Collage mit Porträts der interviewten Frauen

Hintergrund: Martin Martz / Unsplash

06.03.2026 | Meena Stavesand

Weltfrauentag: Vier Frauen erzählen, warum sie ihr Wissen offen teilen

Kunstgeschichte, Künstliche Intelligenz, Geburtshilfe und Schlagzeug – an der HOOU teilen Frauen aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten ihr Wissen offen mit der Welt. Zum Weltfrauentag haben wir vier von ihnen drei Fragen gestellt. Ihre Antworten zeigen, was sie antreibt, woran sie gerade arbeiten und welche Themen ihnen am Herzen liegen.

Hinter jedem Lernangebot auf der HOOU-Plattform stehen Menschen mit einer Geschichte, einer Haltung und einer Motivation. Oft sieht man die Kurse, die Texte, die Videos – aber nicht die Köpfe dahinter. Das wollten wir zum Weltfrauentag ändern. Nicht mit großen Reden über Gleichstellung, sondern indem wir vier Frauen einfach zu Wort kommen lassen: über ihre Arbeit, ihre Themen und das, was sie der Welt mitgeben wollen. Die Bandbreite ihrer Antworten zeigt, wie vielfältig offene Bildung sein kann – von der Kunstkritik bis zur Geburtsmedizin, von der KI-Werkstatt bis zum Schlagzeug-Repertoire.

Anführungszeichen in den Farben des HOOU-Themes
Geschichte findet nicht in der Vergangenheit statt, sondern in der Gegenwart.
Prof. Dr. Astrid Mania
Portät von Astrid Mania, sie trägt eine bunte Bluse und hält ein graues Kunstobjekt in der Hand.

Prof. Dr. Astrid Mania ist Professorin für Kunstkritik und Kunstgeschichte der Moderne an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Was treibt dich an, dein Wissen offen zu teilen?

Neben der Begeisterung für mein Fach, die ich natürlich artikulieren möchte, ist es mir wichtig zu betonen, dass Geschichte nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart stattfindet. Unser Blick auf die Geschichte ist von Fragen geprägt, die wir uns heute stellen. Was dabei sichtbar wird und was nicht, kann oft politische oder ideologische Gründe haben. Geschichte ist im guten wie im schlechten Sinne wandelbar. Eine kritische Selbstreflexion ist daher wichtig: Wozu forschen wir? Warum und aus welcher Perspektive heraus tun wir das? Was übersehen wir vielleicht dabei? Darum ist es in meinen Augen besonders wichtig, möglichst viel Wissen zugänglich zu machen – auch damit es für künftige Forschungen bereitsteht.

Woran arbeitest du gerade und warum begeistert es dich (und andere)?

Neben einer Reihe von eigenen Publikationsprojekten zu Kunstkritik und zeitgenössischer Kunst arbeite ich seit einem Jahr mit unseren Studierenden an einem Online-Archiv. Wir machen darin die Geschichte unserer internationalen Alumni sichtbar: The International Alumni Archive auf https://tiaa.hfbk.net.

Aktuell befassen wir uns mit den Jahren 1945 bis 1985. Es gibt Textbeiträge und Interviews, in denen es um das Studium dieser Alumni und die Zeit danach geht. In manchen Fällen haben heutige Studierende Verwandte und Zeitzeug:innen gefunden und konnten so ein Bild ihrer Vorgänger:innen zeichnen. Das Vorhaben profitiert enorm von unseren gegenwärtigen internationalen Studierenden, die in ihren Sprachen und Kulturen forschen und Informationen erschließen können.

Es ist ein wenig wie Detektivarbeit. Und die Lebenswege, die wir finden, sind hochgradig spannend: Alumnus Igor Suhacev war in Kanada als Ikonenmaler erfolgreich, Alice Matilda Schwartz wurde in den USA zu einer Pionierin im Unterrichtsfernsehen für Kunst, Francisco Whitaker Ferreira ist unter seinem Spitznamen „Chico“ und als Mitbegründer des Weltsozialforums bekannt. Und natürlich schließen sich grundlegende politische und sozio-ökonomische Fragen an unser Vorhaben an, die wir hoffentlich im Laufe der nächsten Jahre in Texten und Grafiken beantworten werden: Aus welchen Ländern kamen die Studierenden und warum? Wer konnte es sich überhaupt leisten, im Ausland zu studieren? Welche Form der Unterstützung gab es? Welche strukturellen Hindernisse galt es zu überwinden, auch mit Blick auf eine internationale künstlerische Karriere?

