereich in den Vorraum zu verschieben. In Neubauten kann die Akustik im Sinne eines Healing Environments mitgeplant werden. In Bestandsbauten sind akustische Nachbesserungen möglich.

Abgesehen vom Budget jedoch ist die Aufgeschlossenheit der Klinikleitung und der Mitarbeitenden natürlich entscheidend. Es braucht ein Bewusstsein in der jeweiligen Klinik, dass das akustische Wohlbefinden – sowie die anderen Sinneswahrnehmungen – im Selbstverständnis einer Gesundheitseinrichtung eine hohe Bedeutung hat.

Was wird aktuell in den Institutionen getan und wo gibt es Handlungsbedarf?

Dr. Pia Preißler: Es gibt einzelne Maßnahmen, um den Lärm zu mindern, aber, so wie ich es beobachte, noch nicht systematisch. Bei einzelnen medizinischen Prozeduren wird den Patientinnen und Patienten eine „individuelle Musik“ über Kopfhörer angeboten. Oft erklingt in Warte- und Arbeitsbereichen unhinterfragt Radiomusik.

Ich denke, es fehlt eine Reflektion, ob das für alle so gut ist, und es fehlen noch Alternativen – wie wir sie mit den raumbezogenen Klängen gerade entwickeln. Entscheidend ist, dass wir in der Entwicklung der Idee die Perspektive der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeitenden mit einbeziehen. Ich glaube, dass durch Gespräche mit den Anwesenden und Vorträge über das Thema schon vieles ins Bewusstsein gerät. Vielleicht wäre auch ein Hörspaziergang im UKE eine schöne Unternehmung.

UKE und HfMT haben gemeinsam das Lernangebot „Healing Soundscapes“. Wie erklärst du den Inhalt einem Kind?

Dr. Pia Preißler: Im Krankenhaus muss man manchmal lange warten. Das ist oft sehr langweilig und außerdem hat man vielleicht Schmerzen oder Angst vor dem, was einen erwartet. Und wenn man dann noch in einem lauten und ungemütlichen Raum sitzt, wo man sich gar nicht wohlfühlt, macht es die Sache noch schlimmer. Wir versuchen gerade, solche Situationen zu verbessern.

Unsere Idee ist, dass wir schöne Klänge in die Räume einspielen. Keine Musik, wie du sie vielleicht kennst, sondern einzelne Klänge, die kommen und gehen, man kann hin- und weghören. Wir hoffen, dass das den Menschen gut tut. Da wir diese Idee gerade noch entwickeln, hilft es uns, uns mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die ähnliches machen, auszutauschen. Das machen wir immer wieder in verschiedenen Veranstaltungen wie etwa Open Lectures.

Zu sehen ist ein Wartebereich im Krankenhaus.

Warum sind diese Themen wichtig für dich und welchen Wert haben sie für die Menschen?

Dr. Pia Preißler: Ich erlebe selbst, wie wichtig die akustische Umgebungsqualität für mein Wohlbefinden ist. Und durch meine Arbeit im Krankenhaus weiß ich um die Belastung durch Lärm oder unschöne Geräusche – oder eben auch um die Belastung durch die Abwesenheit angenehmer Geräusche. Es gibt einzelne Beispiele aus anderen Krankenhäusern, in denen ein Healing Environment umgesetzt wurde, die mich auf gute Weise beeindrucken.

Ein Teil einer solchen Vision umsetzen zu können und damit etwas für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende zu verbessern, ist eine schöne Aufgabe. Und ich bin sehr gespannt, zu welchen Erkenntnissen wir in unserem Projekt noch kommen werden, welche Klänge sich eignen und wie sie in Bezug zum Raum ihre Wirkung entfalten werden.

Über Dr. Pia Preißler

Dr. phil. Pia Preißler ist Diplom-Musiktherapeutin und leitet seit 2023 das Teilprojekt Healing Soundscapes am UKE. Dieses Projekt ist Teil des Clusters Musik & Gesundheit im ligeti zentrum, eines im Rahmen der Innovativen Hochschule vom BMBF geförderten Hochschulverbundprojektes. Sie schloss ihr Musiktherapiestudium an der HfMT in 2008 ab und arbeitet und forscht seitdem am UKE mit dem Schwerpunkt Musiktherapie in der Psychoonkologie. An der HfMT lehrt sie zu den Themen Healing Soundscapes, Rezeptive Musiktherapie und Berufsfelderkundung. 

