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28.11.2025 | Meena Stavesand
Hochschulbildung für alle – aber wie? 5 Learnings aus der Praxis
Wie erreicht man Menschen, die nicht an der Uni sind, mit wissenschaftlichen Inhalten? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Seit 10 Jahren engagiert sich die Hamburg Open Online University in diesem Bereich und hat schon viel dazugelernt. Das Team der TU Hamburg gibt nun 5 Learnings dazu. Es geht um die gesellschaftliche Relevanz von Themen, um das Überwinden digitaler Barrieren und um Öffentlichkeitsarbeit. Ein Text von Katrin Bock.
Hochschulen nehmen als Orte der Wissensvermittlung, der Erkenntnisbildung und der Reflexion eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein. Es ist jedoch nicht einfach, diese Prozesse für alle sichtbar und zugänglich zu machen. Gesellschaftliche Teilhabe an der Hochschulbildung wird durch viele Barrieren erschwert. Um diese zu überwinden, setzt die HOOU auf die Bereitstellung digitaler Lernangebote auf einer offenen und freien Lernplattform. Die interessierte Öffentlichkeit soll so, gebündelt an einem ansprechenden digitalen Ort, Zugang zu vielfältigen Inhalten aus Forschung und Lehre an den Hochschulen erhalten.
Doch die interessierte Öffentlichkeit ist divers. Lernende bringen unterschiedliche Kompetenzen und Kenntnisse mit, kommen aus verschiedensten Kontexten, haben unterschiedliche Motivationen und lernen auf ganz unterschiedliche Weise. Das Team der HOOU@TU Hamburg versucht, dies bei der Entwicklung digitaler Lernangebote zu berücksichtigen, und möchte möglichst vielen Menschen Zugang zu ihren Inhalten ermöglichen. So konnte das Team aus den vergangenen zehn Jahren Lernangebotsentwicklung einige Learnings mitnehmen:
1. Gesellschaftliche Relevanz als inhaltlicher Ausgangspunkt für wissenschaftliche Themen kann Barrieren überwinden
Um Verständnisbarrieren bei wissenschaftlichen und abstrakten Themen zu überwinden, kann die gesellschaftliche Relevanz als niedrigschwelliger Einstieg Zugänge ermöglichen. Denn zu lernen, warum ein Sachverhalt wichtig ist und was dieser mit der eigenen Lebenswelt zu tun hat, fördert die Motivation und Fähigkeit, diesen zu verstehen.
Dabei können auch mentale Hürden, die entstehen können, wenn wissenschaftliche Inhalte durch ihre Komplexität als nicht passend wahrgenommen werden, verkleinert werden.
2. Kleine, leicht verständliche Wissenshäppchen für einen niedrigschwelligen Einstieg ins Lernen
Neben den eher umfangreicheren Lernangeboten, in denen sich die Lernenden intensiv mit verschiedenen Themen beschäftigen, setzt die HOOU an der TU Hamburg auch auf das Format „Wissenschaft kurz erklärt“. In kleinen Informationsangeboten werden Inhalte leicht verständlich aufbereitet und ermöglichen so einen ansprechenden und vor allem schnellen Zugang zu Wissen.
Diese Angebote lassen sich in sehr kurzer Zeit durcharbeiten. Dafür werden verschiedene Medien eingesetzt. Mit kurzen Videos und Podcasts oder interaktiven Grafiken werden die Inhalte auf verschiedene Weise vermittelt. Wer dann doch tiefer in die jeweiligen Themen einsteigen möchte, erhält Vorschläge für passende umfangreichere Lernangebote.

