Philip Rose als Gewinner des Science and Art Slam 2024 auf der Bühne nach der Preisverleihung.

Bild: Stavesand

17.10.2025 | Meena Stavesand

Science meets art: Wer holt sich den Slam-Pokal 2025?

Vergiss PowerPoint-Marathons und endlose Fachvorträge! Am Donnerstag, 6. November, wird in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg Wissenschaft zur Show! Beim 2. Science and Art Slam der Hamburg Open Online University haben Forschende und Kunstschaffende genau eine Mission: dich in wenigen Minuten von ihrem Thema zu begeistern. Und das Beste: Der Eintritt ist frei!

Stell dir vor, du sitzt in der Zentralbibliothek und vor dir auf der Bühne passiert gerade etwas Verrücktes: Ein Wissenschaftler zerbricht Spaghetti, um dir die Eigenschaften von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff zu erklären. Künstlerinnen mit Trenchcoat und Sonnenbrille philosophieren über nackte Reiter. Eine Musikerin verzaubert dich mit einem Instrument, das nur eine einzige Saite hat. Ein Forscher verbindet Mathematik mit Musik und plötzlich ergeben Formeln einen Beat.

Klingt unmöglich? Willkommen beim Science and Art Slam der HOOU! Hier treffen die unterschiedlichsten Disziplinen der Hamburger Hochschullandschaft aufeinander und buhlen um dein Interesse.

Slam-Gewinner 2024: Philip Rose

Du bist die Jury!

Das Besondere: Du entscheidest, wer gewinnt! Als Publikum bist du die Jury. Dein Applaus bestimmt, wer am Ende des Abends den begehrten Slam-Pokal in den Händen hält. Zwischen den Slam-Runden gibt’s eine Pause zum Durchatmen und zum Diskutieren der vielen Aha-Momente.

Der Abend startet um 17.30 Uhr. Nach zwei Slam-Slots voller Überraschungen folgt gegen 19.45 Uhr das Voting. Um 20.30 Uhr küren wir die Gewinner:innen – und du gehst mit einem Kopf voller faszinierender Ideen nach Hause. Bei einem kurzen Ausklang kannst du deine brennendste Frage aber noch an die Wissenschaftler:innen und Kulturschaffenden loswerden, wenn du möchtest.

Wissenschaft und Kunst gehören in unser Leben

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Hamburg Open Online University mit den Bücherhallen Hamburg. Gemeinsam wollen wir zeigen: Wissenschaft und Kunst sind keine abgehobenen Elfenbeintürme, sondern gehören mitten ins Leben, mitten in die Stadt, mitten zu dir.

Der Eintritt ist komplett kostenfrei, aber die Plätze sind begrenzt! Sichere dir jetzt dein Ticket über die Website des Multimedia Kontor Hamburg: www.mmkh.de/digitale-lehre/hoou/hoou-science-and-art-slam-2025

Science and Art Slam 2025
📅 Donnerstag, 6. November 2025, 17.30 bis 21 Uhr
📍 Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), 20097 Hamburg
💰 Eintritt frei | Anmeldung erforderlich

Sei dabei, wenn Wissenschaft auf Kunst trifft und beide um deine Begeisterung wetteifern. Ein Abend, der beweist: Forschung und Kreativität können unterhalten, überraschen und inspirieren – alles gleichzeitig.

Zu sehen ist eine Illustration in einem Rucksack, wo alle Menschen zusammenwirken.

Illustration: Charlotte Hintzmann

17.10.2025 | Meena Stavesand

Learning Circle: Wie kann Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen?

Du liest täglich von Massenentlassungen, Klimakrise und wachsender Ungleichheit und fragst dich: Muss Wirtschaft so sein? Die Gemeinwohl-Ökonomie zeigt: Nein, es geht auch anders. Ab Montag, 3. November, erkunden wir in einem kostenlosen Learning Circle gemeinsam dieses alternative Wirtschaftsmodell – mit konkreten Beispielen, Unternehmensbesuchen und deinen eigenen Ideen für eine lebenswerte Zukunft.

Aber fangen wir von vorne an. Denn um zu verstehen, warum diese Alternative super spannend ist, müssen wir erst einmal schauen, wo wir gerade stehen.

Lernen statt resignieren

Es ist Frühsommer 2025. Diverse Firmen kündigen an, Tausende Stellen in Deutschland abzubauen. Aufsichtsräte zahlen sich trotzdem Top-Gehälter aus. Der Mai war weltweit der heißeste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Politik stellt Forderungen nach mehr Leistung und längeren Arbeitszeiten.

Du liest jeden Tag neue Katastrophenmeldungen in den Medien und fragst dich, wo das Ganze noch hingehen soll. Du stehst am Anfang deiner beruflichen Karriere oder studierst noch. Du bist motiviert, interessiert, voller Fragen. Du willst lernen, etwas bewirken und vielleicht eine gute Zukunft aufbauen. Und nun stell dir eine Stadt im Jahr 2050 vor:

Eine Stadt in 25 Jahren

Die Straßen einer kleinen Stadt wirken lebendig. Auf den Wochenmärkten gibt es frische, regionale Produkte, produziert unter fairen Bedingungen. Die Menschen kennen die Gesichter und Geschichten hinter den Lebensmitteln. Unternehmen vor Ort achten auf ökologische Kreisläufe, auf Transparenz, auf Menschlichkeit. Sie treffen Entscheidungen nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern orientieren sich an Werten wie Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Mitbestimmung.

In dieser Stadt sind Bürger:innen und Unternehmen keine Gegenspieler, sondern gestalten gemeinsam ein Wirtschaftssystem, das langfristige Lebensqualität über kurzfristige Profite stellt. Erfolg wird nicht nur in Zahlen gemessen, sondern in Vertrauen, in Lebensqualität, in gesunden Beziehungen zwischen Menschen, Natur und Wirtschaft.

Aufbruch ins Unbekannte

Noch klingt diese Stadt wie ein Märchen. Und hier kommst du ins Spiel. Du öffnest die Tür zu einer neuen Perspektive: die Gemeinwohl-Ökonomie. Sie stellt die Grundfrage: Wofür ist Wirtschaft eigentlich da? Nicht mehr nur Effizienz, Konkurrenz und Gewinn stehen im Zentrum, sondern Menschenwürde, Nachhaltigkeit, Mitbestimmung und Solidarität.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, das Unternehmen und Organisationen danach bewertet und fördert, wie stark sie zum Wohl von Mensch, Gesellschaft und Umwelt beitragen.

Das Kursbild zum Lernangebot: Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)

Lern mehr über die Gemeinwohl-Ökonomie als innovative Wirtschafts- und Gesellschaftsform. Hinterfrage mit uns traditionelle Erfolgsmaßstäbe wie Gewinnmaximierung und lass uns unsere Gesellschaft gleichermaßen auf der Basis von Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und Mitbestimmung gemeinwohlorientiert gestalten.

Zum Lernangebot

Dein Learning Circle

In 9 Terminen erkunden wir das Lernangebot „Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie“ der HAW Hamburg, diskutieren Ideen und packen so deinen Rucksack für eine lebenswerte Zukunft.

Gemeinsam mit Gleichgesinnten machst du dich auf den Weg, mehr darüber zu lernen. Zu schauen, was Gemeinwohl-Ökonomie bedeutet. Wer schon mitmacht. Was ihr tun könnt, um Wirtschaft und Gesellschaft zu verändern. Den Auftakt machen wir im Wildwuchs Brauwerk. Danach finden die meisten Termine in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg (Hühnerposten 1, 20097 Hamburg) statt.