04.08.2026 | Katrin Schröder

Life After Art School: Steffen Zillig

In der 13. Folge von Life After Art School ist der Künstler, Kritiker und Ausstellungsmacher Steffen Zillig zu Gast. Er studierte in den 2000er Jahren an der HFBK und bewegte sich nicht nur dort recht frei durch die Fächer und Klassen. Sein Wissensdurst brachte ihn als Gasthörer an diverse weitere Hochschulen Hamburgs. Im Anschluss an sein Studium promovierte er an der HFBK unter dem Titel “Ästhetik des Asozialen”.

Nora und Cornelius sprechen mit Steffen über die großen Fragen der Kritik in der Kunst und ihre Veränderungen in den letzten 20 Jahren. Hat die Kunstkritik ihre Kraft und Bedeutung verloren oder brauchen wir sie heute mehr denn je? Sollte die Qualität kritischer Diskurse in den Künsten wegweisend für die Gesellschaft sein? Und waren die hitzigen Debatten um die documenta fifteen bereichernd oder eher ein Fingerzeig für den Verlust einer traditionsreichen Streitkultur? 

Welche Rolle Kunsthochschulen in diesem Zusammenhang spielen können und warum Steffen davon überzeugt ist, dass es gut ist, so lange wie möglich an einer Kunsthochschule immatrikuliert zu sein, hört ihr in dieser Folge.

Mitwirkende Biografien

Gast – Steffen Zillig

Steffen Zillig ist Künstler, Kritiker und Ausstellungsmacher. Er studierte und promovierte an der HFBK in Hamburg. Seine Dissertation erschien unter dem Titel „Ästhetik des Asozialen“ bei Starfruit Publications. Er ist Herausgeber des Künstlermagazins „Intercity“ (eurogruppe.be) und leitete gemeinsam mit Andrzej Steinbach den „Briefing Room“ in Brüssel (briefingroom.eu). Seit 2026 leitet er den Kunstverein Langenhagen. Zillig lebt in Hamburg.

Moderator*innen

Nora Sternfeld ist Kunstvermittlerin und Kuratorin. Sie ist Professorin für Kunstpädagogik an der HFBK Hamburg. Von 2018 bis 2020 war sie documenta Professorin an der Kunsthochschule Kassel. Von 2012 bis 2018 war sie Professorin für Curating and Mediating Art an der Aalto University in Helsinki. Darüber hinaus ist sie Co-Leiterin des /ecm – Studienprogramm für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien, im Kernteam von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis, Mitbegründerin und Teil von trafo.K, Büro für Bildung, Kunst und kritische Wissensproduktion (Wien), seit 2022 ist sie Teil von INGLAM – Inglourious Art Mediators – eine Band für Lecture Performances (Hamburg) und seit 2011 Teil von freethought, Plattform für Forschung, Bildung und Produktion (London). In diesem Zusammenhang war sie auch eine der künstlerischen Leiter:innen der Bergen Assembly 2016 und arbeitete von 2020-2022 an „Spectral Infrastructure“ – einem Forschungskontext in Kooperation mit der basis voor actuele kunst (BAK, Utrecht). Sie publiziert zu Kunst, Bildungstheorie, Ausstellungen, Geschichtspolitik und Antirassismus.

Cornelius Puschke arbeitet als Dramaturg, Kurator und Dozent. Er studierte Kulturanthropologie und Germanistik an der Universität Hamburg und hatte Anstellungen am Maxim Gorki Theater und bei den Berliner Festspielen. 2014-2015 war er Gastprofessor für Dramaturgie an der HAW Hamburg. Seit 2017 arbeitet er selbstständig und kuratierte Projekte wie “100 neue Wörter” (Literaturforum im Brecht-Haus) oder „1000 Scores. Pieces for Here, Now & Later“ (mit Helgard Haug & David Helbich). Cornelius Puschke arbeitet derzeit für das Programm “Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen” der Kulturstiftung des Bundes und lehrt an der HfMT Hamburg und der HFBK Hamburg.