Was bedeutet “Bildung für alle“?<br>Grundsätzlich geht es darum, dass alle Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung erhalten. Dabei sollen allen die gleichen Möglichkeiten offenstehen, selbstbestimmt an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potentiale zu entfalten, unabhängig ihrer Voraussetzungen oder bestimmter Bedingungen. Systematische Ungleichheiten oder Benachteiligungen müssen dabei im Sinne der Chancengleichheit verhindert werden (vgl. UNESCO, 2005).
3. Lernangebotsentwicklung nach dem Constructive Alignment zur Lernendenzentrierung
Die Grundlage der Lernangebotsentwicklung der HOOU an der TU Hamburg bilden, angelehnt an das Konzept des Constructive Alignment, die Lernziele (vgl. Biggs &Tang, 2011). Diese sind, unabhängig von technischen Möglichkeiten oder neusten Trends, der Startpunkt für die inhaltliche Gestaltung und Entwicklung der Lehr- und Lernaktivitäten.
Die Angebote werden in einem ersten Schritt rein konzeptionell entwickelt, erst in einem zweiten Schritt werden passende mediendidaktische Formate und technische Tools für die Umsetzung ausgewählt. Eine solche unabhängige Ausrichtung auf die Lernenden kann dabei helfen, Verständnisbarrieren für diese zu überwinden und verhindert ein Überangebot an technischen Tools, welches die Lernenden überfordern kann.
Eine gezielte und bedürfnisorientierte Auswahl der technischen Möglichkeiten unterstützt außerdem die Überwindung digitaler Barrieren, indem eine intuitive und individuell anpassbare Nutzung des Lernangebotes gefördert wird.
4. Experimentierfelder für neue technische Möglichkeiten zur Überwindung digitaler Barrieren
Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat die HOOU an der TU Hamburg im Rahmen von Experimentierfeldern verschiedene technische Möglichkeiten ausprobiert und evaluiert. Eine große Herausforderung war und ist dabei die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven. Im Rahmen eines umfangreichen Anforderungsmanagements für die Plattformentwicklung werden diese identifiziert, um technische Anforderungen zu entwickeln und zu priorisieren.
Denn ebenso wie die Technik entwickeln sich auch die Bedarfe der Menschen weiter. Um Barrieren zu überwinden und Zugänge zu schaffen, wird dies immer zusammen gedacht. Dadurch konnten bereits viele Potenziale sowie auch Probleme identifiziert und für die neue Plattform implementiert oder ausgeschlossen werden.
5. Digitale Lernangebote allein schaffen nicht ausreichend Zugänge
Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben eindeutig gezeigt: Eine öffentliche Plattform als alleiniger Zugangspunkt zu digitalen Lernangeboten reicht oft nicht aus, um alle Menschen zu erreichen. Dies liegt vor allem an der Fülle an Informationen, die im Netz zu finden sind, und der Art und Weise, wie Menschen sich dort informieren und lernen.
So ist es wichtig, Lernangebote kontextuell einzubetten, um Zugangsmöglichkeiten zu erweitern. Dies kann eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit sein, durch die Lernende beispielsweise über Social Media oder durch Plakate zu Inhalten gelangen. Aber auch Lernerlebnisse in der analogen Welt schaffen Zugänge, indem sie Menschen vor Ort abholen und verbinden. Dies versucht die HOOU an der TU Hamburg über verschiedene Veranstaltungsformate, auch außerhalb der Hochschulen, aber auch durch die Einbindung ihrer Inhalte in die Lehre.
Welche Barrieren kann es für den Zugang zur Hochschulbildung geben?
Die Art der Barrieren, die Menschen beim Zugang zu Hochschulbildung begegnen, sind vielfältig. Hier einige Beispiele, die besonders häufig auftreten:
Informationsbarrieren: Was passiert an unseren Hochschulen in Forschung und Lehre? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen sind leider nicht immer leicht zu finden. Informationen von Hochschulen verstecken sich oft – wenn sie überhaupt öffentlich zugänglich sind – auf unübersichtlichen Hochschul- oder Projektwebseiten. Inhalte sind nicht selten schlecht gepflegt und veraltet, was das Finden der richtigen Informationen zusätzlich erschwert.
Sprach- und Verständnisbarrieren: Nicht alle können etwas mit wissenschaftlicher Sprache anfangen. Viele Fremdwörter und komplexe Satzstrukturen setzen eine hohe Sprach- und Lesekompetenz voraus und sorgen dafür, dass viele Menschen diese nicht verstehen können oder durch einen erschwerten Lesefluss kein Interesse an akademischen Texten haben. Viele Texte stehen nur in einer Sprache zur Verfügung, sodass Zugänge zusätzlich beschränkt sind.
Digitale Barrieren: Trotz gesetzlicher Vorschriften und Regelungen sind viele Webseiten im Hochschulkontext nicht barrierefrei. Durch fehlende technische Möglichkeiten zur bedürfnisorientierten Gestaltung und einer unzureichenden Usability kann eine intuitive und individuelle Nutzung der Webinhalte nicht gewährleistet werden.
Mentale Barrieren: Hochschulen haben es in Zeiten von Fake News, Nachrichtenmüdigkeit und diversen Krisen nicht leicht, die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Vielen Menschen fehlt es an Vertrauen in die Wissenschaft oder sie fühlen sich durch hierarchische Strukturen im Sinne eines „von oben herab“ nicht adressiert.
Der lange Weg zu einem niederschwelligen Zugang
Die Lernangebote der HOOU an der TU Hamburg können also durch eine lernzielorientierte, didaktische Konzeptionierung und den passenden Einsatz technischer Möglichkeiten Zugänge zur Hochschulbildung ermöglichen. In Verbindung mit zielgruppengerechter Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsamen Lernerlebnissen in der Öffentlichkeit werden diese Zugänge ausgeweitet.
Durch die offene und ansprechende HOOU Lernplattform, die neben den digitalen Lernangeboten weitere Inhalte zu gesellschaftlich relevanten Themen in verschiedenen Formaten niedrigschwellig zur Verfügung stellt, werden Barrieren überwunden. Trotz dieser Potenziale ist es jedoch noch ein weiter Weg für die HOOU, Hochschulbildung wirklich frei zugänglich für alle Menschen zu machen. Viele Inhalte der HOOU stehen nicht mehrsprachig zur Verfügung und sind thematisch sehr spezifisch.
Die Plattform an sich ist noch nicht komplett barrierefrei, hier gibt es vor allem technisch noch viel Entwicklungsbedarf. Zugänglichkeit ist kein irgendwann abgeschlossener Zustand, sondern ein Prozess, den die HOOU stetig versucht, weiter voranzutreiben. Für die HOOU an der TU Hamburg heißt dies also auch für die nächsten zehn Jahre, mehr Zugänge zu ermöglichen, damit Bildung für alle wirklich irgendwann Bildung für alle ist. Wir freuen uns darauf, unsere Learnings dafür weiter auszubauen!
Literatur
Biggs J. & Tang, C. (2011). Teaching for Quality Learning at University: What the Student Does (4. Aufl.): Maidenhead: Open University Press.
UNESCO (Hrsg.).(2005).Guidelines for inclusion: ensuring access to education for all. Paris: UNESCO.
Bild: Ian Usher / Unsplash
18.11.2025 | hoouadmin
Herausforderung Drohnen: Cyberangriffe von oben
Für die meisten Menschen ist eine Cyberattacke etwas, das im eigenen Postfach oder Netzwerk lauert. Doch was vielen nicht bewusst ist: Durch Drohnen können solche Angriffe heute auch über unseren Köpfen oder vor unserem Fenster passieren. Was Kriminelle bewegt, Drohnen einzusetzen, wie sie das tun und wie wir uns schützen können. Ein Beitrag von Prof. Dr. Volker Skwarek (HAW Hamburg), Host des HOOU-Podcasts „Die Sicherheits_lücke“
Drohnen: Errungenschaften der Technik, die nicht nur regelmäßig über, sondern mittlerweile auch in unseren Köpfen schwirren. In einer Vielzahl von Anwendungen sind sie längst fest etabliert: Sie transportieren Pakete, überwachen Wälder bei Brandgefahr oder liefern spektakuläre Luftaufnahmen bei Open-Air-Events. Wie bei jeder technologischen Innovation bringt der vermehrte Einsatz von Drohnen jedoch auch eine Reihe an Herausforderungen mit sich. Und Cyber(un)sicherheit steht in diesem Fall ganz oben auf der Liste.
Luftfahrtrechtlich als UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) bezeichnet, sind Drohnen unbemannte Fluggeräte, die entweder autonom fliegen oder ferngesteuert werden. Ausgestattet mit Kameras und Sensoren können sie zahlreiche Aufgaben übernehmen, die sich üblicherweise mit Überwachung oder Dokumentation befassen. Für jede davon gibt es inzwischen spezialisierte Drohnen sowie die entsprechenden Konfigurationen.
Aber unabhängig davon, ob es sich um eine Drohne für Filmaufnahmen, eine militärische Drohne oder eine Do-it-yourself-Version im 3D-Druck handelt: Jede Drohne stellt ein potenzielles Risiko für einen Cyberangriff dar – und kann dabei sowohl Werkzeug als auch Ziel des Angriffs sein.
Die Schattenseiten der Freiheit
Drohnen sind inzwischen in einem breiten Spektrum und einer großen Preisspanne verfügbar. Sie sind oft sehr einfach zu steuern, klein und relativ unauffällig. Während sie im Flug einfach Grenzen überwinden und dadurch viele neue Möglichkeiten und Anwendungsfälle eröffnen, ziehen sie auch unweigerlich die Aufmerksamkeit von Cyberkriminellen auf sich. Denn die oben erwähnten Vorteile machen Drohnen auch zu äußerst attraktiven Begleitern für Cyberangriffe in sensiblen Bereichen, die ohne sie nicht zugänglich wären.
Doch wer nutzt Drohnen für Cyberangriffe? Und mit welcher Motivation wird ein solcher Cyberangriff ausgeführt? Auch wenn es sicher nicht eindeutig differenzierbar ist, so lassen sich verschiedene Kategorien von Angreifenden nach Mitteln und Zielen unterscheiden.
Wer nutzt Drohnen für Cyberangriffe?
Da sind zum einen die sogenannten Skriptkiddies: Diese Personengruppe, zumeist Menschen mit wenig Informatikkenntnissen, hat eingeschränkte technische und finanzielle Möglichkeiten und probiert beispielsweise publizierte Konzepte aus. Drohnen setzen sie eher als Mittel zum Zweck ein, ohne vorsätzlich ein Ziel zu verfolgen, das die IT-Sicherheit verletzt. Dazu gehört beispielsweise das Ausspähen von WiFi mit dem Versuch, in diese Netzwerke einzudringen.
Auch Cyberaktivist*innen setzen bereits vermehrt Drohnen ein. Diese Personengruppe agiert eher einzeln als organisiert und verfolgt ein weiterführendes, in der Regel übergeordnetes Ziel. Dabei werden bekannte Techniken und Schwachstellen kombiniert und weiterentwickelt. Es bestehen finanzielle Grenzen, die aber deutlich höher sind als die der Skriptkiddies. Zudem besteht in dieser Kategorie von Angreifenden ein umfangreicheres Wissen, etwa darüber, wie man Drohnen selbst baut oder so umbaut, dass sie sich optimal für den geplanten Angriff eignen.
So können Überwachungen im optischen oder Infrarotbereich für Social-Engineering-Angriffe durchgeführt oder auch optische und Laser- oder Radarscans von Liegenschaften zur Schwachstellenanalyse durchgeführt werden. Zudem können zusätzliche WiFi-Accesspoints als Man-in-the-Middle abgesetzt werden, um so Datenverkehr mitzuhören, abzufangen oder sogar im Namen des Absenders zu manipulieren. Aktivistische Gruppen verfolgen damit oft das Ziel, Daten und Informationen zu stehlen und für die aktivistischen Zwecke als Druckmittel einzusetzen. Eher selten besteht die Absicht, sich monetär zu bereichern.
Im Gegensatz zu Cyberaktivist*innen verfügen Cyberkriminelle, eine weitere Gruppe, die vom Einsatz von Drohnen profitieren kann, zusätzlich über große finanzielle Mittel, sodass ihre Angriffe nicht an materiellen Grenzen scheitern. Diese Gruppe ist in der Lage, sich zahlreiche Drohnen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Nutzlasten zu beschaffen und diese in Mehrpilotensystemen für komplexe Aufgaben und Manöver zu steuern. Allerdings steht für Wirtschaftskriminelle der Return on Invest im Vordergrund. Somit sind bei den meisten Angriffen das Ausspähen und Stehlen von Daten, das Vorbereiten von physischen Einbrüchen, Cyberspionage und Erpressung zu erwarten.
Im Auftrag von Regierungen und Staaten
Eine besonders schwer zu greifende Gruppe sind die State Actors, also Angreifende, die im Auftrag von Regierungen und Staaten agieren. Sie nutzen ähnliche Mittel wie Cyberkriminelle, handeln jedoch eher nicht aus finanziellen Interessen. Für sie gilt, andere Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme zu destabilisieren. Dabei sind Umfang und Art der eingesetzten Mittel von untergeordneter Bedeutung, wenn der Zweck sie aus Sicht der Handelnden rechtfertigt.
State Actors geht es bei Cyberangriffen durch Drohnen oft eher um nachrichtendienstliche Analysen: Längerfristiges Mitschneiden verschlüsselter Kommunikation über WiFi, sogenanntes IMSI-Scanning der SIM-Karten von Mobiltelefonen an verschiedenen Orten, um Bewegungsmuster und sogar Wohnorte von Personen zu bestimmen, oder der Einsatz von höchstauflösenden Kameras und Richtmikrofonen, um Bildschirme und Gespräche auszuspähen: eine ausgezeichnete Grundlage, um weitere Cyberoperationen zu starten.
Schnellere und gezieltere Angriffe möglich
Welche Gruppe sie auch einsetzt: Fest steht, dass Cyberangriffe durch Drohnen an Komplexität gewinnen. Etablierte Abwehrmaßnahmen wie ein Zaun oder eine Mauer lassen sich damit mühelos überwinden, der physische Angriffsraum wird erweitert und die Geschwindigkeit, in der Angriffe ausgeführt werden, erhöht sich. Für Firmen bedeutet das, dass die Absicherung ihres Geländes auch den Luftraum und womöglich das Umfeld miteinbeziehen muss.
Darüber hinaus ermöglicht die hohe Geschwindigkeit einer Drohne Cyberangriffe auf Orte und Räume, an denen man sich bisher in relativer Sicherheit wiegen konnte. Beispielsweise werden dadurch Angriffe auf WiFi-Systeme in einem vermeintlich physisch sicher abgegrenzten Raum möglich, indem in einem einzigen, schnellen Überflug Netzwerke, Authentifikationsverfahren oder Bluetoothgeräte lokalisiert und mitgeschnitten werden, um Sicherheitslücken zu finden.
Aus diesen Überlegungen lässt sich der Charakter der zu erwartenden Cyberangriffe ableiten: Die hohe Mobilität, die geringe Größe sowie die Möglichkeit zum Transport leichter Nutzlasten prädestiniert Drohnen dafür, Angriffe vorzubereiten und durchzuführen.
Methoden der Angriffe
Methoden, die dabei mittlerweile bekannt sind, sind etwa das Erstellen von (3D-)Geländeplänen oder das Ausspähen von vorhandenen und angefragten drahtlosen Netzwerken sowie von Bluetooth-Verbindungen, insbesondere zu Druckern und anderen schlecht gesicherten Geräten des Internet of Things.
Auch das Scannen von Netzwerken über ungesicherte Zugangspunkte oder das Ausstrahlen eines Netzwerks und Accesspoints wird durch Drohnen sehr viel einfacher. Zudem ermöglichen sie es, den Funkverkehr drahtloser Mäuse und Tastaturen mitzuschneiden sowie Personen, Dokumente und Bildschirme zu fotografieren oder zu filmen.
Die zu erwartenden Angriffe zeichnen sich also durch eine Mischung aus unerwarteter Nähe, Höhe, Position und Geschwindigkeit aus. Die konkreten Angriffsvektoren sind dabei vielfältig: von Social Engineering über Man-in-the-Middle-Angriffe, um Netzwerke zu kompromittieren, bis hin zum Ausnutzen bekannter Sicherheitslücken durch spezialisierte Tools.
Podcast thematisiert Drohnenangriffe und deren Abwehr
Eine gute Verteidigung gibt es leider nicht. In unserer mehrteiligen Podcast-Serie haben wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt und herausgearbeitet, dass der beste Schutz darin besteht, über präventive Angriffe wie Red-Teaming und Pentesting herauszufinden, wo Schwachstellen gegenüber Drohnen bestehen. Und darin, sich beim Schutz von IT, Ressourcen und Gelände nicht auf die physische Unerreichbarkeit zu verlassen. Drohnenangriffe zu erkennen und abzuwehren, ist aufgrund der geringen Größe und hohen Geschwindigkeit oft ein aussichtsloses Unterfangen.
Selbstverteidigungsmaßnahmen wie Zerstörung, Hacking oder Abschuss lassen sich juristisch – wenn überhaupt – nur für den konkreten Einzelfall abschätzen. Grundsätzlich müsste die Polizei informiert werden und eingreifen. Dafür laufen Drohnenangriffe aber zu schnell ab. Zudem verfügt die Polizei selbst kaum über wirksame Maßnahmen.
Drohnen, Cybersecurity und Recht
In dieser Folge spricht Volker Skwarek mit David Klein, Fachanwalt für Informationsrecht und Salary Partner der Kanzlei Taylor Wessing. Das Gespräch dreht sich um Auswirkungen, Gefahren und rechtliche Beurteilungen rund um Cybersicherheit und Drohnen. Im Anschluss ordnen Monina Schwarz und Ingo Timm das Interview ein.
Daher bleibt die Empfehlung, Drohnen in der Bewertung des Cyberrisikos zu berücksichtigen und ausreichende Präventivmaßnahmen zu ergreifen – beispielsweise auch durch die Lage kritischer Räume, die Orientierung von Schreibtischen und Monitoren zu Fenstern oder Handlungsempfehlungen an die Mitarbeitenden im Fall einer Drohnensichtung.
Die Sicherheits_lücke
… ist ein Podcast der Hamburg Open Online University (HOOU), der IT-Sicherheit greifbar macht und fundierte Inhalte mit unterhaltsamen Gesprächen verbindet. Prof. Dr. Volker Skwarek (HAW Hamburg) spricht gemeinsam mit Monina Schwarz (Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Bayern) und Prof. Dr. Ingo Timm (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Universität Trier) über aktuelle Risiken, technologische Trends und gesellschaftliche Herausforderungen. Die Illustrationen und das Design des Podcasts wurden gestaltet von Anne Vogt.
https://www.sicherheitsluecke.fm
Über den Autor
Volker Skwarek ist seit 2014 Professor für Technische Informatik an der HAW Hamburg und leitet das Forschungs- und Transferzentrum CyberSec. Dort forschen er und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter an Methoden der Kodierung von Identitäten, Netzwerkabsicherung, Access-Control-Mechanismen insbesondere für Anwendungen der kritischen Infrastruktur. Bei der Gesellschaft für Informatik engagiert er sich als stellvertretender Sprecher der Fachgruppe Netzwerksicherheit (NetSec) und organisiert die Konferenz GI Sicherheit 2026 in Hamburg. Sein Text ist in Zusammenarbeit mit Monina Schwarz, Ingo Timm sowie Christian Friedrich entstanden, mit denen er seit Januar 2025 den Podcast „Die Sicherheits_lücke“ produziert. Dort wurde das Thema auch in mehreren Episoden aufgegriffen.
Dieser Beitrag ist im Mitgliedermagazin der Gesellschaft für Informatik e.V. – „Das Informatik-Magazin“ – erschienen.
Unsere Slammer:innen (v.l.): Carsten Westarp, Charlotte Goblirsch, Franz Vergöhl, Mohsen Falah, Rami Olsen, Elena Khurgina, Moderator Ronny Röwert. Bild: Max Glas
12.11.2025 | Meena Stavesand
Wissenschaft erleben: Slammer:innen zeigen Vielfalt der Hochschulen
Mehr als 150 Gäste kamen zum zweiten Science and Art Slam der HOOU. Sie sahen sechs Performances von beeindruckender Bandbreite – vom Bauingenieurwesen über Nachhaltigkeit im E-Commerce bis hin zu klangvollen Auftritten mit Gitarre und Cembalo. Wo gibt es eine solche thematische Vielfalt? An unseren Hamburger Hochschulen!
Wissenschaft? Ach, die Themen sind mir oft viel zu abstrakt! Aktuelle Forschungen? Betreffen mich nicht! So denken viele Menschen. Dabei gibt es sehr viele Erkenntnisse der Hochschulen, die unseren Alltag sogar ziemlich direkt berühren. Unser zweiter Science and Art Slam hat das eindrucksvoll gezeigt. Wissenschaftler:innen sprachen in kurzen Vorträgen über ihre aktuellen Forschungen, die uns alle betreffen.
Es ging um marode Brücken, über die wir täglich fahren, über nachhaltiges Online-Shopping, über besondere Töne und Instrumente, die wir zwar nicht alltäglich hören, die uns aber direkt verzaubern können. Wissenschaftserleben nennen wir das bei der HOOU. Erkenntnisse werden nahbar und (be)greifbar – für alle.
Mohsen Falah begeistert trotz Zeitproblem
„911, what’s your emergency?“ Mit dieser Frage hat Bauingenieur Mohsen Falah von der TU Hamburg die mehr als 150 Besucher:innen in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg überzeugt. Der Doktorand wählte stellvertretend für die vielen brüchigen Brücken in Hamburg den Notruf und kassierte den lautesten Applaus. Damit setzte er sich gegen fünf weitere spannende Performances durch – obwohl er nach den gesetzten 10 Minuten Redezeit eigentlich noch zig Folien vor sich hatte. Sein Auftritt war persönlich, emotional und damit vor allem eins: mitreißend fürs Publikum.