So wollen wir mit dem Online-Archiv den jetzigen und ehemaligen internationalen Studierenden einen historischen Kontext geben und gleichzeitig einen Wissensfundus auch für externe Interessierte anlegen, die sich mit Fragen des akademischen Austauschs oder des internationalen Kunstbetriebs befassen.

Über welches Thema sollten mehr Menschen Bescheid wissen?

Nach wie vor sind die Beiträge von Künstlerinnen unterschätzt und ungewusst, weil selbst zu Lebzeiten sehr erfolgreiche Künstlerinnen nicht in die Geschichte eingeschrieben und ihre Leistungen bewusst ignoriert wurden. Hier gibt es immer noch viel Nachholbedarf.

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Offene und kostenfreie Bildung ist für eine demokratische Gesellschaft essentiell.
Katrin Schröder
Porträt von Katrin Schröder vor einem grauen Studiohintergrund.

Katrin Schröder arbeitet beim Multimedia Kontor Hamburg und ist an der HOOU u. a. für Social Media verantwortlich.

Was treibt dich an, dein Wissen offen zu teilen?

Für mich ist offene und kostenfreie Bildung für eine demokratische, gerechte und vielfältige Gesellschaft essentiell. Daher finde ich es wichtig, wissenschaftlich fundierte Forschung durch unterschiedliche Wissenszugänge für jeden anzubieten.

Woran arbeitest du gerade und warum begeistert es dich (und andere)?

Derzeit setze ich mich vor allem im HOOU-Kosmos mit Künstlicher Intelligenz auseinander und versuche den Diskurs dazu durch unterschiedliche Formate, wie Online-Kurse, Schulungen oder KI-Werkstätten in die Gesellschaft zu tragen.

Das Kursbild zum Lernangebot: KI-Kompetenz an Hochschulen

KI-Kompetenz an Hochschulen

Künstliche Intelligenz ist längst auf dem Campus angekommen – in Forschung, Lehre und Verwaltung. Ob automatisierte Prüfungsbewertung, KI-gestützte Beratung oder generative Tools im Studienalltag: Der verantwortungsvolle Umgang mit KI ist zu einer zentralen Zukunftsaufgabe für Hochschulen geworden. Dieser Kurs vermittelt praxisnahes Wissen über technische Grundlagen, ethische Fragestellungen und rechtliche Rahmenbedingungen – mit besonderem Fokus auf die neue europäische KI-Verordnung (AI Act). Interaktive Elemente laden zur aktiven Auseinandersetzung ein. Der Kurs richtet sich an Hochschulmitarbeitende aller Fachbereiche, die KI verstehen, einordnen und kompetent nutzen wollen. Das Lernangebot zu KI-Kompetenzen wurde als hochschulübergreifendes Selbstlernangebot durch das MMKH in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Hamburger Hochschulen entwickelt und bereitgestellt. Hinweis: Diese Beta-Version wird laufend weiterentwickelt – Inhalte und Funktionen können sich noch ändern.   

3 Stunden
Zum Lernangebot

Über welches Thema sollten mehr Menschen Bescheid wissen?

Ich denke, Themen wie Nachhaltigkeit, aber tatsächlich KI, wird uns in Zukunft im Leben und der Arbeit stark beschäftigen, daher finde ich die Auseinandersetzung damit wichtig. Die HOOU bietet in diesen Themenfeldern ja viele interessante Online-Kurse und Events an.

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Gebären ist ein kraftvolles Geschehen – und gleichzeitig mit einer großen Verletzlichkeit verbunden, weshalb es Schutz, Geborgenheit und Respekt braucht.
Dr. Angelica Ensel
Portät von Angelica Ensel

Dr. Angelica Ensel ist promovierte Kulturwissenschaftlerin, Hebamme und an der HAW Hamburg im Studiengang Hebammenwissenschaft B.Sc. tätig.

Was treibt dich an, dein Wissen offen zu teilen?

Das große Potenzial der Geburt für die Gesundheit der Gebärenden und ihrer Familie. Gebären ist ein kraftvolles Geschehen – und gleichzeitig mit einer großen Verletzlichkeit verbunden, weshalb es Schutz, Geborgenheit und Respekt braucht. Wenn es den Fachkräften möglich ist, eine Geburtshilfe zu leisten, die ihren Werten entspricht, erleben sie Freude, Leidenschaft und Begeisterung.

Woran arbeitest du gerade und warum begeistert es dich (und andere)?