SHOWNOTES

Institutionen

Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK)

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen

Museum der bildenden Künste Leipzig

Neues Museum Nürnberg

Kunstverein Langenhagen

Kunsthalle Bern

Erwähnte Personen

Jan Verwoert – Autor des Essays “Frei sind wir schon. Was wir jetzt brauchen, ist ein besseres Leben”

Fatih Akin

Ute Mahler

Wim Wenders

Annika Benda

Andreas Gursky

Thomas Demand

Wolfgang Tillmans

Daniel Richter

23.06.2026 | Katrin Schröder

Life After Art School: Clemens Sienknecht

Ein abgebrochenes Lehramtstudium, das sich 30 Jahre später als absolviert herausstellte. Erfolglose Versuche, mit Bands reich zu werden. Und dann Anfang der 1990er Jahre eine folgenreiche Zusammenarbeit mit dem Theatermacher Christoph Marthaler am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

Clemens Sienknecht ist zu Gast bei Life After Art School. Seit über 30 Jahren ist er einer der zentralen Protagonisten im wegweisenden Theater Christoph Marthalers und entwickelt darüber hinaus mit seiner Lebensgefährtin Barbara Bürk Inszenierungen an diversen deutschen Theatern.

Nora und Cornelius lernen von Clemens, warum Geduld, keine Angst vor Pausen und lange Bögen wichtig für das Theater sind. Warum sich Kunst zu machen wie ein Doppelleben anfühlt. Wie das Arbeitsprinzip „Band“ für die Theaterprobe funktioniert. Und mit welchen Methoden sich tolle Titel für die eigenen künstlerischen Arbeiten entwickeln lassen.

Mitwirkende Biografien

Gast – Clemens Sienknecht

Clemens Sienknecht, 1964 in Hamburg geboren, studierte an der Universität Hamburg und der HfMT Hamburg Sport und Musik auf Lehramt. Während der Arbeit am ersten Staatsexamen erhielt er 1993 die Anfrage als Musiker bei einer Inszenierung des Theatermachers Christoph Marthaler am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mitzuwirken. Es entstand eine bis heute bestehende Zusammenarbeit. Eigene Arbeiten inszenierte Clemens Sienknecht gemeinsam mit Barbara Bürk u. a. in Hannover, Basel, Zürich, Hamburg, Köln und Düsseldorf.

Moderator*innen

Nora Sternfeld ist Kunstvermittlerin und Kuratorin. Sie ist Professorin für Kunstpädagogik an der HFBK Hamburg. Von 2018 bis 2020 war sie documenta Professorin an der Kunsthochschule Kassel. Von 2012 bis 2018 war sie Professorin für Curating and Mediating Art an der Aalto University in Helsinki. Darüber hinaus ist sie Co-Leiterin des /ecm – Studienprogramm für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien, im Kernteam von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis, Mitbegründerin und Teil von trafo.K, Büro für Bildung, Kunst und kritische Wissensproduktion (Wien), seit 2022 ist sie Teil von INGLAM – Inglourious Art Mediators – eine Band für Lecture Performances (Hamburg) und seit 2011 Teil von freethought, Plattform für Forschung, Bildung und Produktion (London). In diesem Zusammenhang war sie auch eine der künstlerischen Leiter:innen der Bergen Assembly 2016 und arbeitete von 2020-2022 an „Spectral Infrastructure“ – einem Forschungskontext in Kooperation mit der basis voor actuele kunst (BAK, Utrecht). Sie publiziert zu Kunst, Bildungstheorie, Ausstellungen, Geschichtspolitik und Antirassismus.

Cornelius Puschke arbeitet als Dramaturg, Kurator und Dozent. Er studierte Kulturanthropologie und Germanistik an der Universität Hamburg und hatte Anstellungen am Maxim Gorki Theater und bei den Berliner Festspielen. 2014-2015 war er Gastprofessor für Dramaturgie an der HAW Hamburg. Seit 2017 arbeitet er selbstständig und kuratierte Projekte wie “100 neue Wörter” (Literaturforum im Brecht-Haus) oder „1000 Scores. Pieces for Here, Now & Later“ (mit Helgard Haug & David Helbich). Cornelius Puschke arbeitet derzeit für das Programm “Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen” der Kulturstiftung des Bundes und lehrt an der HfMT Hamburg und der HFBK Hamburg.