Klänge vergangener Zeit treffen auf E-Commerce
Die Nahbarkeit der Wissenschaftler:innen zeichnete den Slam aus. Denn lauten und langanhaltenden Beifall gab es auch für die anderen Teilnehmenden:
- Charlotte Goblirsch (TU Hamburg) berichtete über ihre Promotion zu mehr Nachhaltigkeit beim Online-Shopping.
- Rami Olsen (Hochschule für Musik und Theater Hamburg) erklärte seine Leidenschaft für die Unendlichkeit und Mikrotonalität und sang gemeinsam mit dem Publikum.
- Franz Vergöhl (HafenCity Universität Hamburg) beschäftigte sich mit nichts Geringerem als der Hochschulreform, die am Ende vielleicht ChatGPT schreibt.
- Carsten Westarp (HAW Hamburg) sprach als Physiker über die Irrungen und Wirrungen in der Lehre.
- Elena Khurgina (Hochschule für Musik und Theater Hamburg) bewies in ihrem Slam, dass das Cembalo nicht nur barocke Töne von sich geben kann.
Diese Mischung zeigt das Motto des Science and Art Slams der HOOU: Hier trifft Wissenschaft auf Kunst und Kultur. Es geht darum, die Vielfalt unserer Hochschulen und ihrer Arbeit zu zeigen. Das ist den Slammer:innen eindrucksvoll gelungen.














Vielen Dank an alle, die in diesem Jahr dabei waren!
Credit: Alle Bilder stammen von Maximilian Glas.
Bild: Google DeepMind / Unsplash
10.11.2025 | Meena Stavesand
KI ist Teamsport: Warum wir alle mitspielen sollten
„Education is key“ – aber reicht Aufklärung allein? Bildungsexperte Max Landefeld vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS erklärt, warum KI ohne diverse Teams unvollständig bleibt und wichtige Perspektiven übersieht, was der EU AI Act bringen soll und weshalb KI-Kompetenz schon in der Schule beginnen muss. Das Interview ist ein Plädoyer für KI als Teamsport statt Tech-Monopol.
Mit der HAW Hamburg hat das Fraunhofer IAIS das Lernangebot „KI und Diversität“ erstellt. Warum das wichtig ist? Künstliche Intelligenz reproduziert unsere Vorurteile und genau daran müssen wir auf Entwicklungs- und Nutzungsebene arbeiten. Wie das aussehen kann, verrät Max Landefeld im Gespräch.
KI und Diversität
Um mit KI verantwortungsvoll umgehen zu können, bietet euch dieser Kurs ein Verständnis für KI-Konzepte, Biases, ethische Fragestellungen und Standards vertrauenswürdiger KI.
Wenn Sie Künstliche Intelligenz und Diversität hören, welche drei Begriffe kommen Ihnen in den Sinn und warum?
Max Landefeld: Mir kommt zuerst der Begriff „Spiegel“ in den Kopf – das mag etwas pathetisch klingen, aber KI zeigt uns relativ schnell, was in unseren Daten und damit auch in unseren Denkmustern steckt. Als Reflexionsinstrument sehe ich diese Technologie als sehr wertvoll an.
Der zweite Begriff, der direkt an das Thema Daten anknüpft, ist „Fairness“ beziehungsweise „Unfairness“. Viele Daten weisen Selection Bias auf – diskriminierende Muster finden sich in den Daten wieder und werden dann häufig unbewusst durch die Algorithmen reproduziert. Die Algorithmen selbst haben erst einmal keinen eigenen Wertemechanismus, was dann häufig zu unfairen Ergebnissen führt.
Als dritten Begriff denke ich an „Vertrauenswürdigkeit“ oder „Trustworthiness“. Dieser Bereich der Forschung setzt sich kritisch mit KI auseinander und fasst Initiativen und Ansätze zusammen – seien es technologische oder regulatorische Ansätze. Sie beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Einsatz von KI, die insbesondere zuverlässig, ethisch und sicher sein soll. Das sind die ersten Buzzwords, die mir in den Kopf kommen.

Bias (engl. für Verzerrung oder Voreingenommenheit) bezeichnet systematische Fehler oder Unausgewogenheiten in Daten und Algorithmen, die zu unfairen oder diskriminierenden Ergebnissen führen. Diese entstehen, wenn KI-Systeme mit historischen Daten mit gesellschaftlichen Ungleichheiten trainieren.<br><br>Beispiele: Recruiting-Software bevorzugte männliche Bewerber, Gesichtserkennungssysteme funktionieren bei hellhäutigen Personen zuverlässiger als bei People of Color, Kreditvergabe-Algorithmen benachteiligen Menschen aus bestimmten Wohngebieten.<br><br>Gegensteuern lässt sich durch vielfältige Entwicklungsteams, repräsentative Trainingsdaten und kontinuierliche Überprüfung der Ergebnisse.
Sie beschäftigen sich mit KI und Diversität. Gab es einen Schlüsselmoment, der Ihr Interesse oder Bewusstsein für verantwortungsbewusste und vielfältige KI besonders geweckt hat?
Landefeld: Ich arbeite seit mehreren Jahren im Bildungsbereich, und wenn ich ehrlich bin, sind es die Diskussionen mit Schülerinnen und Schülern, die mich besonders prägen. Sie berichten ungefiltert von ihren Ängsten, Vorbehalten und negativen wie positiven Erfahrungen mit KI. Ich kann also keinen genauen Termin nennen, aber die Debatten, die mich über die vergangenen Jahre begleiteten, haben mein Interesse und mein eigenes Bewusstsein für das Thema stark gefördert und gestärkt.
Was sind die Ängste der Schüler:innen?
Landefeld: Häufig befürchten sie, dass KI wie in einem Science-Fiction-Film – Stichwort Terminator – autonom die Weltherrschaft übernimmt. Das sind die extremen Gedanken. Einfachere Beispiele kennen sie von Instagram, TikTok oder aus Zeitungen: Systeme, die bestimmte Gruppen ausschließen, beispielsweise bei Bewerbungen für Jobs. Oder Chatbots, die regelmäßig schädlichen Input geben, aber auch Feedback, das irreführend ist und die Schülerinnen und Schüler verunsichert.
Hat sich das in den vergangenen Jahren verstärkt? Als ChatGPT rauskam, wurde KI quasi gesellschaftsfähig. Vorher war sie eher ein Thema für Fachleute. Haben sich die Gespräche verändert?
Landefeld: Die Besonderheit ist: Wir nutzen KI schon seit vielen Jahren, teils Jahrzehnten – häufig wissen wir das aber nicht. Es fängt bei den Empfehlungsalgorithmen von Social Media an, geht über Googles Page-Ranking-Algorithmus bis hin zur Face-ID am Smartphone oder Google Maps. Überall stecken Machine Learning und Deep-Learning-Algorithmen drin.
Mit ChatGPT hatten wir jetzt einen Game Changer: Mit einem Aha-Effekt bekommt man generischen Output und allen wird klar: Okay, das scheint ein KI-System zu sein. Die größte Herausforderung dabei ist das Thema Aufklärung. Wir sagen immer „Education is key“ – und da ist etwas dran. Wir sollten versuchen, KI-Kompetenzen zu schulen und im besten Fall in der Schule damit anfangen, wirklich aufzuklären. Das bedeutet nicht, dass jede:r Data Scientist:in werden muss – das sind die Fachleute, die sich mit der Algorithmik und der Konzeptionierung von KI-Systemen beschäftigen. Aber zumindest jede:r sollte ein grundlegendes Verständnis haben:
- Wie funktioniert so ein Algorithmus?
- Warum sind Daten wichtig?
Nur so können wir potenziell gefährliche Outputs wie Bias erkennen, reflektieren und einschätzen.
Neben der Aufklärung ist die Transparenz wichtig. Insbesondere wenn wir KI nutzen, wissen wir im Regelfall nicht, welche Daten ins Modelltraining geflossen sind. Da braucht es Transparenz – auch auf der Anbieterseite.
Gelingt das aktuell?
Landefeld: Aktuell gelingt es wenig bis kaum. Wir haben den EU AI Act, der derzeit sukzessive in nationales Recht überführt wird. Diese europäische KI-Regelung soll Abhilfe schaffen und insbesondere die Anbieter dazu verpflichten, ihre Systeme kritisch aufzubauen und zu prüfen. Auch hier spielt das Stichwort Vertrauenswürdigkeit eine große Rolle.
Wir in Europa haben große Hoffnungen, dass diese KI-Entwicklung auf europäischer Ebene zu unseren Gunsten beeinflusst wird und wir uns kritischer und selbstreflektierter damit auseinandersetzen. Wobei wir einschränken müssen: Es handelt sich um europäisches, nicht um internationales bzw. globales Recht.