Wo: Wildwuchs Brauwerk, Jaffestraße 8, 21109 Hamburg
Start: 3. November 2025, 16:30 Uhr

Weitere Termine (jeweils ab 16:30 Uhr):

  • 10.11.2025
  • 17.11.2025
  • 24.11.2025
  • 01.12.2025
  • 08.12.2025
  • 15.12.2025
  • 12.01.2026
  • 19.01.2026: Abschluss in St. Pauli

Im Learning Circle besuchen wir gemeinsam 2 spannende GWÖ-Partnerunternehmen  in Hamburg wie das Wildwuchs Brauwerk, die die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie leben und umsetzen. So erhaltet ihr direkte Einblicke in nachhaltige Praxisbeispiele und könnt das Gelernte in realen Unternehmenskontexten hautnah erleben.

Sinnvolle Ideen und echte Lösungen mit dem richtigen Mindset

Doch diese neue Perspektive fordert dich auch heraus. Sie zwingt dich, Dinge zu hinterfragen, neu zu denken, komplexer zu sehen. Aber sie öffnet auch Türen – zu sinnvollen Ideen, echten Lösungen und einem Lebens- und Berufsweg, der nicht nur „funktioniert“, sondern auch verantwortlich ist.

Im Learning Circle arbeitest du an eigenen, kleinen Projekten.

Am Ende dieser Reise kehrst du zurück – nicht mit einfachen Antworten, aber mit wichtigen Fragen und der Vision einer besseren, gemeinsamen Zukunft.

Melde dich jetzt an

Bitte schreib einfach eine E-Mail an hoou@haw-hamburg.de mit dem Betreff „Anmeldung Learning Circle“. Wir nehmen dann direkt mit dir Kontakt auf.

Der Learning Circle ist eine Kooperation der HAW Hamburg, Econgood und HFH Hamburger Fern-Hochschule. Er ist kostenlos und für alle Menschen offen. Komm vorbei!

Das Bild zeigt ein Feld mit frisch gewachsenen Pflanzen.

Bild: Steven Weeks / Unsplash

26.09.2025 | HOOU

Was passiert, wenn Umweltwissen ein Eigenleben entwickelt?

„RUVIVAL“, eines der umfangreichsten HOOU-Lernangebote, erreicht Zielgruppen, an die ursprünglich kaum jemand gedacht hatte: von Hamburger Kleingärtner:innen bis zu Geografieklassen. Dr. Ruth Schaldach, die das Projekt vor zehn Jahren mit einem internationalen Team startete, blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die sie selbst überrascht hat. Das Interview führte Dorothee Schielein (TU Hamburg).

Als wir mit der HOOU begannen, wusste noch niemand, wie die Lernangebote der HOOU aussehen würden. Was war deine Vorstellung, als du angesprochen wurdest, mitzumachen?

Dr. Ruth Schaldach: Im Vorfeld war ich an der TU Hamburg bereits mit der Modernisierung der Lehrveranstaltungen beschäftigt. Diese Projekte waren im Bereich des Umweltingenieurwesens und beschäftigten sich mit innovativen, interaktiven Lehr-Lernkonzepten. Dies war ein guter Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit mit der HOOU bei der Entwicklung dieser Lehr-Lernkonzepte für die digitale Lehre. Es ging nicht nur darum, die eigene Lehre innerhalb der Universität neu zu konzipieren, sondern auch darum, das tolle Wissen, das an der Universität stattfindet, die Diskussionen und die wichtigen Inhalte, gerade in der Umwelttechnik, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit sie von allen genutzt werden können.

Wolltet ihr von Anfang an mit „RUVIVAL“ ein bestimmtes Ziel erreichen? Oder habt ihr einfach mal angefangen und dann geschaut, wie es läuft?

In Teilen hatten wir schon ein sehr klares Ziel, das aber sehr ambitioniert war. Wir wollten dazu beitragen, dass nachhaltige Praktiken (des Umweltingenieurwesens) aus der Universität in die Welt getragen werden, damit das Wissen online zugänglich ist, angewendet wird und zu globalen Veränderungen führt. Zunächst waren wir ein kleines Projekt und haben in einem überschaubaren Rahmen an Inhalten gearbeitet und diese dann immer weiter ausgeweitet. Es ging darum, in Gegenden, in denen bestimmte Praktiken die Böden unfruchtbar gemacht haben, diese wiederzubeleben. Das steckt auch ein bisschen in unserem Projektnamen (siehe Infokasten zu „RUVIVAL“).

Während des Projekts haben wir gemerkt, dass das Ziel, das auf internationale Zusammenarbeit ausgerichtet war, auch ganz andere Zielgruppen angesprochen hat, als wir ursprünglich dachten. Das waren Entwicklungen, die dann manchmal innerhalb eines Projektes stattfanden, die sehr positiv und freudig waren. Zum Beispiel kam eine Schule auf uns zu, die meinte: „Hey, das sind ja die Geografieinhalte von unserer 12. Klasse.“ Wir haben vorher nicht den Geografielehrplan der 12. Klasse angesehen, aber einige Inhalte daraus treffen wohl zu. Oder Menschen einer Kleingartensiedlung in Deutschland, die sehr gerne auf unsere Inhalte zugegriffen haben, um sich Anleitungen zu holen, wie sie z. B. ein Kompostklo oder eine Regentonne bauen können.

Um Regenwasser für häusliche und landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen, kommen je nach Umfang, Art der Wassernutzung und Speicherort verschiedene Systeme zum Einsatz.

Ich erinnere mich an eine Erzählung, dass du in dem Ferienhaus deiner Familie eines der Projekte umgesetzt hast, die bei „RUVIVAL“ veröffentlicht wurden. Wie war das genau?

Ja, es hat auch seine Vorteile, an diesem Projekt so maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Denn: ich bin keine Umweltingenieurin. Ich komme aus den Geisteswissenschaften, bin Politikwissenschaftlerin, obwohl ich auch mal eine Tischlerlehre gemacht habe. Das war im Kontext dieses Ferienhauses praktisch für mich, dass ich dieses Wissen selbst anwenden und dann ausprobieren konnte. Ich habe dort eine Komposttoilette und ein Regenwassersammelsystem gebaut, bei denen ich eben auch verschiedenes Wissen von der „RUVIVAL“-Webseite genutzt habe. Und ganz aktuell baue ich eine Pflanzenkläranlage, bei der ich mich auf manche Inhalte der „RUVIVAL“-Seite stütze.

Information image

Der Name „RUVIVAL“ setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern RU = rural (ländlich) und VIVAL = vival (lebendig) und thematisiert die ökologische Wiederbelebung des ländlichen Raums. Ausgehend von Trockenheit, Wasserknappheit, Bodenerosion, Rückgang der Vegetation und der Ernteerträge stellt sich die Frage, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um unfruchtbares, degradiertes Land wieder zu regenerieren. Die Inhalte können in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Urdu genutzt werden.

Wenn das eigene Lernangebot dafür genutzt wird, um seine eigenen lebensweltlichen Herausforderungen zu meistern, ist das auf jeden Fall eine Evaluation höchsten Grades. Wenn du dir „RUVIVAL“ als abgeschlossenes Projekt anschaust, woran denkst du besonders gern zurück? Gibt es Menschen, Themen oder Situationen, an die du dich gerne erinnerst?

Besonders hat mir an dem Projekt gefallen, dass wir in einem sehr internationalen Team zusammengearbeitet haben. Dabei konnten wir Brücken zwischen der wissenschaftlichen Arbeit von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Studierenden schlagen, indem sie als ein gemeinsames Projekt interaktiv zusammengearbeitet haben. Wir haben zum Beispiel für zwei oder drei Inhalte Schulklassen eingeladen, um diese gemeinsam zu erstellen. Das war ein Charakter der Produktion, den ich sehr genossen habe, viele Menschen in die Produktion des gesamten Projektes zu integrieren. Zu sehen ist das auf der „Team-Seite“ (siehe: https://www.ruvival.de/de/ruvival-team/) unserer Website. Dort ist eine sehr, sehr lange Liste von sehr vielen Menschen, die sich mit großem Engagement und Enthusiasmus eingebracht haben.