Ich möchte das Lernangebot der HOOU „Menschenwürdig gebären – erfahren und begleiten“ bekannt machen, das Wissen weiterzugeben, welche Elemente eine physiologische Geburt fördern und welchen Wandel unsere Geburtskultur braucht. Gleichzeitig engagiere ich mich in verschiedenen Netzwerken für eine Geburtshilfe, die die Rechte der Gebärenden sichert und eine gute Geburtserfahrung ermöglicht. Deshalb unterstütze ich die Klage des Vereins „Gerechte Geburt“ e.V., die in diesem Frühjahr beim Bundesverfassungsgericht eingebracht soll, um die Grundrechte der Gebärenden und ihrer Familien im Kontext der Geburtshilfe zu sichern.

Das Kursbild zum Lernangebot: Menschenwürdig gebären – erfahren und begleiten. Geburtskulturen im Wandel

Menschenwürdig gebären – erfahren und begleiten. Geburtskulturen im Wandel

Die Geburt als existenzielles Ereignis betrifft jeden Menschen – besonders Frauen, Paare und Kinder im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Elternwerden. Unmittelbar betrifft sie auch die Arbeit der begleitenden Berufsgruppen, wie Hebammen, Ärzt*innen, Pflegende, Beratende und Psychotherapeut*innen. Menschenwürdig gebären und geboren werden als fundamentales Frauen- und Menschenrecht ist auch in Deutschland keineswegs selbstverständlich.   Dieses Lernangebot beleuchtet die essenziellen Elemente einer menschenwürdigen Geburt und das Zusammenwirken der Beteiligten mit dem Fokus auf die Geburt in der Klinik. Dabei werfen wir einen kritischen Blick auf die Machtstrukturen in der Geburtshilfe, den derzeitigen Notstand in der Versorgung und die Auswirkungen für Frauen, Familien und Fachkräfte. Wir widmen uns der Frage, welche Veränderungen notwendig sind, damit evidenzbasiertes Wissen und gelebte geburtshilfliche Kunst eine gesundheitsfördernde,  frauen- und menschenwürdige Geburt ermöglichen. 

Zum Lernangebot

Über welches Thema sollten mehr Menschen Bescheid wissen?

Erfahrungen von Respektlosigkeit und Gewalt im Kontext der Geburt sind weit verbreitet. Dazu gehören unter anderem: respektloses oder entwürdigendes Verhalten, Eingriffe ohne Einverständnis, mangelnde Aufklärung, Verweigerung von Schmerzmitteln sowie allein lassen. Etwa 25 Prozent aller Gebärenden machen solche Erfahrungen mit zum Teil gravierenden Traumatisierungen, die sie und ihre Familien nachhaltig schwer belasten. Deshalb ist es dringend notwendig, endlich die große gesellschaftliche Leistung des Gebärens anzuerkennen, die Menschenrechte rund um die Geburt in unserer Verfassung zu sichern und die finanziellen Mittel für ihre Umsetzung bereit zu stellen.

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Das ist wie beim gemeinsamen Musizieren: da ist auch nicht immer nur einer wichtig.
Prof. Dr. Cornelia Monske
Cornelia Monske spielt auf einer Marimba bei einem Konzert

Prof. Dr. Cornelia Monske ist Professorin für Schlagzeug an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Was treibt dich an, dein Wissen offen zu teilen?

Ich habe mich mit dem Werk „Phenix“ von Françoise-Bernard Mâche sehr lange und intensiv beschäftigt. Es ist ein sehr komplexes und schweres Stück, das nur sehr wenig gespielt wird. Daher möchte ich mein Wissen gern teilen, um so noch viele andere zu animieren, sich auch mit diesem großartigen Werk auseinander zu setzen.

Woran arbeitest du gerade?

Ich arbeite gerade an einem neuen Projekt: „Das Schlagzeug in Werken von Axel Ruoff“. Er ist noch nicht so bekannt in der Schlagzeug-Welt und ich möchte ihn und ein paar seiner Werke gern bekannter machen.

Über welches Thema sollten mehr Menschen Bescheid wissen?

Ich beobachte bei meinen vielen Reisen, dass viele Menschen immer unhöflicher werden. Sie denken nur an den eigenen Vorteil. Wir leben in einer sehr starken „Ich-Gesellschaft“. Zu einem guten Miteinander gehört auch, sich selbst einmal zurück zu nehmen. Das ist wie beim gemeinsamen Musizieren: da ist auch nicht immer nur einer wichtig.

Was diese vier Frauen verbindet: der Wunsch, mit ihrer Arbeit etwas zugänglich zu machen, das sonst verborgen bleibt. Ihre Lernangebote findet ihr auf hoou.de. Danke an Astrid, Katrin, Angelica und Cornelia!