SHOWNOTES

Institutionen

Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT)

Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK)

Popkurs Hamburg (ehemals Kontaktstudium Popularmusik)

Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Volksbühne Berlin

Schauspielhaus Zürich

Wiener Festwochen

Festival d’Avignon

Personen

Christoph Marthaler – Regisseur, dessen Arbeiten Sienknecht über Jahrzehnte prägten.

Barbara Bürk – Regisseurin, Autorin und künstlerische Partnerin von Clemens Sienknecht.

Rainer Werner Fassbinder

Franz Wittenbrink

Das Bild zeigt ein tanzendes Mädchen, das einen Weg abläuft, auf dem Fußabdrücke im Beton zu sehen sind.

Bewegung ist für Menschen egal welchen Alters wichtig. (Bild: Hugues de BUYER-MIMEURE/Unsplash)

29.04.2026 | Meena Stavesand

Warum Rhythmik für die Gesellschaft wichtig ist: „Jeder Mensch ist musikalisch“

Musik und Bewegung sind voneinander abhängig. Wir müssen uns erstens bewegen, um Musik zu erzeugen, und zweitens bewegen wir uns zur Musik. Das kann ein richtiger Tanz oder auch nur der wippende Kopf sein. Auf jeden Fall macht die Rhythmik etwas mit uns. Was genau und wo man Rhythmik einsetzen kann, erklärt uns Alexander Riedmüller zum Welttag des Tanzes (29. April).

Alexander Riedmüller ist Rhythmiker und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Mensch, Musik und Bewegung. In seinem Lernangebot zu diesem Thema zeigt er Anwendungsbereiche sowie Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die die Rhythmik bietet. Für dieses Angebot der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) ist er vor kurzem mit dem Aviso-Publikationspreis zur Förderung innovativer musikpädagogischer Publikationen der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien ausgezeichnet worden. Wir haben mit Alexander Riedmüller über Rhythmik und ihre Bedeutung für Menschen gesprochen.

Alexander Riedmüller, worum geht es in deinem Lernangebot „Rhythmik / Musik und Bewegung“?

Alexander Riedmüller: Rhythmik ist ein sehr breites Fach, für das wir einen niederschwelligen Überblick geben wollten. Das Lernangebot „Rhythmik / Musik und Bewegung“ soll sowohl Menschen informieren, die noch nichts mit Rhythmik zu tun hatten, als auch Fachleute mit tiefgehendem Wissen versorgen. Wir sprechen in diesem digitalen, für alle offenen Lernangebot etwa über die verschiedenen Einsatzbereiche von Rhythmik, geben in Videos aber auch wissenschaftliche Informationen oder Forschungsstrategien – zum Beispiel für Studierende, die sich forschend mit dem Thema auseinandersetzen möchten.

Das Bild zeigt Alexander Riedmüller, der per Video zu der Preisverleihung dazu geschaltet ist. Er bekam den Aviso-Publikationspreis der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. (Bild: privat)
Alexander Riedmüller ist per Video zu der Preisverleihung dazu geschaltet ist. Er bekam den Aviso-Publikationspreis der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien. (Bild: privat)

Warum ist Musik und Bewegung für uns Menschen wichtig?

Riedmüller: Musik und Bewegung sind voneinander abhängig – in zweifacher Hinweis. Erstens müssen wir uns bewegen, um zu musizieren, zweitens bewegen wir uns zur Musik; das kann zum Beispiel mit dem wippenden Fuß oder Kopf beginnen und dann immer stärker werden – hin zu einem Tanz. Musik kann uns physisch, aber auch emotional bewegen.

Gilt das für alle Menschen?

Riedmüller: Ja, jeder Mensch ist musikalisch. Wenn wir Musik hören, löst das etwas in uns aus – wir bewegen uns. Aber wir setzen Musik auch in Beziehung. Das heißt: Unser Gehirn verknüpft automatisch ähnliche Lieder miteinander – wir können so emotional ergriffen sein beziehungsweise werden.