Der AI Act (KI-Verordnung) ist ein umfassendes Gesetz zur Regulierung Künstlicher Intelligenz, das die Europäische Union (EU) 2024 verabschiedet hat. Die Verordnung wird derzeit schrittweise in nationales Recht überführt und soll 2026 vollständig in Kraft treten.<br><br>Das Gesetz teilt KI-Systeme nach ihrem Risiko ein: Anwendungen mit unannehmbarem Risiko wie biometrische Massenüberwachung werden verboten. Hochrisiko-KI in sensiblen Bereichen wie Bewerbungsverfahren, Kreditvergabe oder Strafverfolgung unterliegt strengen Auflagen. KI mit geringem Risiko wie Chatbots muss als solche gekennzeichnet werden. Für KI-Anbieter bedeutet das: Sie müssen offenlegen, welche Daten sie zum Training verwendet haben, Risiken dokumentieren und ihre Systeme auf Diskriminierung prüfen. Bei Verstößen drohen hohe Strafen. <br><br>Der AI Act gilt als wichtiger Schritt für vertrauenswürdige KI, betrifft aber nur den europäischen Markt – internationale Standards fehlen weiterhin.
Wie kann Diversität dazu beitragen, KI fairer und besser zu machen?
Landefeld: Diversität ist ein elementarer Schlüssel, weil sie Blickwinkel erweitert. Auf der einen Ebene bei der Entwicklung – das geht von der Datenauswahl bis hin zur Interpretation der Ergebnisse. Unterschiedliche Erfahrungen, kulturelle Hintergründe und Denkweisen können dabei helfen, Wissenslücken zu erkennen , Perspektivenvielfalt zu ermöglichen und damit gerechtere, vertrauenswürdige Systeme zu gestalten. Das ist die Entwicklungsseite, wo wir noch viel Potenzial haben.
Gleichzeitig müssen sich aber auch die Nutzenden damit auseinandersetzen – also diejenigen, die diese Systeme nicht selbst entwickeln, sondern sie tagtäglich anwenden. Auch sie müssen sich damit beschäftigen und beispielsweise den Output ihrer Chatbot-Anfragen kritisch prüfen.
Warum ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen – nicht nur Fachleute – ein Verständnis für KI und Vielfalt entwickeln?
Landefeld: Weil KI so allumfassend ist und alle Gesellschaften, alle Industrien berührt. Das betrifft insbesondere die private Nutzung zu Hause mit den sozialen Medien, aber auch die ganze Joblandschaft. Es wird keine Industrie geben, die langfristig nicht bedeutend von KI berührt wird und sich dadurch verändert.
Deshalb ist es ganz wichtig, dass wir uns alle kritisch damit auseinandersetzen. Ein Kollege von mir sagt immer: „KI ist Teamsport.“ Das fasst es gut zusammen. Es ist eben nicht dieses „nerdige“ Informatik-Thema, mit dem sich nur die Data Scientists befassen sollen.
Denn selbst Data Scientists mit einem multikulturellen, diversen Hintergrund sind nicht zwingend repräsentativ für Gesellschaften. Es sind häufig doch die Akademiker:innen mit mathematisch-statistischem Hintergrund. Deswegen muss man sich – wieder diese Differenzierung – auf der Entwicklungsebene kritisch damit auseinandersetzen und ein grobes Verständnis auch für diese algorithmische Voreingenommenheit und Biases in KI-Systemen entwickeln, aber eben auch auf der Nutzungsebene.
Sie haben mit der HAW Hamburg am Fraunhofer IAIS ein Lernangebot zu KI und Diversität entwickelt: Was kann ich da lernen?
Landefeld: Wir befassen uns auf der einen Seite mit den Grundlagen: Was ist KI überhaupt? Woher kommt sie? Es gibt verschiedene Begriffe und Grundtechnologien, die in fast allen Systemen vorkommen – die erklären wir. Des Weiteren erklären wir das Thema Biases und welchen Bezug das zur Diversität hat. Wir zeigen auf, warum diverse Ansätze so wichtig sind. Dann schauen wir uns an, was auf regulatorischer Ebene passiert und was die europäischen Institutionen vorgeben – an Leitlinien, aber auch an Gesetzen wie dem EU AI Act. Zum Abschluss üben wir den kritischen und reflektierten Umgang mit solchen Tools, mit den Chatbots, die gerade sehr präsent in unserem Alltag sind.
KI und Diversität
Um mit KI verantwortungsvoll umgehen zu können, bietet euch dieser Kurs ein Verständnis für KI-Konzepte, Biases, ethische Fragestellungen und Standards vertrauenswürdiger KI.
An welche Altersgruppe richtet sich das Angebot?
Landefeld: Das E-Learning richtet sich an Menschen ab 16 Jahren aufwärts – insbesondere an Schülerinnen und Schüler, aber auch an Studierende der Hochschulen. Es ist ansonsten offen für alle. Wir freuen uns, wenn Menschen mit einem anderen Hintergrund, beispielsweise im Kontext der beruflichen Weiterbildung, sich damit auseinandersetzen. Demnach ist es auch kostenlos und frei verfügbar für alle. Sie bekommen dort einen schnellen Einstieg, wenn Sie sich mit dem Thema befassen wollen.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Was wünschen Sie sich für den gesellschaftlichen Umgang mit KI in einer pluralistischen Welt?
Landefeld: Ich fände es schön, wenn KI von diesem reinen Informatik-Thema weg kommt und als gemeinsames Gestaltungsprojekt verstanden und interpretiert wird. Denn es ist kein rein technisches Thema – es ist so bedeutsam und hat so viel Einfluss auf verschiedene Bereiche bei uns privat, aber auch auf der Arbeit. Im Zuge dessen – und das ist vielleicht sogar ein Appell, den ich formulieren möchte – ist es wichtig, dass wir KI-Kompetenzen aufbauen und dass dies strukturell gefördert wird. Das geht meines Erachtens schon in der Schule los, und zwar nicht nur im Informatikunterricht, sondern fächerübergreifend.
Dieser Ansatz sollte sich fortsetzen bis zur universitären Ausbildung und dann zur stetigen Aus- und Weiterbildung auch im Betrieb. Der Artikel 4 des EU AI Acts sieht genau das vor. Trotzdem haben wir noch viel zu tun in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, um diese Kompetenzen aufzubauen. Wichtig ist es allemal.
Über Max Landefeld

Max Landefeld arbeitet am Fraunhofer IAIS und koordiniert die Initiative AI4Schools. Diese widmet sich der Gestaltung von Bildungsangeboten rund um das Thema KI für Schulen. Er engagiert sich leidenschaftlich für die Entwicklung vertrauenswürdiger, nachhaltiger und niedrigschwelliger KI-Systeme.
Regine Marxen und Boris Rogosch im Gespräch mit Onur Elci (Mitte). Bild: Carolin Rieger
22.10.2025 | hoouadmin
Erste Hamburger Podcast-Nacht wird zum kollektiven Erlebnis
Fünf Podcasts, eine Band, ein Moderator, ein Varieté-Theater und ein Publikum, das hörbar begeistert war: Zutaten für die erfolgreiche erste Hamburger Podcast-Nacht. Als Initiator und Organisator des Abends haben wir als HOOU am 13. Oktober 2025 im Hansa-Theatersaal Stimmen und Themen der Stadt live auf die Bühne gebracht – und waren selbst mit unserem Podcast „Hamburg, was willst du wissen?“ dabei. Ein Rückblick von Nicola Wessinghage.
Die erste Hamburger Podcast-Nacht war als Kooperation mit unseren Podcast-Partnern ein Experiment. Unser Fazit: Es hat Menschen und Themen neu zusammengebracht, war ein Fest für das Medium Podcast und für beide Seiten, Macher:innen wie Publikum, ein sehr bereichernder Abend.
Podcast live erleben – die Idee
Podcasts spielen bei der HOOU eine wichtige Rolle, um Lerninhalte zur Verfügung zu stellen und Geschichten rund ums Lernen hörbar zu machen. Viele Lernangebote der Online-Universität nutzen inzwischen das Medium Podcast, um ihre Themen und Inhalte zum Selbstlernen zur Verfügung zu stellen – eine Übersicht aller Podcasts findet sich auf der Website.
Die Idee zur Podcast-Nacht entstand aus dem Wunsch, das Medium einmal anders zu präsentieren – nicht nur digital, sondern live, vor Ort und als kollektives Erlebnis.

Ein weiteres Ziel war es, Hamburger Podcasts, die Themen aus der Stadt zum Inhalt haben, miteinander zu vernetzen und ihre Vielfalt exemplarisch sichtbar zu machen. Lokale Themen haben es in Hamburg im großen Informationsangebot manchmal schwer, Aufmerksamkeit zu finden. Neue Formate sind gefragt. Gleichzeitig wollten wir neue Menschen auf die Angebote der HOOU aufmerksam machen.
Fünf Formate, eine Bühne
Auf der Bühne standen fünf Podcasts, die auf ganz unterschiedliche Weise über Hamburg erzählen:
- „Elbvertiefung“ von ZEIT Hamburg stellt aktuelle Themen der Stadt im Gespräch zwischen zwei Redakteur:innen vor. Auf der Bühne im Hansa-Theatersaal sprachen die beiden Leiter:innen der Hamburg Redaktion, Maria Rossbauer und Florian Zinnecker, über die aktuelle Aufbruchsituation in der Hamburger Kulturszene.
- „Der Hamburger Podcast“ porträtiert Menschen, die Hamburg lebenswerter machen. Auf der Bühne mit Regine Marxen und Boris Rogosch war der Küchenaktivist Onur Elci zu Gast, der sich mit den beiden Hosts unter anderem über verschiedene Formen der Essenskultur austauschte.
- „Hamburg, was willst du wissen?“, der Podcast der HOOU, fragt, was Menschen gerne noch einmal lernen würden und welche Erlebnisse rund ums Lernen ihr Leben geprägt haben. Moderatorin Nicola Wessinghage hatte den Autor Tobi Schlegl zu Gast, der von einer entscheidenden Wende in seiner beruflichen Laufbahn berichtete, über seine Jakobsweg-Erfahrung mit seiner Mutter sprach und dem Publikum die Top drei seiner Lieblings-Lernangebot der HOOU verriet.
- „MillernTon“ berichtet mit großer Expertise, Herz und Humor aus der Fanwelt des FC St. Pauli. Auf der Bühne erinnerten sich Maik, Tina und Tim an Lieblingserlebnisse aus ihrer Welt des Fußballs und gaben Einblicke in ihr Leben als Fans.
- „Wie ist die Lage“ von Ahoy Radio: Gastgeber Lars Meier lädt regelmäßig Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft ein, um kurz und unterhaltsam über das aktuelle Stadtgeschehen zu sprechen. Diesmal war die Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal seine Gesprächspartnerin und zeigte sich von ihrer persönlichen Seite.
Christian Friedrich, unter anderem Co-Host und Produzent des HOOU-Podcasts „Hamburg, was willst du wissen?“, führte durch den Abend, stellte die Podcasts vor und informierte mit Hintergrundwissen zur außergewöhnlichen Location des Abends.
Das musikalische Finale kam von der inklusiven Pop-Punk-Band „Ottos Apfel“, die noch einmal viel Energie und klare Botschaften für Vielfalt und Inklusion auf die Bühne brachte.