Anführungszeichen in den Farben des HOOU-Themes
Es hat vielen sehr viel Spaß gemacht, über den fachlichen Tellerrand zu schauen und andere Methoden der Wissensvermittlung kennenzulernen.
Dr. Ruth Schaldach

Ich finde, das spürt man. Die einzelnen Artefakte sind wirklich mit so viel Liebe gemacht.

Ja, das war auch ein Feedback der Beteiligten. Wir haben für einige Videos die Stop-Motion-Technik verwendet. Das war eine schöne Erfahrung. Auch die Leute, die sonst eher aus dem technischen, also ingenieurwissenschaftlichen Bereich kamen, haben kreative Videos erstellt. Das hat vielen sehr, sehr viel Spaß gemacht, mal über den fachlichen Tellerrand zu schauen und andere Methoden der Wissensvermittlung kennenzulernen. Nicht nur ein wissenschaftliches Paper zu schreiben, sondern einen interaktiven Inhalt zu gestalten, ein Berechnungstool zu programmieren oder eben ein Stop-Motion-Video zu produzieren.

Das Kursbild zum Lernangebot: RUVIVAL - Den ländlichen Raum beleben

RUVIVAL - Den ländlichen Raum beleben

RUVIVAL produziert frei zugängliche E-Learning-Materialien, die sich mit der Wiederherstellung geschädigter Gebiete und der Schaffung neuer, nicht nur bewohnbarer, sondern auch lebenswerter Räume befassen.  

Zum Lernangebot

Gibt es einen Teil von „RUVIVAL“, von dem du sagen würdest: Ja, das ist eigentlich mein Lieblingselement oder mein Lieblingsbild, -film, -text?

Also, ich habe den Teil der Stop-Motion-Videos schon sehr lieb gewonnen. Da haben wir viel Liebe reingesteckt. Das ist für mich eine Form der Kommunikation, die wir sehr geschätzt haben, die aber auch unglaublich herausfordernd war. Es ist nicht einfach, komplexe Inhalte, für die man sonst ein ganzes Paper schreiben würde, in weniger als drei Minuten darzustellen. Aber es hat uns auch sehr viel Spaß gemacht, uns in diesen Bereich der Videoproduktion hineinzufuchsen.

Wenn du anderen Projekten etwas mitgeben würdest, die dich fragen, ob sie sich für ein HOOU-Projekt bewerben sollen, was wäre deine Antwort?

Ich kann auf alle Fälle empfehlen, sich bei der HOOU an der TU Hamburg zu bewerben, um dort mit einer Projektidee in die „HOOU-Familie“ aufgenommen zu werden. Einerseits die Möglichkeit zu haben, sehr kreativ neue Formen des digitalen Lernens auszuprobieren und andererseits von einem tollen Team unterstützt zu werden, ist super. Dazu zählten die Hinweise und fachliche Unterstützung, bei denen wir am Anfang nicht wussten, wie wir sie (technisch) umsetzen können. Es war aber auch wichtig, dass wir an den regelmäßigen Treffen teilgenommen haben.

Hättest du für „RUVIVAL“ noch Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie in den vergangenen Jahren, dass die Inhalte ein gewisses Eigenleben entwickeln. Denn wir haben gesehen, dass die Inhalte mit anderen Websites verlinkt werden. Die Menschen arbeiten mit den Inhalten und sie werden weitergetragen. Das ist etwas, was ich mir wünsche, dass es so weitergeht und dass die Ideen aufgegriffen, verändert, verbessert, aktualisiert und angewendet werden.

Das Bild zur Podcastepisode: 4226.10: Ruth Schaldach – RUVIVAL Universum

4226.10: Ruth Schaldach – RUVIVAL Universum

Die Projektleiterin der ersten Stunde, Dr. Ruth Schaldach, entwickelte mit ihrem großen, internationalen Team aus studentischen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen das bis heute umfangreichste Lernangebot der HOOU: RUVIVAL. In unserem Gespräch blicken wir zurück auf 10 Jahre produktive Zusammenarbeit.

Zur Episode

Vielen Dank für die schönen Einblicke und das tolle Projekt „RUVIVAL“, das ich immer sehr gerne weiterempfehle und als Vorbild für zukünftige Projekte sehe.

Ja, vielen Dank auch an dich. Ganz zum Schluss möchte ich noch einmal erwähnen, dass sehr, sehr viele Menschen mit großem Enthusiasmus an diesem Universum gearbeitet haben. Ich möchte mich noch einmal bei allen bedanken, dass sie sich so eingesetzt haben, „RUVIVAL“ in diesem Umfang realisieren konnten.

Über Dr. Ruth Schaldach

Dr. Ruth Schaldach ist Beraterin bei der IFB Hamburg und zuständig für das Enterprise Europe Network. Zuvor war sie an der Technischen Universität Hamburg mit der Leitung von Projekten im Bereich innovativer Lehre und digitaler Wissenschaftskommunikation betraut, zu denen auch das Projekt „RUVIVAL“ gehörte. Ihre Promotion befasst sich mit dem Thema Wasserressourcen und ist im Bereich der Politikwissenschaften angesiedelt. Darüber hinaus hat sie einen Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen (Macquarie University, Sydney) und einen Master-Abschluss in Europäischen Studien (Universität Hamburg).

Das Bild zeigt eine Pinzette mit einer Flüssigkeit. Jemand füllt diese in kleine Reagenzgläser.

Bild: Louis Reed / Unsplash

18.09.2025 | Paula Guglielmi

Von Krankheitserregern zu Umwelthelfern: Die faszinierende Welt der Mikrobiologie

Welches Extremophil bist du? Diese Frage klingt wie ein Scherz, ist aber der Türöffner zu einem der kreativsten Wissenschaftskurse im Netz. Dr. Carola Schröder und Dr. Philip Busch haben ihre Mikrobiologie-Forschung an der TU Hamburg in „MikiE“ verwandelt – einen kostenlosen HOOU-Kurs, der Stroh zu Bioethanol macht, Waschmittel revolutioniert und zeigt, warum die allermeisten Mikroben unsere Freunde sind.

Von Mikroben soll man sich fernhalten, da sie Krankheitserreger sind, richtig? Weit gefehlt! Dr. Carola Schröder, Mikrobiologin und ehemalige Projektdurchführende des Lernangebots „Mikroben im Einsatz (MikiE)“ klärt auf: „Nur sehr wenige dieser winzigen Organismen sind tatsächlich für Krankheiten beim Menschen verantwortlich. Vielmehr sind Mikroben wahre Schätze der Natur, denn sie produzieren Enzyme, die in verschiedenen technischen Bereichen wertvolle Dienste leisten können – sei es bei der Herstellung umweltfreundlicher Waschmittel oder der Umwandlung von Stroh zu Zucker und weiter zu Bioethanol.“ 

Das Kursbild zum Lernangebot: MikiE - Mikroben im Einsatz

MikiE - Mikroben im Einsatz

Ein Angebot des Instituts für Technische Mikrobiologie der Technischen Universität Hamburg (TUHH) in den Bereichen Mikrobiologie und Biotechnologie.

Zum Lernangebot

Der Begriff „Mikroben“ bezeichnet winzige Mikroorganismen wie Bakterien, Mikroalgen und Pilze, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. MikiE konzentriert sich besonders auf extremophile Mikroorganismen, die an extreme Umweltbedingungen wie hohe Temperaturen, extreme pH-Werte, hohen Salzgehalt oder hohen Druck angepasst sind.