Wo wird Rhythmik als Fach eingesetzt?

Riedmüller: Rhythmiker:innen arbeiten etwa mit Kindern, um die Sinneswahrnehmungen zu schärfen, um die Kreativität zu fördern oder um das Sozialverhalten zu stärken. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich viele Erzieher:innen oder Studierende der Musikpädagogik mit dem Zusammenhang von Musik und Bewegung beschäftigen. Aber auch Schauspieler:innen oder Opernsänger:innen, also Menschen, die professionell mit Musik arbeiten, helfen Rhythmiker:innen Musik noch besser wahrzunehmen. Rhythmik kann also sehr niederschwellig und früh bereits bei kleinen Kindern zum Einsatz kommen, aber auch den Menschen helfen, die noch besser verstehen wollen, wie Musik funktioniert.

Wie kam es zu dem Lernangebot an der HOOU?

Riedmüller: Wir haben vor dreieinhalb Jahren mit einem Team begonnen, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen und entwickeln das Lernangebot „Rhythmik / Musik und Bewegung“ seitdem weiter. Von Anfang mit dabei sind Goran Lazarevic von der HfMT und ich – aber in den Jahren haben uns immer wieder tolle Menschen dabei unterstützt, den Kurs stetig zu erweitern. Sein zwei Jahren ist  Professorin Elisabeth Pelz fest dabei – wir gehen jetzt auch in die vierte Projektrunde und arbeiten aktuell daran, das Lernangebot zweisprachig aufzusetzen, in Deutsch und Englisch. Die Idee zu dem Thema kam uns, weil man Rhythmik als Fach in Hamburg nicht studieren kann, aber an der HfMT viele Menschen arbeiten, die sich mit Rhythmik beschäftigen – in der Musiktherapie, in der Musikpädagogik, generell in der körperorientierten Lehre. Diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten wollen wir in dem Lernangebot sichtbar machen.

Das Fach Rhythmik hat also vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Kann es damit auch eine gesellschaftliche Rolle spielen? 

Riedmüller: Ja. Auch diese gesellschaftliche Rolle möchten wir mit dem Lernangebot zeigen. Rhythmik kommt etwa in der Schule, im Kindergarten zum Einsatz, aber auch in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Wir sehen darüber hinaus Ansätze in der Arbeit mit Senior:innen. Kurz gesagt: Überall dort, wo wir uns mit Musik und Bewegung beschäftigen. Und genau das wollen wir mit unserem Kurs vermitteln.

10.12.2025 | Katrin Schröder

Life After Art School: Nele Lipp

– Von ertanzten Bildern, Butoh und Türen zwischen Theater- und Museumsräumen –

Die Künstlerin, Wissenschaftlerin, Kuratorin und Hamburger Tanz-Pionierin Nele Lipp ist zu Gast bei Life After Art School. Sie studierte zwischen 1968 und 1974 Schauspiel am Schauspielstudio Frese sowie Kunstpädagogik und Freie Kunst an der HFBK Hamburg. Sie ist nicht nur eine maßgebliche Wegbereiterin für den Tanz in Hamburg, sondern verkörpert mit ihrer Biographie die Begegnungen zwischen performativer und bildender Kunst.

Im Gespräch mit Nora Sternfeld und Cornelius Puschke berichtet Nele, warum ihr Unwillen, im Schauspielstudium klassische Frauenrollen spielen zu müssen, sie in die Metallwerkstätten der HFBK führte. In der Freien Kunst angekommen pendelte sie fortan zwischen den Disziplinen und entwickelte ab den 1970er Jahren eine performative Praxis in Museumsräumen, die für Tanz und Bildende Kunst wegweisend wurde. Nele Lipp ist promovierte Tanzwissenschaftlerin und veröffentlichte diverse Publikationen, darunter das vierbändige Lexikon „Tanz + Bildende Kunst“, das rund 3000 Einträge umfasst und von ihr beständig ergänzt und erweitert wird.

Shownotes

Nele Lipp: TANZ + BILDENDE KUNST. Ein Lexikon.