Ein Ort mit Atmosphäre
Der frisch renovierte Hansa-Theatersaal bot den idealen Rahmen für den Abend: Samtvorhänge, Tische mit kleinen Lampen, plüschige Stühle und die Möglichkeit, sich Getränke und Speisen an den Platz bringen zu lassen.
Die Atmosphäre erinnerte an die persönliche Beziehung, die viele beim Podcasthören zu Hosts und Gästen entwickeln – diesmal als gemeinschaftliches Erlebnis. Immer wieder wurde das Publikum eingebunden, durfte kommentieren, über Themen entscheiden und sogar die Kochkünste des Küchenaktivisten Onur Elci testen.
Begegnung statt Stream
In den Pausen kamen Publikum, Hosts und Gäste ins Gespräch – schon da war zu hören, dass das Experiment angekommen war. Für die HOOU war die Podcast-Nacht ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich digitale Bildungsformate mit analogem Erleben verbinden lassen.
Die Veranstaltung hat auf schöne Art und Weise bewiesen, dass Podcasts nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Beziehungen schaffen können – zwischen Menschen, Themen und Institutionen.
Zuschauerstimmen:
Beiträge der Podcasts:
- Tobi Schlegel spricht mit Nicola Wessinghage in Hamburg, was willst du wissen?
- Elbvertiefung über die Hamburger Kulturszene
- Folge von Millernton
Bild: Stavesand
17.10.2025 | Meena Stavesand
Science meets art: Wer holt sich den Slam-Pokal 2025?
Vergiss PowerPoint-Marathons und endlose Fachvorträge! Am Donnerstag, 6. November, wird in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg Wissenschaft zur Show! Beim 2. Science and Art Slam der Hamburg Open Online University haben Forschende und Kunstschaffende genau eine Mission: dich in wenigen Minuten von ihrem Thema zu begeistern. Und das Beste: Der Eintritt ist frei!
Stell dir vor, du sitzt in der Zentralbibliothek und vor dir auf der Bühne passiert gerade etwas Verrücktes: Ein Wissenschaftler zerbricht Spaghetti, um dir die Eigenschaften von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff zu erklären. Künstlerinnen mit Trenchcoat und Sonnenbrille philosophieren über nackte Reiter. Eine Musikerin verzaubert dich mit einem Instrument, das nur eine einzige Saite hat. Ein Forscher verbindet Mathematik mit Musik und plötzlich ergeben Formeln einen Beat.
Klingt unmöglich? Willkommen beim Science and Art Slam der HOOU! Hier treffen die unterschiedlichsten Disziplinen der Hamburger Hochschullandschaft aufeinander und buhlen um dein Interesse.
Slam-Gewinner 2024: Philip Rose
Du bist die Jury!
Das Besondere: Du entscheidest, wer gewinnt! Als Publikum bist du die Jury. Dein Applaus bestimmt, wer am Ende des Abends den begehrten Slam-Pokal in den Händen hält. Zwischen den Slam-Runden gibt’s eine Pause zum Durchatmen und zum Diskutieren der vielen Aha-Momente.
Der Abend startet um 17.30 Uhr. Nach zwei Slam-Slots voller Überraschungen folgt gegen 19.45 Uhr das Voting. Um 20.30 Uhr küren wir die Gewinner:innen – und du gehst mit einem Kopf voller faszinierender Ideen nach Hause. Bei einem kurzen Ausklang kannst du deine brennendste Frage aber noch an die Wissenschaftler:innen und Kulturschaffenden loswerden, wenn du möchtest.
Wissenschaft und Kunst gehören in unser Leben
Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Hamburg Open Online University mit den Bücherhallen Hamburg. Gemeinsam wollen wir zeigen: Wissenschaft und Kunst sind keine abgehobenen Elfenbeintürme, sondern gehören mitten ins Leben, mitten in die Stadt, mitten zu dir.
Der Eintritt ist komplett kostenfrei, aber die Plätze sind begrenzt! Sichere dir jetzt dein Ticket über die Website des Multimedia Kontor Hamburg: www.mmkh.de/digitale-lehre/hoou/hoou-science-and-art-slam-2025
Science and Art Slam 2025
📅 Donnerstag, 6. November 2025, 17.30 bis 21 Uhr
📍 Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg
Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), 20097 Hamburg
💰 Eintritt frei | Anmeldung erforderlich
Sei dabei, wenn Wissenschaft auf Kunst trifft und beide um deine Begeisterung wetteifern. Ein Abend, der beweist: Forschung und Kreativität können unterhalten, überraschen und inspirieren – alles gleichzeitig.
Illustration: Charlotte Hintzmann
17.10.2025 | Meena Stavesand
Learning Circle: Wie kann Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen?
Du liest täglich von Massenentlassungen, Klimakrise und wachsender Ungleichheit und fragst dich: Muss Wirtschaft so sein? Die Gemeinwohl-Ökonomie zeigt: Nein, es geht auch anders. Ab Montag, 3. November, erkunden wir in einem kostenlosen Learning Circle gemeinsam dieses alternative Wirtschaftsmodell – mit konkreten Beispielen, Unternehmensbesuchen und deinen eigenen Ideen für eine lebenswerte Zukunft.
Aber fangen wir von vorne an. Denn um zu verstehen, warum diese Alternative super spannend ist, müssen wir erst einmal schauen, wo wir gerade stehen.
Lernen statt resignieren
Es ist Frühsommer 2025. Diverse Firmen kündigen an, Tausende Stellen in Deutschland abzubauen. Aufsichtsräte zahlen sich trotzdem Top-Gehälter aus. Der Mai war weltweit der heißeste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Politik stellt Forderungen nach mehr Leistung und längeren Arbeitszeiten.
Du liest jeden Tag neue Katastrophenmeldungen in den Medien und fragst dich, wo das Ganze noch hingehen soll. Du stehst am Anfang deiner beruflichen Karriere oder studierst noch. Du bist motiviert, interessiert, voller Fragen. Du willst lernen, etwas bewirken und vielleicht eine gute Zukunft aufbauen. Und nun stell dir eine Stadt im Jahr 2050 vor:
Eine Stadt in 25 Jahren
Die Straßen einer kleinen Stadt wirken lebendig. Auf den Wochenmärkten gibt es frische, regionale Produkte, produziert unter fairen Bedingungen. Die Menschen kennen die Gesichter und Geschichten hinter den Lebensmitteln. Unternehmen vor Ort achten auf ökologische Kreisläufe, auf Transparenz, auf Menschlichkeit. Sie treffen Entscheidungen nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern orientieren sich an Werten wie Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Mitbestimmung.
In dieser Stadt sind Bürger:innen und Unternehmen keine Gegenspieler, sondern gestalten gemeinsam ein Wirtschaftssystem, das langfristige Lebensqualität über kurzfristige Profite stellt. Erfolg wird nicht nur in Zahlen gemessen, sondern in Vertrauen, in Lebensqualität, in gesunden Beziehungen zwischen Menschen, Natur und Wirtschaft.
Aufbruch ins Unbekannte
Noch klingt diese Stadt wie ein Märchen. Und hier kommst du ins Spiel. Du öffnest die Tür zu einer neuen Perspektive: die Gemeinwohl-Ökonomie. Sie stellt die Grundfrage: Wofür ist Wirtschaft eigentlich da? Nicht mehr nur Effizienz, Konkurrenz und Gewinn stehen im Zentrum, sondern Menschenwürde, Nachhaltigkeit, Mitbestimmung und Solidarität.
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Wirtschaftsmodell, das Unternehmen und Organisationen danach bewertet und fördert, wie stark sie zum Wohl von Mensch, Gesellschaft und Umwelt beitragen.
Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ)
Lern mehr über die Gemeinwohl-Ökonomie als innovative Wirtschafts- und Gesellschaftsform. Hinterfrage mit uns traditionelle Erfolgsmaßstäbe wie Gewinnmaximierung und lass uns unsere Gesellschaft gleichermaßen auf der Basis von Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und Mitbestimmung gemeinwohlorientiert gestalten.
Dein Learning Circle
In 9 Terminen erkunden wir das Lernangebot „Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie“ der HAW Hamburg, diskutieren Ideen und packen so deinen Rucksack für eine lebenswerte Zukunft.
Gemeinsam mit Gleichgesinnten machst du dich auf den Weg, mehr darüber zu lernen. Zu schauen, was Gemeinwohl-Ökonomie bedeutet. Wer schon mitmacht. Was ihr tun könnt, um Wirtschaft und Gesellschaft zu verändern. Den Auftakt machen wir im Wildwuchs Brauwerk. Danach finden die meisten Termine in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg (Hühnerposten 1, 20097 Hamburg) statt.
Wo: Wildwuchs Brauwerk, Jaffestraße 8, 21109 Hamburg
Start: 3. November 2025, 16:30 Uhr
Weitere Termine (jeweils ab 16:30 Uhr):
- 10.11.2025
- 17.11.2025
- 24.11.2025
- 01.12.2025
- 08.12.2025
- 15.12.2025
- 12.01.2026
- 19.01.2026: Abschluss in St. Pauli
Im Learning Circle besuchen wir gemeinsam 2 spannende GWÖ-Partnerunternehmen in Hamburg wie das Wildwuchs Brauwerk, die die Werte der Gemeinwohl-Ökonomie leben und umsetzen. So erhaltet ihr direkte Einblicke in nachhaltige Praxisbeispiele und könnt das Gelernte in realen Unternehmenskontexten hautnah erleben.
Sinnvolle Ideen und echte Lösungen mit dem richtigen Mindset
Doch diese neue Perspektive fordert dich auch heraus. Sie zwingt dich, Dinge zu hinterfragen, neu zu denken, komplexer zu sehen. Aber sie öffnet auch Türen – zu sinnvollen Ideen, echten Lösungen und einem Lebens- und Berufsweg, der nicht nur „funktioniert“, sondern auch verantwortlich ist.
Im Learning Circle arbeitest du an eigenen, kleinen Projekten.
Am Ende dieser Reise kehrst du zurück – nicht mit einfachen Antworten, aber mit wichtigen Fragen und der Vision einer besseren, gemeinsamen Zukunft.
Melde dich jetzt an
Bitte schreib einfach eine E-Mail an hoou@haw-hamburg.de mit dem Betreff „Anmeldung Learning Circle“. Wir nehmen dann direkt mit dir Kontakt auf.
Der Learning Circle ist eine Kooperation der HAW Hamburg, Econgood und HFH Hamburger Fern-Hochschule. Er ist kostenlos und für alle Menschen offen. Komm vorbei!
Bild: KOMMERS / Unsplash
07.10.2025 | Meena Stavesand
Zukunft der Bildung: Warum wir trotz KI weiter lernen müssen
ChatGPT liefert eine aufwendige Recherche in Sekunden, erklärt mathematische Formeln auf simple Weise, löst schwierige Aufgaben verständlich. Wozu brauchen wir dann noch Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen? Wozu müssen wir überhaupt noch lernen? Zukunftsforscher Max Irmer zeigt, wie KI unser Lernen verändern könnte und warum wir die Zukunft der Bildung neu denken sollten.
Max Irmer ist Zukunftsforscher. Er berät Organisationen dabei, wie die Welt in 10 oder 15 Jahren aussehen könnte. Im Oktober und November leitet er an der HAW Hamburg das HOOU Spekulations-Labor – einen dreiteiligen Workshop, in dem die Teilnehmenden die Zukunft der Bildung nicht nur durchdenken, sondern greifbar machen: mit spekulativem Design, Design Fiction und KI-Tools.
Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie künstliche Intelligenz unser Lernen verändert, warum wir trotzdem noch Wissenschaftler:innen und Lehrkräfte brauchen, und warum es sich lohnt, über eine „Zukunft ohne Lernen“ zu spekulieren.
Wir leben in Zeiten von KI und bekommen Unmengen an Wissen in Sekundenschnelle. Wie beeinflusst das unser Verständnis von Lernen?
Diese Diskussion führen wir gerade intensiv – zu Recht. Denn nicht alles, was wir sehen, ist positiv. Die Metapher „Wissen in Sekundenschnelle“ stimmt, aber wir müssen auch fragen: Was meinen wir mit Wissen? Ich kann heute schnell herausfinden, wann welcher Krieg stattfand. Aber das Wissen, das für unsere Zeit relevant ist, ist vor allem Transferwissen, das verschiedene Themenbereiche verbindet.
Die KI-Tools werden besser, können uns aber nicht immer das perfekte Wissen liefern. Ich denke, die Zukunft des Lernens entwickelt sich dahin, dass wir schneller recherchieren, und im besten Fall schafft das Freiraum: Wir verstehen Zusammenhänge besser und bilden uns eine eigene Perspektive. KI-gestützt, aber nicht KI-vorgegeben.
Als problematisch empfinde ich, dass KI-Programme uns vorgaukeln, sie würden uns alles Wissen geben, und wir müssten nicht mehr selbst denken. Die Zukunft kann sehr schön werden, sie kann dadurch aber auch schwierig werden, wenn wir so tun, als würden wir in wenigen Sekunden ein tolles Ergebnis liefern, aber eigentlich steht nichts da.
Warum sollten wir noch selbst aktiv lernen oder als Wissenschaftler:in oder Lehrkraft weiterarbeiten?
Wir brauchen unabhängige Instanzen, die Tools nutzen, aber selbst denken und hinterfragen, was aus einer Maschine kommt. Beim Lernen geht es stark um Identitätsbildung: Wer bin ich? Was kann ich? Ein Beispiel: Fremdsprachen lerne ich nicht gerne, darum freue mich auf eine Zukunft mit Echtzeit-Übersetzungen via Kopfhörer. Das bringt Vorteile, aber der kultureller Bezug einer Sprache wird weniger, und das ist schade, weil Gesprochenes mehr transportiert als reine Information.
Lernen bleibt wichtig, um zu differenzieren. Wir können KI legitim nutzen. Die Fragen sind allerdings: Wie, in welchem Umfang und wofür? Vokabeltraining kann KI-gestützt mehr Spaß machen als im alten Lehrbuch. Aber für andere Sachen ist analoges Lernen wichtiger – wenn es zum Beispiel darum geht, selber Dinge zu erfahren.
Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sieht die Zukunft der Bildung aus?
Ich hoffe, dass wir die Dinge beibehalten, die gut funktionieren, und uns gleichzeitig neuere Entwicklungen zu eigen machen. Nicht nur Technologie, sondern auch die Frage: Braucht es noch Vorlesungen oder Frontalbeschallung? Braucht es klassische Hörsäle?
Ich wünsche mir, dass KI als Unterstützerin fungiert – eine, die sich ans individuelle Lernniveau anpasst, schneller oder spezifischer erklärt, in einer Sprache spricht, die ich verstehe.
Mein Wunsch: Wir hinterfragen kritisch und übernehmen, was Sinn ergibt. Wir dürfen uns aber nicht dem kapitalistischen Gedanken hingeben, sonst unterwerfen wir Wissen und Lernen dem System. Das ist nicht gut.
An der HAW Hamburg leitest du als Zukunftsforscher einen dreiteiligen Workshop, das HOOU-Spekulations-Labor. Was machen Zukunftsforscher:innen genau? Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich mache eine Mischung aus Zukunftsforschung und Foresight – also strategischer Vorausschau. Die Disziplin erforscht Zukünfte. Niemand hat eine Glaskugel, aber es gibt methodische Ansätze, wie man Zukünfte greifbar macht. Denn – und das sollte uns Zuversicht geben: Die Zukunft ist gestaltbar. Darum berate ich Institutionen zu der Frage, wie die Welt in 10, 15 Jahren aussehen könnte. Dafür nutze ich Methoden wie Trends, Szenarien, Speculative Design und Design Fiction. Damit machen wir Zukünfte greifbar, verständlich, erfahrbar und eben gestaltbar.
Die UNESCO spricht in dem Zusammenhang von Futures Literacy – der Kompetenz, Zukünfte lesen und bearbeiten zu können. Das befähigt uns, Zukunft aktiv zu gestalten und dem Dystopischen etwas entgegenzusetzen.
Du hast Methoden angesprochen, die im Spekulations-Labor vorkommen. Was passiert da genau?
Es geht um die Zukunft der Bildung beziehungsweise die Zukunft des Lernens. Dafür nutzen wir verschiedene Methoden. Wir inszenieren ein Labor und spekulieren. Das heißt, wir überlegen uns, wie die Zukunft des Lernens und der Bildung aussehen könnte. Das klingt einfach, aber wir machen das als Menschen ganz selten aktiv. Mit den richtigen Methoden gelingt das deutlich fundierter.
Wir greifen also auf Spekulationsmethoden zurück – dem Speculative Design und Design Fiction. Die Idee: Wir geben uns bewusst einen Raum, wo die Teilnehmenden die ganze Zeit in Zukünften denken, sich alternative Entwicklungen anschauen und das in eine Form gießen. Aus diesem abstrakten Denken entstehen spekulative Artefakte.