Virtuelles Labor macht Forschung erlebbar

MikiE wurde 2017 am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg entwickelt. Mit großem Engagement und Kreativität hat das Team ein spannendes und lehrreiches Lernangebot geschaffen, das Einblicke in die Welt der technischen Mikrobiologie bietet. Dank allgemein verständlicher Texte, ansprechender Erklärvideos und eines virtuellen Labors wurde ihre Wissenschaft für alle zugänglich gemacht. So kann jede:r in die Rolle von Mikrobiolog:innen schlüpfen und die faszinierende Welt der Mikroben entdecken.

Welches Extremophil bist du?

Der Einstieg in das Lernangebot ist humorvoll gestaltet: Mit dem Test „Welches Extremophil bist du?“ kann man selbst herausfinden, welches kleine Lebewesen man sein könnte, wäre man eine Mikrobe. „Diese Idee entstand in einem Workshop der HOOU an der TU Hamburg, als jemand die Psychotests von Zeitschriften erwähnte“, erzählt Carola. Im Test beantwortet man Fragen wie „Wo machst du am liebsten Urlaub?“ oder „Was isst du am liebsten?“.

Information image

Mikroben sind winzige Lebewesen, die wir nur unter dem Mikroskop sehen können. Dazu gehören Bakterien, Pilze und Algen. Die meisten von uns denken bei Mikroben an Krankheiten, aber das stimmt nicht: Nur wenige Mikroben machen uns krank. Die meisten sind nützlich oder völlig harmlos. Mikroben helfen uns beim Verdauen, produzieren Sauerstoff und werden für die Herstellung von Brot, Bier oder Medikamenten gebraucht. Extremophile Mikroben sind besonders zäh und können auch dort leben, wo es sehr heiß, kalt oder salzig ist.

Am Ende bekommt man eine passende Mikrobe zugewiesen, die durch eine schöne Zeichnung von Dr. Christin Burkhardt und eine kleine Beschreibung dargestellt wird. Obwohl die Namen komplex sind, wie Halomonas elongata oder Colwellia piezophila, konnten sich viele Teilnehmende ihre zugewiesene Mikrobe sehr gut merken: „Selbst nach zwei Jahren erinnerten sich viele noch an ihr Ergebnis“, erzählt Carola.

Aus Stroh wird Zucker und Waschmittel umweltfreundlicher

Der Inhalt von MikiE ist eng mit der Forschung der Projektdurchführenden verbunden, wie Carola erzählt: „Wir hatten ein Projekt mit Waschmittelenzymen, um das Waschen umweltfreundlicher zu machen. Ein weiteres Thema war der Abbau von Stroh, um Zucker zu gewinnen und daraus Bioethanol herzustellen. Das war zum Beispiel mein Promotionsthema. Einige Themen der eigenen Forschung sind so in das Lernangebot eingeflossen, und das eigene Interesse spiegelt sich darin wider.“

Mit den Beispielen „Eco Washing mit Enzymen“ und „Green Mobility mit Bioethanol“ zeigen die Forschenden im Lernangebot, wie Enzyme unseren Alltag effizienter und umweltfreundlicher gestalten können. Mit MikiE lernt man, wie Mikrobiolog:innen nach solchen interessanten Enzymen suchen:

Zunächst wird die Erbinformation der Mikroben untersucht. „Das heißt, man knackt alle Zellen auf und sequenziert sie mithilfe einer speziellen Maschine“, erklärt Philip. Carola ergänzt: „Anschließend kann man sehen, ob der genetische Code für bestimmte Enzyme vorhanden ist, und diese dann gezielt produzieren und untersuchen. Manchmal hat man Glück und findet ein ganz tolles Enzym, das für die Industrie sehr wertvoll ist.“

Alltag der Mikrobiolog:innen erleben

Wer selbst erfahren möchte, wie Mikrobiolog:innen im Labor arbeiten, kann das virtuelle Labor von MikiE besuchen und dort gängige Experimente der Mikrobiologie durchführen. So lernt man, wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) funktioniert, eine Methode, die während der Corona-Pandemie berühmt wurde. „Die PCR ist eine der wichtigsten Methoden der letzten 30 Jahre. Jeder, der mit Biologie zu tun hat, wird irgendwann mit PCR arbeiten. Daher war es wichtig, diese Methode zu demonstrieren“, ergänzt Philip.

Die Entwicklung des virtuellen Labors fand Philip sehr interessant und auch herausfordernd: „Ich musste häufig an meine Routine im Labor denken, als ich den Programmierer, der keine Erfahrung im Labor hatte, anleitete, diese Abläufe in einem Programm abzubilden“. Es brauchte viele Interaktionen mit dem Programmierer der Firma Villa Hirschberg Online GmbH, bis das virtuelle Labor entstand: „Ich weiß nicht, wie oft ich das spielen musste, um jeden kleinen Fehler zu entdecken“, erzählt Philip.

Anführungszeichen in den Farben des HOOU-Themes

Wir mussten uns bremsen, wenn wir zu wissenschaftlich oder zu detailliert vorgingen. Wir mussten erst lernen, wie wir besser für Personen mit wenig Vorwissen in dem Thema kommunizieren können.

Dr. Carola Schröder

Sowohl Carola als auch Philip betonen den Kontakt mit der Öffentlichkeit und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Projekten als Stärken der HOOU. MikiE hatte ursprünglich die Studierenden der TU Hamburg als Zielgruppe, jedoch zeigte sich schnell, dass auch fachfremde Personen aus der Gesellschaft Interesse an dem Lernangebot haben: „Wir haben das Projekt einmal in den Bücherhallen präsentiert und festgestellt, dass sich tatsächlich viele Menschen für das Thema interessieren. Deshalb wurde uns schnell klar, dass wir das Lernangebot zugänglicher machen wollten“, erklärt Carola und ergänzt: „Am Anfang brauchten wir etwas Zeit, um uns zurechtzufinden. Wir mussten uns bremsen, wenn wir zu wissenschaftlich oder zu detailliert vorgingen. Wir mussten erst lernen, wie wir besser für Personen mit wenig Vorwissen in dem Thema kommunizieren können“.

Wie man die Gesellschaft besser erreicht

Dabei haben die HOOU-internen Veranstaltungen und der Austausch mit anderen Projekten sehr geholfen: „Es gab regelmäßige HOOU-Veranstaltungen zusammen mit anderen Projekten, wo wir gegenseitig unsere Lernangebote getestet haben. Da waren wir für andere Projekte auch die interessierte Öffentlichkeit ohne Vorkenntnisse. Es war interessant zu sehen, wie andere ihre Lernangebote aufbereiteten. Wir konnten uns gegenseitig Input geben, wie man Inhalte gestalten könnte. Mit jedem Meeting wurde man geübter darin, wie man Informationen verständlich vermittelt und Interesse weckt“, erzählt Carola.

MINT stärker in den Fokus rücken

Philip stimmt Carolas Meinung zu und ergänzt: „Das HOOU-Projekt ist eine gute Möglichkeit, Wissen zu verbreiten und MINT-Fächer stärker in den Fokus zu rücken. Ich finde es wichtig, dass dadurch Wissen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Mit der HOOU kann man Inhalte erstellen, die für jeden zugänglich sind, ohne dass monatliche Gebühren anfallen, wie es bei vielen anderen Programmen der Fall ist.

Über Dr. Carola Schröder

Dr. Carola Schröder ist Biologin mit dem Schwerpunkt Mikrobiologie. Nach ihrem Studium in Göttingen kam sie nach Hamburg, um ihre Promotion am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg durchzuführen. Nach ihrer Promotion leitete sie unter anderem das Projekt MikiE. Heute arbeitet sie in der freien Wirtschaft im Bereich der Prozessentwicklung, insbesondere an der Aufreinigung von Impfstoffen und anderen Therapeutika, die unter anderem mit Mikroben produziert werden.