Nele Lipp: Entrée libre. Denken zwischen den Künsten (2020)

KOÏNZI-DANCE e.V.

Monsun Theater

Lola Rogge Schule

Hamburger Schauspiel-Studio Frese

Butoh Tanz

Ertanzte Bilder / Barfuß im Museum

VA Wölfl

MUSÉE DE LA DANSE

Lavinia Schulz und Walter Holdt Hamburger Künstlerfest

Poolhaus Blankenese

Die Parabel

Deutsches Tanzarchiv Köln

Deutsches Tanzfilm Institut Bremen

Architektur Centrum Hamburg

EXPO 2000 – Der Kredit

17.11.2025 | Katrin Schröder

Life After Art School: Lorenz Nolting

Lorenz Nolting ist der Gast der sechsten Folge von Life After Art School. Lorenz studierte Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste und Regie an der HfMT Hamburg. Er hat sein Studium vor einigen Jahren erfolgreich abgebrochen und inszeniert seitdem mit zahlreichen Kompliz*innen an diversen Theatern im deutschsprachigen Raum. Seine Arbeiten tragen Titel wie “WOYZECK – das schärfste Messer Deutschlands” (Thalia Theater) oder “ULTRALENZ – 70 000 Cops wollen deine Location wissen” (Volksbühne). Im vergangenen Sommer löste die Absage seiner Inszenierung “ÖDIPUS EXZELLENZ” durch den Intendanten des Theater Osnabrück eine weitreichende Debatte über Macht und Entscheidungsstrukturen in deutschen Stadttheatern aus.

Anne und Cornelius sprechen mit Lorenz über das Verhältnis von Input und Output, über TikTok und YouTube, dem Traum Schauspieler zu sein und Regisseur oder vielleicht auch Schreiner zu werden, über die Bedeutung eines Armbruchs und die Sehnsucht nach Momenten der Ruhe. 

Lorenz erzählt außerdem von seiner Arbeit mit dem Peng!-Kollektiv und seiner Zeit beim Jugendtheater P14 der Volksbühne Berlin. Im Februar 2026 kommt seine nächste Inszenierung “ELEKTRA – 100 Pferdestärken Vergangenheitsüberwältigung” am Volkstheater München raus.

Shownotes, Links 

Hochschule für Musik und Theater Hamburg
https://www.hfmt-hamburg.de/

Hochschule für Bildende Künste Hamburg
https://www.hfbk-hamburg.de/de/

Audiolabor der Hochschule für Bildende Künste Hamburg
https://www.hfbk-hamburg.de/de/hochschule/einrichtungen/werkst%C3%A4tten/audiolabor/

P14 – Volksbühne Berlin 
https://www.volksbuehne.berlin/de/p14

Folkwang Universität der Künste
https://folkwang-schauspiel.de/

Sofie Boiten
https://sofieboiten.com

Leo Meier
https://www.fischer-theater.de/autor/leo-meier-7328651

05.09.2025 | Katrin Schröder

Life After Art School: Verena Brakonier

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Verena Brakonier

Für die vierte Ausgabe von Life After Art School treffen Nora und Cornelius die Künstlerin Verena Brakonier an ihrem Arbeitsplatz im Gängeviertel.

Verena Brakonier beschreibt sich als Arbeiter*innenkind und hat an der Folkwang Universität der Künste in Essen Tanz studiert. Ihre Performances entstehen in enger Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen und thematisieren vor dem Hintergrund ihrer Biographie Themen wie Körper und Klassismus.

In dem Gespräch geht es um die Frage, weshalb und unter welchen Voraussetzungen eine künstlerische Ausbildung schon weit vor dem Studium beginnt, warum es für Verena wichtig war sich von dem im Studium erlernten Handwerk zu befreien und welche Fähigkeiten es braucht, um selbstorganisierte Orte wie das Gängeviertel aufzubauen und zu erhalten.