HOOU Spekulations-Labor: Zukunft ohne Lernen? Lernen ohne Zukunft?<br>Worum geht’s? Wir entwerfen spekulative Bildungszukünfte – mit Design Fiction, KI-Tools und kreativen Methoden. Wie könnte Lernen in zehn Jahren aussehen? Wir denken nicht nur nach, sondern basteln Zukunftsartefakte.<br><br>Drei Workshop-Termine:<br>- Teil 1: Einführung Speculative Design (Online)<br>Dienstag, 14. Oktober 2025 | 09:30–11:30 Uhr<br>- Teil 2: Design-Fiction-Workshop (Präsenz)<br>Dienstag, 4. November 2025 | 09:30–16:00 Uhr<br>- Teil 3: KI-Labor – Zukunftsartefakte gestalten (Präsenz)<br>Dienstag, 18. November 2025 | 09:30–16:00 Uhr<br><br>Der Workshop umfasst drei Veranstaltungsteile. Die Teilnahme an allen Terminen ist empfehlenswert, aber kein Muss. Eine Teilnahme nur am 1. und 3. Termin ist leider nicht möglich, sonstige Kombinationen aber schon. <br><br>Für wen? Alle, die sich für Bildung, Wissenschaft und Zukunft interessieren – keine Vorkenntnisse nötig. Hochschulangehörige, Lehrende, Promovierende und die breite Öffentlichkeit sind willkommen.
Was könnte das beispielsweise sein?
Ich sage bewusst nichts, weil ich den Teilnehmenden sonst etwas vorgeben würde. Sie sollen mit ihren eigenen Gedanken reinkommen. Wir schauen uns beispielsweise Hollywoodfilme an, weil die mit spekulativem Design arbeiten. Etwa „Minority Report“ von Steven Spielberg – der Film zeigt eine Zukunftswelt mit vielen Prototypen, die diese komplexe Zukunft greifbar machen.
Wir stellen uns Fragen wie: Wie lerne ich? Gehe ich noch in die Universität? Und wie komme ich dahin? Nehme ich den Bus, ein Flugtaxi? Wir versuchen, unseren Gedanken in Artefakten eine Form zu geben. Wir prototypisieren. Oder anders gesagt: Wir basteln konkret an Ideen.
Danach greifen wir auf KI-Tools zurück, um diese kennenzulernen und zu schauen: Was können die? Was können die nicht? Was ist kritisch daran?
Ihr titelt „Zukunft ohne Lernen? Lernen ohne Zukunft?“ Wie seid ihr darauf gekommen? Warum ist es sinnvoll, so an das Thema ranzugehen?
Der Titel ist provokativ. Bestenfalls reagieren Menschen darauf und sagen: Nee, das sehe ich nicht. Dann will ich wissen: Warum nicht? Und damit kommen wir in die Diskussion.
Was ich vorwegnehmen kann: Eine Zukunft ohne Lernen sehe ich persönlich nicht. Ich bin sehr gespannt, was die Teilnehmenden sagen. Ich hoffe, wir gehen mit einem anderen Titel als wir reingegangen sind. Aber das hängt ganz von den Teilnehmenden ab, von ihren Gedanken und dem, was sie sich vorstellen können und für plausibel halten.
Für wen ist der Workshop gedacht? Nur für Didaktiker:innen und für Wissenschaftler:innen oder auch für Menschen, die sich einfach für das Thema interessieren?
Alle sind herzlich willkommen. Die Mischung macht’s. Ich wünsche mir, dass nicht nur Menschen mit Wissenschaftshintergrund kommen, nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, nicht nur Studierende, sondern Menschen aus verschiedenen Ecken. Das macht den Diskurs und den Perspektivenwechsel spannender. Es gibt keine Einstiegshürden.
Oft gibt es leider eine Hürde, wenn es um Angebote von Hochschulen geht. Viele denken, sie gehörten als Nicht-Akademiker:innen da nicht hin.
Absolut. Aber man muss irgendwo anfangen. Ich bin gespannt, wie die Zukunft der Bildung diese Einstiegshürden abbaut. KI-gestützte Angebote können individualisierte Lerninhalte bringen. Wenn ein Bot mir morgens sagt „Hey, dieses Angebot ist umsonst, da könntest du hingehen“, dann ist es vielleicht spannend genug.
Ich hoffe, dass uns Technologie hilft, solchen positiven Bildern näherzukommen. Wir brauchen positive Zukunftsbilder. Dafür lohnt es sich, zum Workshop zu kommen und diese zu erarbeiten, zu entwickeln, zu basteln.
Hier geht es zur Anmeldung für das HOOU Spekulations-Labor.
Über Max Irmer