Über Dr. Philip Busch

Dr. Philip Busch hat Biologie in Bochum studiert und am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg promoviert. Während seiner Zeit an der TU leitete er unter anderem die Entwicklung des virtuellen Labors von MikiE. Heute arbeitet er im Diagnostiklabor des Instituts für Hygiene und Umwelt der Stadt Hamburg, wo er sich mit medizinischer Mikrobiologie beschäftigt. Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der HAW Hamburg.

Auf der Bühne bei der Jubiläumsfeier diskutieren Moderator Dr. Ronny Röwert mit Olaf Scholz, Maryam Blumenthal, Prof. Dr. Sönke Knutzen und Prof. Dr. Frederike Masemann.

Diskussion auf der Bühne über die Rolle der HOOU. Bild: Katrin Schröder

10.09.2025 | Meena Stavesand

Die HOOU wird 10: "Bildung als zentrales Element einer Gesellschaft"

Die Hamburg Open Online University feierte ihr 10-jähriges Jubiläum mit einem Fest der offenen Bildung. Bundeskanzler a.D. Olaf Scholz, Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal und weitere Wegbegleiter:innen blickten auf eine Erfolgsgeschichte, die die Wissenschaft für alle erlebbar macht.

Ja, wir lieben Wortspiele. Und so stellte Dr. Ronny Röwert bei unserer Jubiläumsfeier natürlich das „HOOU is HOOU?“ der Hamburg Open Online University – kurz HOOU (gesprochen HU) – vor.

Das waren auf der Bühne Olaf Scholz, Bundeskanzler a.D. und vor über 10 Jahren Impulsgeber der HOOU, Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal, HOOU-Geschäftsführer Prof. Dr. Sönke Knutzen und HOOU-Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Frederike Masemann. Vor der Bühne im Forum Finkenau hatten sich viele weitere Gesichter der HOOU eingefunden, um gemeinsam zurück und nach vorne zu blicken.

Volles Haus bei der Jubiläumsfeier im Forum Finkenau. Bild: Moses Omeogo

Denn wie vielfältig die HOOU ist, zeigte sich am 4. September 2025 genau in diesem Raum. Die HOOU, die sonst oft digital auf Bildschirmen oder Smartphones stattfindet, machte Wissenschaft im wahrsten Sinne erlebbar. Als Verbundinitiative der Hamburger Hochschulen gestalteten zum 10. Geburtstag viele Projektverantwortliche im Forum Finkenau einen Ort voller Inspiration, Wissen und Bildung.

Themen, die die Menschen bewegen

Ob mit der VR-Brille auf dem Kopf, in Gesprächen über KI, Nachhaltigkeit und Gesundheit oder als Podcast in den Ohren – die HOOU hat gezeigt, wie offene Bildung für alle Menschen aussieht. So erlebten die Besucher:innen hautnah, wie aus Forschung spannende Impulse für den Alltag entstehen. Denn die HOOU schafft es seit 10 Jahren, Themen, die die Menschen bewegen, aufzuspüren und begreifbar zu machen.

Weiterbildung wichtiger denn je

Die HOOU spielt in Zeiten von Transformation und gesellschaftlichem Wandel eine besondere Rolle, das hat Senatorin Blumenthal deutlich gemacht: „Wir haben in Hamburg eine heterogene Gesellschaft mit unterschiedlichen Bildungsbiografien. Und das Bedürfnis der Menschen, sich weiterzubilden, sich zu zertifizieren, wird immer größer. Die HOOU mit ihren Angeboten deckt genau dieses Bedürfnis ab“, sagte sie.

Scholz ergänzte: „Vor 50 Jahren hatte man nicht diese vielfältigen Möglichkeiten. Heute ist die Welt offen, Bildung ist offen. Orientierung, wie sie die HOOU bietet, wird dabei immer wichtiger.“ Der Bundeskanzler a.D. hat die HOOU als damaliger Erster Bürgermeister von Hamburg vor über 10 Jahren initiiert. Mit dabei war von Beginn an Prof. Dr. Sönke Knutzen von der TU Hamburg, der nun als Geschäftsführer fungiert.

Prof. Dr. Sönke Knutzen (l.) mit Olaf Scholz beim Rundgang durch die Angebote der HOOU. Bild: Katrin Schröder

Brücke zwischen Hochschule und Gesellschaft

Knutzen stellte die Bedeutung der HOOU für die Gesellschaft heraus: „Bildung ist das zentrale Element einer Gesellschaft. Aktuell sehen wir das Problem, dass die Gesellschaft wegdriftet, zu wenig Dialog, zu wenig Kompromisse. Wir verstehen viele Dinge nicht mehr. Aber über Bildung finden wir wieder zusammen.“ Aber Bildung ist nur ein Teil, für das die HOOU steht. Da sie eine Verbundinitiative der Hamburger Hochschulen ist, geht es auch um Forschung und Wissenschaft. Knutzen: „Die HOOU steht insbesondere für Wissenschaftserleben – dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht hinter Hochschulmauern bleiben, sondern für alle Menschen zugänglich und verständlich werden. So ist die HOOU eine Brücke zwischen Hochschulen und Gesellschaft.“

Masemann ergänzte als HOOU-Aufsichtsratsvorsitzende die Idee hinter der Initiative: „Die Stärke und das Erfolgskriterium der HOOU ist die Verbundidee. Die Hamburger Hochschulen machen gemeinsam ein Angebot für alle diejenigen, die ihre Zeit nicht mit dumb scrolling in Social Media verschwenden wollen, sondern nach kuratierten und qualitativ hochwertigen Inhalten und Formaten suchen.“

An der Station der HafenCity Universität ging es ums Bauen. Bild: Moses Omeogo

Zukunftsversprechen an die Gesellschaft

Die Jubiläumsveranstaltung machte deutlich: Die HOOU ist nicht nur ein Erfolgsmodell der letzten Dekade, sondern auch ein Zukunftsversprechen. Sie verbindet die Hamburger Hochschulen, öffnet Türen für alle Menschen und zeigt, wie Wissenschaft lebendig werden kann. „Wir müssen anspielbar bleiben“, sagten Knutzen und Masemann unisono und meinen damit nicht nur für Kooperationspartner, sondern auch für alle Menschen in und um Hamburg und über die Grenzen der Metropolregion hinaus.

Die HOOU bleibt eine Leuchtturminitiative mit besonderer Strahlkraft im Wissenschafts- und Bildungsbereich – dank des Engagements vieler Menschen auf und vor der Bühne.

https://youtu.be/O7c2H4hFVu4
Information image

Die Hamburg Open Online University (HOOU) ist ein Verbund der HafenCity Universität Hamburg, der HAW Hamburg, der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, der TU Hamburg, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, des Multimedia Kontor Hamburg und der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Seit 2015 ermöglicht die HOOU offene und kostenfreie Bildungsangebote, die jederzeit online abrufbar sind und Hamburg als Wissenschafts- und Bildungsstandort stärken. Mit ihrem Ansatz, Wissenschaft erlebbar zu machen, ist die HOOU ein Vorreiter für offene Bildung in Deutschland.

Jakob Kopczynski von der HAW Hamburg.

Jakob Kopczynski von der HAW Hamburg.

14.08.2025 | Meena Stavesand

10 Jahre HOOU: Von der ersten leisen Idee zu blühenden Landschaften

Was haben spielerisches Lernen, moderne Familiengefüge und die Kardashians gemeinsam? Vielleicht mehr, als wir auf den ersten Blick sehen, vor allem aber sind es die Erinnerungen die Jakob Kopczynski von HAW Hamburg mit der HOOU verbindet. Er ist seit der Gründung vor 10 Jahren dabei und blickt auf viele schöne Momente. Seine Vision für die nächsten 10 Jahre? Rosig!