Shownotes, Links

Verena Brakonier https://verenabrakonier.de/

Das Gängeviertel, Hamburg
https://das-gaengeviertel.info

Folkwang Universität der Künste, Essen
https://www.folkwang-uni.de/home

Lichthof Theater, Hamburg
https://www.lichthof-theater.de/

Fundus Theater, Hamburg
https://www.fundus-theater.de

PACT Zollverein
https://www.pact-zollverein.de/

Darko C. Nikolic
https://dcnikolic.com/

Francis Seeck
https://www.francisseeck.net

Class Matters immer noch Verena Brakonier
www.classmatters-immernoch.de

15.07.2025 | Katrin Schröder

Life After Art School: Annika Kahrs 

Für die dritte Ausgabe von Life After Art School treffen Anne und Cornelius die Künstlerin Annika Kahrs auf der Tanzfläche des Clubs arkaoda in Berlin Neukölln. 

Annika hat ihr künstlerisches Studium an der HFBK 2012 abgeschlossen, lebte danach in Hamburg und zog vor wenigen Jahren nach Berlin. Die meisten ihrer Werke, die sie in namhaften Museen und bei diversen Biennalen zeigte, bewegen sich zwischen Video, Musik und Performance. Als wir Annika treffen, befindet sie sich gerade mitten in der Produktion einer neuen Arbeit und der Vorbereitung für eine Solo-Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Cornelius und Anne sprechen mit ihr über Clubs als Lernorte, die lange Liste von Absagen auf Bewerbungen und eine ihrer ersten Ausstellungen im Golden Pudel Club.

Shownotes, Links

Annika Kahrs

arkaoda Berlin

Hamburger Bahnhof 

Louis d’Heudières

Golden Pudel Club

Produzentengalerie Hamburg

15.07.2025 | Katrin Schröder

Artists Talk #12: What would happen, if we would decide to do more creativity with our students?

Audiation-based music learning

Sprache: EN

Audiation is to music what thoughts are to language.

Audiation is to think, feel, embody and understand music. How can students develop more confidence of being musically convincing and use music as a vehicle of expression? What would happen, if we would decide to do more creativity with our students?

How can we understand learning better so we can improve our teaching?

Host: Prof. Dr. Almuth Süberkrüb

Gast: Prof. Dr. Christopher Azzara

Audioaufnahme: Diego Muhr

Aufnahmedatum: 28.11.2022

Audio Postproduction: Ian Whillock

License: CC BY SA 4.0

11.07.2025 | Katrin Schröder

ArtistsTalk #11: Sensorium Podcast – Yuri Akbalkan with Prof. Dr. Georg Hajdu

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Yuri Akbalkan
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Georg Hajdu

Yuri Akbalkan in conversation with Prof. Dr. Georg Hajdu

This episode of ArtistsTalk features an insightful exchange between composer Yuri Akbalkan and Prof. Dr. Georg Hajdu — a renowned composer, music theorist, founder of the ligeti zentrum, and initiator of Germany’s first Multimedia Composition program.

Date: 14/02/2024, 13:00-14:30 CET
Duration: 1 hour 28 minutes
Language: EN

Links

Georg Hajdu’s personal website https://georghajdu.de/

Multimedia Composition https://www.hfmt-hamburg.de/musik/multimedia-composition

Multimedia Composition at HfMT Hamburg on Instagram

MUTOR Music Technology Online Repository https://mutor-2.github.io/

Credits

Moderation: Yuri Akbalkan

Audio recording: Goran Lazarević

Audio editing: Diego Muhr

Die Angebote zum Selbstlernen auf der Online-Plattform der Hamburg Open Online University stehen allen Interessierten frei zur Verfügung.

Um unsere Lernangebote zu nutzen, brauchst du weder zu studieren noch bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Schau einfach online vorbei. Unsere Internetadresse ist www.hoou.de

Foto Yuri Akbalkan: Inga Sommer/HRA, Frédéric Pasquini, Bayaru Takshina
Foto Georg Hajdu: Jasmin Gritzka
Foto Qing Wang, enactment::interchange von Xiao Fu: Gerhard Kühne
Foto JazzHall HfMT Hamburg: Joerg Modrow
Foto SPIIC+ in der JazzHall HfMT Hamburg: leonie sens 
Foto zweimanualiges Cembalo von Cornelis Bom 1991 nach Johann Daniel Dulcken 1745: Yuri Akbalkan