Max Irmer ist Zukunftsforscher und baut Brücken zwischen der Gegenwart und der Zukunft, der alten und der neuen Welt und zwischen Analogem und Digitalem. Dafür bedient er sich Ansätzen, Methoden und Tools aus den Bereichen Foresight, Experience Design und Transformationsmanagement. Max glaubt daran, dass wir die Zukunft nur gestalten können, wenn wir sie greifbar und erlebbar machen. Folglich versucht er den Zukunftsdiskurs überall wo möglich zu stimulieren.
Bild: Steven Weeks / Unsplash
26.09.2025 | hoouadmin
Was passiert, wenn Umweltwissen ein Eigenleben entwickelt?
„RUVIVAL“, eines der umfangreichsten HOOU-Lernangebote, erreicht Zielgruppen, an die ursprünglich kaum jemand gedacht hatte: von Hamburger Kleingärtner:innen bis zu Geografieklassen. Dr. Ruth Schaldach, die das Projekt vor zehn Jahren mit einem internationalen Team startete, blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die sie selbst überrascht hat. Das Interview führte Dorothee Schielein (TU Hamburg).
Als wir mit der HOOU begannen, wusste noch niemand, wie die Lernangebote der HOOU aussehen würden. Was war deine Vorstellung, als du angesprochen wurdest, mitzumachen?
Dr. Ruth Schaldach: Im Vorfeld war ich an der TU Hamburg bereits mit der Modernisierung der Lehrveranstaltungen beschäftigt. Diese Projekte waren im Bereich des Umweltingenieurwesens und beschäftigten sich mit innovativen, interaktiven Lehr-Lernkonzepten. Dies war ein guter Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit mit der HOOU bei der Entwicklung dieser Lehr-Lernkonzepte für die digitale Lehre. Es ging nicht nur darum, die eigene Lehre innerhalb der Universität neu zu konzipieren, sondern auch darum, das tolle Wissen, das an der Universität stattfindet, die Diskussionen und die wichtigen Inhalte, gerade in der Umwelttechnik, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit sie von allen genutzt werden können.
Wolltet ihr von Anfang an mit „RUVIVAL“ ein bestimmtes Ziel erreichen? Oder habt ihr einfach mal angefangen und dann geschaut, wie es läuft?
In Teilen hatten wir schon ein sehr klares Ziel, das aber sehr ambitioniert war. Wir wollten dazu beitragen, dass nachhaltige Praktiken (des Umweltingenieurwesens) aus der Universität in die Welt getragen werden, damit das Wissen online zugänglich ist, angewendet wird und zu globalen Veränderungen führt. Zunächst waren wir ein kleines Projekt und haben in einem überschaubaren Rahmen an Inhalten gearbeitet und diese dann immer weiter ausgeweitet. Es ging darum, in Gegenden, in denen bestimmte Praktiken die Böden unfruchtbar gemacht haben, diese wiederzubeleben. Das steckt auch ein bisschen in unserem Projektnamen (siehe Infokasten zu „RUVIVAL“).
Während des Projekts haben wir gemerkt, dass das Ziel, das auf internationale Zusammenarbeit ausgerichtet war, auch ganz andere Zielgruppen angesprochen hat, als wir ursprünglich dachten. Das waren Entwicklungen, die dann manchmal innerhalb eines Projektes stattfanden, die sehr positiv und freudig waren. Zum Beispiel kam eine Schule auf uns zu, die meinte: „Hey, das sind ja die Geografieinhalte von unserer 12. Klasse.“ Wir haben vorher nicht den Geografielehrplan der 12. Klasse angesehen, aber einige Inhalte daraus treffen wohl zu. Oder Menschen einer Kleingartensiedlung in Deutschland, die sehr gerne auf unsere Inhalte zugegriffen haben, um sich Anleitungen zu holen, wie sie z. B. ein Kompostklo oder eine Regentonne bauen können.

Ich erinnere mich an eine Erzählung, dass du in dem Ferienhaus deiner Familie eines der Projekte umgesetzt hast, die bei „RUVIVAL“ veröffentlicht wurden. Wie war das genau?
Ja, es hat auch seine Vorteile, an diesem Projekt so maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Denn: ich bin keine Umweltingenieurin. Ich komme aus den Geisteswissenschaften, bin Politikwissenschaftlerin, obwohl ich auch mal eine Tischlerlehre gemacht habe. Das war im Kontext dieses Ferienhauses praktisch für mich, dass ich dieses Wissen selbst anwenden und dann ausprobieren konnte. Ich habe dort eine Komposttoilette und ein Regenwassersammelsystem gebaut, bei denen ich eben auch verschiedenes Wissen von der „RUVIVAL“-Webseite genutzt habe. Und ganz aktuell baue ich eine Pflanzenkläranlage, bei der ich mich auf manche Inhalte der „RUVIVAL“-Seite stütze.

Der Name „RUVIVAL“ setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern RU = rural (ländlich) und VIVAL = vival (lebendig) und thematisiert die ökologische Wiederbelebung des ländlichen Raums. Ausgehend von Trockenheit, Wasserknappheit, Bodenerosion, Rückgang der Vegetation und der Ernteerträge stellt sich die Frage, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um unfruchtbares, degradiertes Land wieder zu regenerieren. Die Inhalte können in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Urdu genutzt werden.
Wenn das eigene Lernangebot dafür genutzt wird, um seine eigenen lebensweltlichen Herausforderungen zu meistern, ist das auf jeden Fall eine Evaluation höchsten Grades. Wenn du dir „RUVIVAL“ als abgeschlossenes Projekt anschaust, woran denkst du besonders gern zurück? Gibt es Menschen, Themen oder Situationen, an die du dich gerne erinnerst?
Besonders hat mir an dem Projekt gefallen, dass wir in einem sehr internationalen Team zusammengearbeitet haben. Dabei konnten wir Brücken zwischen der wissenschaftlichen Arbeit von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Studierenden schlagen, indem sie als ein gemeinsames Projekt interaktiv zusammengearbeitet haben. Wir haben zum Beispiel für zwei oder drei Inhalte Schulklassen eingeladen, um diese gemeinsam zu erstellen. Das war ein Charakter der Produktion, den ich sehr genossen habe, viele Menschen in die Produktion des gesamten Projektes zu integrieren. Zu sehen ist das auf der „Team-Seite“ (siehe: https://www.ruvival.de/de/ruvival-team/) unserer Website. Dort ist eine sehr, sehr lange Liste von sehr vielen Menschen, die sich mit großem Engagement und Enthusiasmus eingebracht haben.

Es hat vielen sehr viel Spaß gemacht, über den fachlichen Tellerrand zu schauen und andere Methoden der Wissensvermittlung kennenzulernen.
Dr. Ruth Schaldach
Ich finde, das spürt man. Die einzelnen Artefakte sind wirklich mit so viel Liebe gemacht.
Ja, das war auch ein Feedback der Beteiligten. Wir haben für einige Videos die Stop-Motion-Technik verwendet. Das war eine schöne Erfahrung. Auch die Leute, die sonst eher aus dem technischen, also ingenieurwissenschaftlichen Bereich kamen, haben kreative Videos erstellt. Das hat vielen sehr, sehr viel Spaß gemacht, mal über den fachlichen Tellerrand zu schauen und andere Methoden der Wissensvermittlung kennenzulernen. Nicht nur ein wissenschaftliches Paper zu schreiben, sondern einen interaktiven Inhalt zu gestalten, ein Berechnungstool zu programmieren oder eben ein Stop-Motion-Video zu produzieren.
RUVIVAL - Den ländlichen Raum beleben
RUVIVAL produziert frei zugängliche E-Learning-Materialien, die sich mit der Wiederherstellung geschädigter Gebiete und der Schaffung neuer, nicht nur bewohnbarer, sondern auch lebenswerter Räume befassen.
Gibt es einen Teil von „RUVIVAL“, von dem du sagen würdest: Ja, das ist eigentlich mein Lieblingselement oder mein Lieblingsbild, -film, -text?
Also, ich habe den Teil der Stop-Motion-Videos schon sehr lieb gewonnen. Da haben wir viel Liebe reingesteckt. Das ist für mich eine Form der Kommunikation, die wir sehr geschätzt haben, die aber auch unglaublich herausfordernd war. Es ist nicht einfach, komplexe Inhalte, für die man sonst ein ganzes Paper schreiben würde, in weniger als drei Minuten darzustellen. Aber es hat uns auch sehr viel Spaß gemacht, uns in diesen Bereich der Videoproduktion hineinzufuchsen.
Wenn du anderen Projekten etwas mitgeben würdest, die dich fragen, ob sie sich für ein HOOU-Projekt bewerben sollen, was wäre deine Antwort?
Ich kann auf alle Fälle empfehlen, sich bei der HOOU an der TU Hamburg zu bewerben, um dort mit einer Projektidee in die „HOOU-Familie“ aufgenommen zu werden. Einerseits die Möglichkeit zu haben, sehr kreativ neue Formen des digitalen Lernens auszuprobieren und andererseits von einem tollen Team unterstützt zu werden, ist super. Dazu zählten die Hinweise und fachliche Unterstützung, bei denen wir am Anfang nicht wussten, wie wir sie (technisch) umsetzen können. Es war aber auch wichtig, dass wir an den regelmäßigen Treffen teilgenommen haben.
Hättest du für „RUVIVAL“ noch Wünsche für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie in den vergangenen Jahren, dass die Inhalte ein gewisses Eigenleben entwickeln. Denn wir haben gesehen, dass die Inhalte mit anderen Websites verlinkt werden. Die Menschen arbeiten mit den Inhalten und sie werden weitergetragen. Das ist etwas, was ich mir wünsche, dass es so weitergeht und dass die Ideen aufgegriffen, verändert, verbessert, aktualisiert und angewendet werden.
4226.10: Ruth Schaldach – RUVIVAL Universum
Die Projektleiterin der ersten Stunde, Dr. Ruth Schaldach, entwickelte mit ihrem großen, internationalen Team aus studentischen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen das bis heute umfangreichste Lernangebot der HOOU: RUVIVAL. In unserem Gespräch blicken wir zurück auf 10 Jahre produktive Zusammenarbeit.
Vielen Dank für die schönen Einblicke und das tolle Projekt „RUVIVAL“, das ich immer sehr gerne weiterempfehle und als Vorbild für zukünftige Projekte sehe.
Ja, vielen Dank auch an dich. Ganz zum Schluss möchte ich noch einmal erwähnen, dass sehr, sehr viele Menschen mit großem Enthusiasmus an diesem Universum gearbeitet haben. Ich möchte mich noch einmal bei allen bedanken, dass sie sich so eingesetzt haben, „RUVIVAL“ in diesem Umfang realisieren konnten.
Über Dr. Ruth Schaldach