Was ist deine liebste oder erste Erinnerung an die HOOU?

Ich durfte die HOOU schon kennenlernen, bevor sie überhaupt so hieß und bevor ich dann einige Monate später ein Teil von ihr wurde. Denn auf Einladung der Senatskanzlei habe ich in einer der Gremienrunden die Möglichkeiten des spielerischen Lernens vorgestellt, damals noch als Freelancer für die Initiative „creative gaming“.

Dies wurde sehr interessiert aufgenommen, war zu dem Zeitpunkt jedoch noch etwas zu „inhaltlich“ und zu konkret für eine Sache, die erst einen Anfang finden musste. Aber umso schöner war es, zu sehen, dass in den folgenden Jahren viele spielerische Lern- und Lehnansätze ihren Weg zur HOOU gefunden haben und ich Teil dieser sein durfte.

Was hast du aus deiner Zeit oder aus deinem Engagement bei der HOOU für dich persönlich mitgenommen?

Dank der unterschiedlichen Projekte aus mannigfaltigen Wissensgebieten konnte ich selbst super viel lernen. Ich kam z. B. nicht drum herum, Animationsvideos über Geschlechterverhältnisse zu produzieren, ohne etwas über Ungerechtigkeiten, Stereotype und Sexismus zu lernen, oder bei einem Projekt, das sich u. a. mit modernen Familiengefügen und Stammbäumen auseinandersetzt, zu lernen, wie die Familienverhältnisse der Kardashians genau aussehen. Letzteres war nicht unbedingt bewusstseinserweiternd, aber ersteres hat mich in meiner Haltung und meinem Bewusstsein für Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft sehr weitergebracht.

Wenn du die Zukunft der HOOU in zehn Jahren vorhersagen müsstest, wie würde sie aussehen?

An dieser Stelle ist vielleicht auch etwas der Wunsch „Vater des Gedankens“, aber ich lehne mich Mal weit aus dem Fenster und spreche in Worten eines Altkanzlers: ich sehe blühende Landschaften! 10 Jahre sind eine lange Zeit in der sich die Lernplattform der HOOU ganz sicher als oft aufgerufene, zuverlässige und vertrauenswürdige Quelle des Wissens etablieren wird. Dann werden zumindest in Hamburg die meisten etwas mit der HOOU anfangen können.

Es wird regelmäßige Events geben, die das Label HOOU tragen, bei denen viele Menschen unterhalten werden und gleichzeitig etwas lernen. Offene Bildung wird gefragt sein, und wir werden alle dankbar sein, dass wir über die Grenzen der Universitäten hinaus lernen und die Welt um uns herum besser verstehen können.

Zu sehen ist Tam Thi Pham beim Spiel auf der Dan Bau.

Bild: Tong Khanh Ha

24.07.2025 | Meena Stavesand

"Was während meines Studiums begann, hat sich dank der HOOU weiterentwickelt"

Seit ihrer Zeit als Studentin ist die Improvisationsmusikerin Tam Thi Pham an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) mit der Hamburg Open Online University verbunden. Heute unterrichtet sie selbst das vietnamesische Saiteninstrument đàn bầu an der HfMT – unterstützt durch die HOOU. Im Interview erzählt Tam von einem unvergesslichen Slam-Erlebnis, ihrem fachlichen Wachstum und ihrer Vision einer globalen Lernplattform.

Zum 10. Geburtstag der HOOU sprechen wir mit Wegbegleiter:innen und Wegbereiter:innen – Menschen, die die Initiative und Plattform über die Jahre geprägt, mitgestaltet und weiterentwickelt haben. Eine von ihnen ist Tam Thi Pham von der HfMT. Tam hat unsere Fragen im Original auf Englisch beantwortet – diese Version steht unten. English Version below.

Was war deine schönste oder eindrücklichste Erinnerung an die HOOU?

Eine meiner schönsten Erinnerungen ist definitiv die Teilnahme am Science-and-Art Slam. Das war eine fantastische Erfahrung, bei der ich mein Projekt über das Instrument đàn bầu auf eine spielerische und kreative Weise präsentieren konnte. Es hat richtig Spaß gemacht, ein neues Präsentationsformat auszuprobieren und dadurch einen leichteren Zugang zum Publikum zu finden. Das Ganze war nicht nur inspirierend, sondern auch sehr bereichernd.

Was hast du persönlich aus deiner Zeit mit der HOOU mitgenommen?

Durch die Unterstützung der HOOU konnte ich mein Wissen über die đàn bầu deutlich vertiefen – musikalisch, aber auch in Bezug auf die kulturellen und historischen Hintergründe. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, meine Projekte und mich weiterzuentwickeln. Was damals während meines Studiums an der HfMT begann, hat mich wachsen lassen: Heute lehre ich selbst đàn bầu an der HfMT – die HOOU hat dies entscheidend mitgeprägt.

Wie siehst du die Zukunft der HOOU in zehn Jahren?

Ich denke, dass selbstbestimmtes digitales Lernen in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. In zehn Jahren könnte die HOOU eine international anerkannte Plattform sein – ein offener, innovativer Lernort für Menschen weltweit. Mit ihrem offenen Ansatz und ihrer inhaltlichen Vielfalt kann die HOOU Menschen global verbinden und ein echtes Lebenslanges Lernen ermöglichen.

English version:

Since her time as a student at the Hochschule für Musik und Theater (HfMT), improvisational musician Tam Thi Pham has been connected to the Hamburg Open Online University. Today, she teaches the Vietnamese string instrument đàn bầu at HfMT – supported by the HOOU. In this interview, she talks about an unforgettable slam experience, her professional growth, and her vision for a global, open learning platform.

To mark HOOU’s 10th anniversary, we’re speaking with companions and pioneers – individuals who have shaped, developed, and supported the initiative and platform over the years. One of them is improvisational musician Tam Thi Pham from HfMT.

What is your favourite memory of the HOOU?

One of my favorite memories with HOOU was participating in the Science-and-Art Slam. It was a fantastic experience that allowed me to present my project đàn bầu in a fun and engaging way. I really appreciated the chance to explore a new presentation format, which helped me connect with the audience on a more accessible and light-hearted level. It was both inspiring and rewarding to share my work in such a creative environment.

What have you personally taken away from your time or involvement with the HOOU?

Thanks to the support from HOOU, I was able to deepen my knowledge of the đàn bầu — not only in terms of musical practice but also in its cultural and historical context. I’m truly grateful for the opportunities HOOU provided to develop my projects and grow professionally. What started during my time as a student at HfMT has since evolved — today, I’m proud to be a docent for đàn bầu at HfMT. HOOU has played a meaningful role in that journey.

If you had to predict the future of the HOOU ten years from now, what would it look like?

I believe self-directed digital learning will continue to grow in popularity and importance as a key way of gaining knowledge. I envision HOOU becoming an internationally recognized platform, known worldwide as a valuable and accessible resource for learning across a wide range of subjects. With its open approach and focus on innovation, HOOU has the potential to empower even more learners globally, connecting communities and fostering lifelong learning.

Zu sehen sind die Referierenden bei der KI-Werkstatt in den Bücherhallen.

Lernen erleben: KI-Werkstatt der HOOU. Bild: Maximilian Glas

02.07.2025 | Meena Stavesand

„Die HOOU ist heute lebendig, sichtbar und voller Dynamik“

Die Hamburg Open Online University feiert ihren 10. Geburtstag – ein Jahrzehnt voller digitaler Bildung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und innovativer Projekte. Prof. Dr. Dr. Andreas H. Guse, Prodekan für Lehre am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), ist von Anfang an dabei. Im Interview blickt er auf die Entwicklung der HOOU, beschreibt die neue Dynamik der vergangenen Jahre und erklärt, warum der Austausch mit den anderen Hamburger Hochschulen für ihn persönlich wie fachlich ein besonderer Gewinn ist.

Wenn Sie zurückblicken – was war Ihre prägendste Erinnerung?

Prof. Dr. Dr. Guse: Besonders in den vergangenen Jahren ist spürbar geworden, welches Potenzial in der HOOU steckt. Es ist faszinierend zu sehen, wie viele innovative Themen inzwischen ihren Weg in die Plattform gefunden haben. Die HOOU ist heute lebendig, sichtbar und voller Dynamik. Das hängt stark mit dem neuen Geschäftsführer Prof. Dr. Sönke Knutzen zusammen, der die HOOU auf das nächste Level gehoben hat. Da merkt man, was Menschen in einer Organisation bewirken können. Diese Entwicklung auch selbst mitzugestalten, ist für mich persönlich eine der schönsten Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre.

Was haben Sie persönlich aus dieser Zeit mitgenommen?

Prof. Dr. Dr. Guse: Für mich war besonders der Austausch mit anderen Hamburger Hochschulen bereichernd – etwa mit der Hochschule für Musik und Theater oder der Hochschule für bildende Künste. In der Medizin haben wir eher selten Berührungspunkte mit diesen Bereichen. Durch die HOOU habe ich ganz neue Themen und Hochschulkulturen kennengelernt. Diese persönlichen Begegnungen und der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus – das ist nach wie vor spannend und belebend zugleich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der HOOU?

Prof. Dr. Dr. Guse: Ich wünsche mir, dass wir noch stärker aus unseren „Hochschulsilos“ herauskommen. Gut strukturierte gemeinsame Projekte könnten einen echten Mehrwert erzeugen, so wie in den Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Über Prof. Dr. Dr. Andreas H. Guse

Prof. Dr. Andreas H. Guse ist Direktor des Instituts für Biochemie und Molekulare Zellbiologie am Zentrum für Experimentelle Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und Inhaber einer W3-Professur für Biochemie. Nach dem Studium der Biologie, Chemie und Pädagogik an der Universität Hamburg promovierte er dort 1990 in Biochemie. 1993 habilitierte er sich in Biochemie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der molekularen Zellbiologie und Signaltransduktion. Prof. Guse ist Träger mehrerer Forschungspreise, darunter der Lehrpreis der Stadt Hamburg (2021) sowie Forschungspreise der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie (2000) und der Werner-Otto-Stiftung (1999). Seit 2025 ist er Sprecher der DFG-Forschungsgruppe FOR 5705 „NeuroFlame“.

Man sieht zwei Hände eines älteren Mannes, die etwas auf einen Zettel schreiben.

Bild: Sara Ghasemi / Unsplash

03.06.2025 | Meena Stavesand

Alzheimer-Medikament Lecanemab: Zum ersten Mal wird die Ursache behandelt  – nicht nur die Symptome

Vor über 100 Jahren beschrieb Alois Alzheimer erstmals die Krankheit, die heute Millionen betrifft. Doch ein Medikament, das mehr als nur Symptome lindert, gab es lange nicht. Das ändert sich jetzt: Mit Lecanemab steht eine Therapie bereit, die an einem Auslöser der Erkrankung ansetzt – und mit Donanemab wurde ein zweites Medikament zur Zulassung eingereicht. Doch für wen lohnt sich die Behandlung wirklich? Wie groß ist der Nutzen und wie sehen mögliche Nebenwirkungen aus?

Dr. Mirko Könken, Facharzt für Neurologie und Leiter der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), erklärt im Interview, was das neue Mittel leisten kann und warum der richtige Zeitpunkt jetzt entscheidender ist denn je.

Wer mehr über Alzheimer und Demenz erfahren möchte, kann ins erste Interview mit Dr. Mirko Könken schauen. Dort geht es detailliert um Diagnosestellung, Therapiemöglichkeiten und Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige.

Außerdem gibt es im Lernangebot des UKE alle Informationen über diese Krankheit:

Das Kursbild zum Lernangebot: Demenz.Online.Verstehen.

Demenz.Online.Verstehen.

Eine Demenz ist eine Erkrankung, die durch einen fortschreitenden Verlust von kognitiven Fähigkeiten und ggfs. Veränderungen von Sozialverhalten, Persönlichkeit, Antrieb oder Stimmung gekennzeichnet ist. Oft fehlt jedoch der Zugang zu verlässlichen Informationen bezüglich Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Zum Lernangebot

Bevor wir über das neue Medikament Lecanemab sprechen: Was genau ist Alzheimer und wie äußert sich die Erkrankung?

Alzheimer ist eine Form oder eine Ursache für Demenz. Es handelt sich dabei um eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen nach und nach abgebaut werden. Typisch ist, dass zunächst das Gedächtnis und die Orientierung nachlassen – Betroffene können sich Dinge schlechter merken oder finden sich in vertrauter Umgebung plötzlich nicht mehr zurecht. In unbekannter Umgebung wird es noch schwieriger. Mit der Zeit sind auch Sprache, Urteilsvermögen und das Sozialverhalten betroffen.

Der Verlauf ist schleichend und kann sich über Jahre hinziehen. Anfangs bemerken Betroffene oft selbst gar nicht, dass etwas nicht stimmt – meist fällt es den Angehörigen zuerst auf. Wenn jemand zum Beispiel immer wieder dieselbe Frage stellt oder sich an gemeinsame Ereignisse nicht mehr erinnert.

Und was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Demenz beschreibt ein Syndrom – also eine Gruppe von Symptomen, bei der kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache oder Orientierung deutlich eingeschränkt sind und der Alltag beeinträchtigt ist. Alzheimer ist eine mögliche Ursache dieser Symptome. Es gibt aber verschiedene Ursachen einer Demenz, auch Schlaganfälle oder eine Parkinson-Erkrankung können dazu führen.

Gibt es Vorstufen? Und wann sollte man sich Sorgen machen?

Ja, es gibt eine Vorstufe, die man „leichte kognitive Störung“ nennt. Dabei merkt man selbst oder das Umfeld, dass die Merkfähigkeit nachlässt – etwa wenn man vergisst, was man einkaufen wollte oder wie der Weg zum Supermarkt war. Der Alltag ist aber noch nicht wesentlich eingeschränkt.

Wenn solche Veränderungen über Monate bestehen bleiben, sollte man sie abklären lassen. Es kann auch andere Ursachen geben, etwa Depressionen oder Vitaminmangel. Aber wenn sich die Probleme bestätigen, sollte man handeln – je früher, desto besser. Denn genau in diesem frühen Stadium setzt der neue Antikörper-Wirkstoff an.

Was unterscheidet Lecanemab von bisherigen Alzheimer-Medikamenten und wie genau soll es wirken?

Bisherige Wirkstoffe wie Acetylcholinesterase-Hemmer oder NMDA-Rezeptor-Antagonisten können Symptome kurzfristig verbessern. Sie machen bestimmte Botenstoffe im Gehirn wieder verfügbar, beeinflussen aber nicht den Krankheitsverlauf. Man könnte es vergleichen mit einer Schmerztablette: Sie lindert den Schmerz, bekämpft aber nicht die Ursache.

Die neue Antikörper-Therapie ist anders, sie greift gezielt das sogenannte Beta-Amyloid  an – ein Eiweiß, das sich bei Alzheimer im Gehirn ablagert. Es reichert sich bereits viele Jahre vor den ersten Symptomen im Gehirn an. Ein gewisser Anteil dieser Ablagerungen ist altersbedingt und zunächst nicht krankhaft. Bei der Alzheimer-Erkrankung gelingt es dem Körper jedoch nicht mehr, diese Eiweiße abzubauen. Im Laufe der Zeit lagert sich immer mehr Amyloid ab, bis schließlich die Kommunikation der Nervenzellen gestört wird und dadurch Schäden entstehen.