Dr. Ruth Schaldach ist Beraterin bei der IFB Hamburg und zuständig für das Enterprise Europe Network. Zuvor war sie an der Technischen Universität Hamburg mit der Leitung von Projekten im Bereich innovativer Lehre und digitaler Wissenschaftskommunikation betraut, zu denen auch das Projekt „RUVIVAL“ gehörte. Ihre Promotion befasst sich mit dem Thema Wasserressourcen und ist im Bereich der Politikwissenschaften angesiedelt. Darüber hinaus hat sie einen Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen (Macquarie University, Sydney) und einen Master-Abschluss in Europäischen Studien (Universität Hamburg).
Bild: Louis Reed / Unsplash
18.09.2025 | Paula Guglielmi
Von Krankheitserregern zu Umwelthelfern: Die faszinierende Welt der Mikrobiologie
Welches Extremophil bist du? Diese Frage klingt wie ein Scherz, ist aber der Türöffner zu einem der kreativsten Wissenschaftskurse im Netz. Dr. Carola Schröder und Dr. Philip Busch haben ihre Mikrobiologie-Forschung an der TU Hamburg in „MikiE“ verwandelt – einen kostenlosen HOOU-Kurs, der Stroh zu Bioethanol macht, Waschmittel revolutioniert und zeigt, warum die allermeisten Mikroben unsere Freunde sind.
Von Mikroben soll man sich fernhalten, da sie Krankheitserreger sind, richtig? Weit gefehlt! Dr. Carola Schröder, Mikrobiologin und ehemalige Projektdurchführende des Lernangebots „Mikroben im Einsatz (MikiE)“ klärt auf: „Nur sehr wenige dieser winzigen Organismen sind tatsächlich für Krankheiten beim Menschen verantwortlich. Vielmehr sind Mikroben wahre Schätze der Natur, denn sie produzieren Enzyme, die in verschiedenen technischen Bereichen wertvolle Dienste leisten können – sei es bei der Herstellung umweltfreundlicher Waschmittel oder der Umwandlung von Stroh zu Zucker und weiter zu Bioethanol.“
MikiE - Mikroben im Einsatz
Ein Angebot des Instituts für Technische Mikrobiologie der Technischen Universität Hamburg (TUHH) in den Bereichen Mikrobiologie und Biotechnologie.
Der Begriff „Mikroben“ bezeichnet winzige Mikroorganismen wie Bakterien, Mikroalgen und Pilze, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. MikiE konzentriert sich besonders auf extremophile Mikroorganismen, die an extreme Umweltbedingungen wie hohe Temperaturen, extreme pH-Werte, hohen Salzgehalt oder hohen Druck angepasst sind.
Virtuelles Labor macht Forschung erlebbar
MikiE wurde 2017 am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg entwickelt. Mit großem Engagement und Kreativität hat das Team ein spannendes und lehrreiches Lernangebot geschaffen, das Einblicke in die Welt der technischen Mikrobiologie bietet. Dank allgemein verständlicher Texte, ansprechender Erklärvideos und eines virtuellen Labors wurde ihre Wissenschaft für alle zugänglich gemacht. So kann jede:r in die Rolle von Mikrobiolog:innen schlüpfen und die faszinierende Welt der Mikroben entdecken.
Welches Extremophil bist du?
Der Einstieg in das Lernangebot ist humorvoll gestaltet: Mit dem Test „Welches Extremophil bist du?“ kann man selbst herausfinden, welches kleine Lebewesen man sein könnte, wäre man eine Mikrobe. „Diese Idee entstand in einem Workshop der HOOU an der TU Hamburg, als jemand die Psychotests von Zeitschriften erwähnte“, erzählt Carola. Im Test beantwortet man Fragen wie „Wo machst du am liebsten Urlaub?“ oder „Was isst du am liebsten?“.

Mikroben sind winzige Lebewesen, die wir nur unter dem Mikroskop sehen können. Dazu gehören Bakterien, Pilze und Algen. Die meisten von uns denken bei Mikroben an Krankheiten, aber das stimmt nicht: Nur wenige Mikroben machen uns krank. Die meisten sind nützlich oder völlig harmlos. Mikroben helfen uns beim Verdauen, produzieren Sauerstoff und werden für die Herstellung von Brot, Bier oder Medikamenten gebraucht. Extremophile Mikroben sind besonders zäh und können auch dort leben, wo es sehr heiß, kalt oder salzig ist.
Am Ende bekommt man eine passende Mikrobe zugewiesen, die durch eine schöne Zeichnung von Dr. Christin Burkhardt und eine kleine Beschreibung dargestellt wird. Obwohl die Namen komplex sind, wie Halomonas elongata oder Colwellia piezophila, konnten sich viele Teilnehmende ihre zugewiesene Mikrobe sehr gut merken: „Selbst nach zwei Jahren erinnerten sich viele noch an ihr Ergebnis“, erzählt Carola.
Aus Stroh wird Zucker und Waschmittel umweltfreundlicher
Der Inhalt von MikiE ist eng mit der Forschung der Projektdurchführenden verbunden, wie Carola erzählt: „Wir hatten ein Projekt mit Waschmittelenzymen, um das Waschen umweltfreundlicher zu machen. Ein weiteres Thema war der Abbau von Stroh, um Zucker zu gewinnen und daraus Bioethanol herzustellen. Das war zum Beispiel mein Promotionsthema. Einige Themen der eigenen Forschung sind so in das Lernangebot eingeflossen, und das eigene Interesse spiegelt sich darin wider.“
Mit den Beispielen „Eco Washing mit Enzymen“ und „Green Mobility mit Bioethanol“ zeigen die Forschenden im Lernangebot, wie Enzyme unseren Alltag effizienter und umweltfreundlicher gestalten können. Mit MikiE lernt man, wie Mikrobiolog:innen nach solchen interessanten Enzymen suchen:
Zunächst wird die Erbinformation der Mikroben untersucht. „Das heißt, man knackt alle Zellen auf und sequenziert sie mithilfe einer speziellen Maschine“, erklärt Philip. Carola ergänzt: „Anschließend kann man sehen, ob der genetische Code für bestimmte Enzyme vorhanden ist, und diese dann gezielt produzieren und untersuchen. Manchmal hat man Glück und findet ein ganz tolles Enzym, das für die Industrie sehr wertvoll ist.“
Alltag der Mikrobiolog:innen erleben
Wer selbst erfahren möchte, wie Mikrobiolog:innen im Labor arbeiten, kann das virtuelle Labor von MikiE besuchen und dort gängige Experimente der Mikrobiologie durchführen. So lernt man, wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) funktioniert, eine Methode, die während der Corona-Pandemie berühmt wurde. „Die PCR ist eine der wichtigsten Methoden der letzten 30 Jahre. Jeder, der mit Biologie zu tun hat, wird irgendwann mit PCR arbeiten. Daher war es wichtig, diese Methode zu demonstrieren“, ergänzt Philip.
Die Entwicklung des virtuellen Labors fand Philip sehr interessant und auch herausfordernd: „Ich musste häufig an meine Routine im Labor denken, als ich den Programmierer, der keine Erfahrung im Labor hatte, anleitete, diese Abläufe in einem Programm abzubilden“. Es brauchte viele Interaktionen mit dem Programmierer der Firma Villa Hirschberg Online GmbH, bis das virtuelle Labor entstand: „Ich weiß nicht, wie oft ich das spielen musste, um jeden kleinen Fehler zu entdecken“, erzählt Philip.

Wir mussten uns bremsen, wenn wir zu wissenschaftlich oder zu detailliert vorgingen. Wir mussten erst lernen, wie wir besser für Personen mit wenig Vorwissen in dem Thema kommunizieren können.
Dr. Carola Schröder
Sowohl Carola als auch Philip betonen den Kontakt mit der Öffentlichkeit und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Projekten als Stärken der HOOU. MikiE hatte ursprünglich die Studierenden der TU Hamburg als Zielgruppe, jedoch zeigte sich schnell, dass auch fachfremde Personen aus der Gesellschaft Interesse an dem Lernangebot haben: „Wir haben das Projekt einmal in den Bücherhallen präsentiert und festgestellt, dass sich tatsächlich viele Menschen für das Thema interessieren. Deshalb wurde uns schnell klar, dass wir das Lernangebot zugänglicher machen wollten“, erklärt Carola und ergänzt: „Am Anfang brauchten wir etwas Zeit, um uns zurechtzufinden. Wir mussten uns bremsen, wenn wir zu wissenschaftlich oder zu detailliert vorgingen. Wir mussten erst lernen, wie wir besser für Personen mit wenig Vorwissen in dem Thema kommunizieren können“.
Wie man die Gesellschaft besser erreicht
Dabei haben die HOOU-internen Veranstaltungen und der Austausch mit anderen Projekten sehr geholfen: „Es gab regelmäßige HOOU-Veranstaltungen zusammen mit anderen Projekten, wo wir gegenseitig unsere Lernangebote getestet haben. Da waren wir für andere Projekte auch die interessierte Öffentlichkeit ohne Vorkenntnisse. Es war interessant zu sehen, wie andere ihre Lernangebote aufbereiteten. Wir konnten uns gegenseitig Input geben, wie man Inhalte gestalten könnte. Mit jedem Meeting wurde man geübter darin, wie man Informationen verständlich vermittelt und Interesse weckt“, erzählt Carola.
MINT stärker in den Fokus rücken
Philip stimmt Carolas Meinung zu und ergänzt: „Das HOOU-Projekt ist eine gute Möglichkeit, Wissen zu verbreiten und MINT-Fächer stärker in den Fokus zu rücken. Ich finde es wichtig, dass dadurch Wissen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Mit der HOOU kann man Inhalte erstellen, die für jeden zugänglich sind, ohne dass monatliche Gebühren anfallen, wie es bei vielen anderen Programmen der Fall ist.
Über Dr. Carola Schröder

Dr. Carola Schröder ist Biologin mit dem Schwerpunkt Mikrobiologie. Nach ihrem Studium in Göttingen kam sie nach Hamburg, um ihre Promotion am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg durchzuführen. Nach ihrer Promotion leitete sie unter anderem das Projekt MikiE. Heute arbeitet sie in der freien Wirtschaft im Bereich der Prozessentwicklung, insbesondere an der Aufreinigung von Impfstoffen und anderen Therapeutika, die unter anderem mit Mikroben produziert werden.
Über Dr. Philip Busch

Dr. Philip Busch hat Biologie in Bochum studiert und am Institut für Technische Mikrobiologie der TU Hamburg promoviert. Während seiner Zeit an der TU leitete er unter anderem die Entwicklung des virtuellen Labors von MikiE. Heute arbeitet er im Diagnostiklabor des Instituts für Hygiene und Umwelt der Stadt Hamburg, wo er sich mit medizinischer Mikrobiologie beschäftigt. Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der HAW Hamburg.