Der neue Wirkstoff hilft dem Immunsystem, dieses Amyloid abzubauen. Damit greift es in den eigentlichen Krankheitsmechanismus ein – das ist neu.

Für wen ist das Medikament geeignet und wie groß ist der Nutzen?

Am besten wirkt es bei Menschen in einem sehr frühen Stadium – also bei einer leichten Alzheimer-Erkrankung oder einer leichten kognitiven Störung mit gesichertem Amyloid-Nachweis. In den Studien wurde gezeigt, dass der Krankheitsverlauf im Schnitt um etwa 30 Prozent verlangsamt werden kann. Das bedeutet: Die Betroffenen bleiben länger selbstständig und gewinnen wertvolle Lebenszeit.

Wichtig ist aber: Je später man mit der Therapie beginnt, desto geringer ist der Nutzen. Wenn Nervenzellen bereits stark geschädigt sind, bringt das Entfernen des Amyloids keinen entscheidenden Vorteil mehr. Daher ist eine frühe Diagnostik wichtig.

Wie wird die Diagnose gestellt? Und wie kann man das Amyloid überhaupt nachweisen?

Zunächst macht man eine ausführliche neuropsychologische Testung. Wenn sich dabei Einschränkungen zeigen, folgt eine sogenannte Biomarker-Diagnostik: Entweder eine Untersuchung des Nervenwassers – dabei wird eine Probe aus dem Rückenmark entnommen – oder eine spezielle Bildgebung mit einem PET-CT. Darüber lässt sich das Amyloid direkt nachweisen. In Deutschland wird vor allem die Nervenwasseranalyse verwendet, weil das PET-CT meistens nicht von den Krankenkassen bezahlt wird.

Welche Risiken oder Nebenwirkungen sind für Lecanemab bereits bekannt?

Die häufigste Nebenwirkung sind sogenannte ARIA. Das steht für Amyloid Related Imaging Abnormalities. Das sind Veränderungen, die man in der Bildgebung sieht, etwa kleine Einblutungen oder Schwellungen im Gehirn. In den meisten Fällen verursachen sie keine Symptome. In wenigen Fällen – weniger als fünf Prozent – kommt es zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verwirrung oder Sehstörungen, die sich in der Regel wieder zurückbilden.

Wichtig ist: Vor Beginn der Therapie wird ein MRT gemacht, um vorhandene Auffälligkeiten zu erkennen. Außerdem testen wir auf eine bestimmte Variante des Apolipoprotein E, ein Eiweiß im Blut. Wer eine Hochrisiko-Variante in sich trägt, wird von der Therapie ausgeschlossen, weil sich das Risiko für Nebenwirkungen dann deutlich erhöht.

Wie aufwendig ist die Behandlung für die Betroffenen?

Die Therapie besteht aus Infusionen, die alle zwei Wochen über einen Zeitraum von anderthalb Jahren verabreicht werden. Dazu kommen drei bis fünf MRT-Kontrollen. Das ist vergleichbar mit einer Chemotherapie – nicht in der Wirkung, aber im organisatorischen Aufwand. Die Therapie ist also nichts, was man „mal eben“ macht. Es muss gut geplant sein und in die Lebenssituation passen.

Für jemanden, der 55 Jahre alt ist und sagt „Ich möchte noch möglichst lange unabhängig bleiben“, kann das eine wertvolle Chance sein. Die Entscheidung muss immer individuell getroffen werden – gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin.

Ist das Medikament denn schon verfügbar – und übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Das Medikament ist in Europa zugelassen, aber aktuell noch nicht erhältlich. In Deutschland wird es zunächst im Rahmen einer Begleitstudie verabreicht – die ersten 1.000 Patientinnen und Patienten werden dabei genau beobachtet, um Sicherheit und Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen zu überprüfen. Das Medikament selbst wird von den Krankenkassen übernommen. Unklar ist bisher aber, wer für die aufwendige Infrastruktur – Infusionseinheiten, Personal, Bildgebung – aufkommt. Auch das bremst momentan noch den breiten Einsatz.

In Amerika gibt es das Medikament schon seit 2023. Die Zahlen dort zeigen, dass die Nebenwirkung in ihrer Häufigkeit sogar unter denen der Zulassungsstudien liegen. In Deutschland rechnen wir im Herbst 2025 mit den ersten Probanden in der Begleitstudie.

Welche Bedeutung hat Lecanemab aus Ihrer Sicht – ist es ein Durchbruch oder ein erster Schritt?

Beides. Es ist das erste Medikament, das in den Krankheitsverlauf eingreift – das ist ein Durchbruch. Zugleich ist es nur ein Teil der Lösung. Alzheimer ist komplex und Amyloid ist nicht der einzige Faktor. Künftig werden wir weitere Medikamente brauchen, möglicherweise in Kombination.

Aber die Entwicklungen zeigen: Es gibt Hoffnung. Es lohnt sich, früh zu diagnostizieren, früh zu behandeln und weiter zu forschen. Und das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Über Dr. Mirko Könken

Dr. Mirko Könken ist Facharzt für Neurologie und Leiter der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Chefarzt Prof. Dr. Jürgen Gallinat).

Das Bild zeigt eine Person vor einem Laptop. Auf diesem ist der KI-Chatbot ChatGPT zu sehen.

Bild: Matheus Bertelli / pexels

19.05.2025 | Ellen Pflaum

Urheberrecht bei KI-Inhalten: 10 entscheidende Antworten - auch für OER

Zum 10. Geburtstag der HOOU präsentiert das Team der HAW Hamburg eine Broschürenreihe, die durch zehn ausgewählte Impulse, Konzepte und Ideen Einblicke in die Welt der HOOU und insbesondere der Open Educational Resources (OER) gewährt. Den Auftakt dieser Reihe bildet eine Broschüre zu Urheberrechtsfragen bei der Verwendung KI-generierter Inhalte. Autorin ist Andrea Schlotfeldt, Juristin an der HAW Hamburg.

Unter dem Titel „10 Fragen zu KI-Output, Urheberrecht und OER“ werden zehn häufig gestellte Fragen rund um KI-generierte Inhalte, deren Nutzungsmöglichkeiten, Kennzeichnungspflichten sowie KI-Output als Bestandteil von Open Educational Resources umfassend beantwortet.

In den vergangenen Jahren haben sich KI-Systeme zur Text- und Bildgenerierung im Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu einem alltäglichen Arbeitsinstrument entwickelt – sei es für die Zusammenfassung, Umformulierung oder Übersetzung von Texten oder für die Erstellung passender Bilder und grafischer Darstellungen.

Auch werden KI-generierte Inhalte zunehmend in offene Bildungsmaterialien (OER) eingebunden. Diese Anwendungen bringen verschiedene urheber- und lizenzrechtliche Fragestellungen mit sich.

Praxisnahe Antworten auf relevante Fragen

Die neue Broschüre greift gezielt jene zehn Fragen auf, die in Urheberrechts- und OER-Workshops sowie -Beratungen häufig gestellt wurden. Sie bietet nicht nur praxisnahe Antworten auf diese relevanten Fragen, sondern sensibilisiert die Leserschaft auch für rechtliche Sonderfälle, die bei der KI-Nutzung bislang möglicherweise übersehen wurden. Sämtliche Antworten auf die FAQ stehen sowohl in einer knappen Übersicht als auch in einer ausführlichen Fassung zur Verfügung.

Zitiervorschlag:

10 Jahre HOOU – 10 Fragen zu KI-Output, Urheberrecht und OER, HOOU@HAW Hamburg | Andrea Schlotfeldt, CC BY 4.0 (2025)