Zu sehen ist eine Frau mit Kopfhörern vor dem Laptop in einem Seminarraum.

Bild: Vitaly Gariev / Unsplash

23.01.2026 | Meena Stavesand

Hybride Lehre und OER an Hochschulen – 10 Gedanken im Countdown

Lehrende im Hörsaal, Studierende am Bildschirm. Oder umgekehrt. Oder ganz anders. Hybride Lehre hat viele Gesichter – und genau das ist ihre Stärke. In unserer neuen Broschüre öffnen fünf Projekte der HAW Hamburg ihre Werkstatt und Expert:innen teilen ihr Wissen. Am Ende steht eine Erkenntnis, die alles zusammenhält: Es geht nicht um die perfekte Methode, sondern um den Mehrwert für die Lernenden.

Wir haben zehn Impulse gesammelt – zu Technik und Recht, zu Barrierefreiheit und Diversität, zu OER und interkultureller Zusammenarbeit. Keine trockene Theorie, sondern Praxisberichte, Checklisten und Interviews mit Menschen, die hybride Lehre jeden Tag gestalten.

Unser Countdown startet bei 10 und arbeitet sich zur großen Frage vor: Was macht hybride Lehre eigentlich aus? „Ein offenes Haus, bunt, mit solidem Fundament“ – so beschreibt Ellen Pflaum, Teamleiterin der HOOU@HAW Hamburg hybride Lehre. Was sie damit meint, ist der rote Faden dieser Broschüre.

Aber der Reihe nach.

10 – Gemeinsam lernen in der globalisierten Welt

Wie gelingt Zusammenarbeit, wenn alle unterschiedlich ticken – kulturell, fachlich, räumlich? Die „EduBoxen“ machen interkulturelle Kommunikation zur persönlichen Entdeckungsreise. Drei aufeinander aufbauende Module führen von den Grundlagen über virtuelle Teamarbeit bis zum Design Thinking. Das Besondere: Das Blended-Learning-Konzept verbindet Selbstlernphasen mit Lerntagebüchern, Online-Austausch und Präsenz-Workshops. Lehrende erhalten fertige Manuals, um die Module direkt einzusetzen.

Das Kursbild zum Lernangebot: EduBoxes

EduBoxes

Here you will find original and innovative material, wich provides new perspectives on culture while analysing and explaining their consequences for intercultural business relationships.Currently there are three lesson areas:1. Culture, a new perspective includes sessions on ‘Culture, a critical review’; ‘Multi-collectivity as a concept’; ‘Cultural reflexivity’ and ‘Synergy is not for free’2. Communicating in diverse contexts comprises a range of material on the ‘Basics of intercultural communication’ and ‘Language and culture’3. Social and business networks and relations focuses on ‘Families as primary social networks’; ‘Social relations-a network perspective’ and ‘Basics of a social network analysis’.While you are welcome to use the texts, videos, presentations etc. in your own lessons, we would be grateful if you would cite this site as the source (as well as the author of the work). We view ourselves as an open community, so please feel free to send us your own material (see contact page): This site is evolving!

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9 – Rechtsfragen zu hybrider Lehre: Was ist erlaubt?

Darf ich meine Vorlesung aufzeichnen, wenn Studierende zu sehen sind? Welche Lizenz passt zu meinem Material? Und was, wenn ich fremde OER einbauen will? HAW-Juristin Andrea Schlotfeldt sortiert den Paragraphen-Dschungel – verständlich, praxisnah und mit konkreten Empfehlungen. Von Datenschutz über Urheberrecht bis zur richtigen CC-Lizenz – hier findet ihr Antworten auf eure Fragen.

8 – Diskriminierung erkennen, Lehre verändern

Wie werden Lehrveranstaltungen wirklich inklusiv? „Diversify!“ macht Antidiskriminierung greifbar. Die interaktive Plattform verbindet Medienanalyse mit Selbstreflexion und zeigt, wie diskriminierende Muster in Bildern, Sprache und Strukturen wirken. Studierende erkunden eigenständig Themen wie Klassismus oder Rassismus, diskutieren ihre Erkenntnisse und entwickeln Handlungsstrategien. Mit Privilegien-Check, Videomaterial und praktischen Übungen.

Das Kursbild zum Lernangebot: Diversify

Diversify

Die OER Diversify! sollte als ein Startpunkt verstanden werden, sich struktureller Diskriminierung, der Rolle der Medien und der Verantwortung der Lehre anzunähern.

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7 – Digitale Barrierefreiheit trifft OER

Offene Bildung für alle – das klingt gut. Aber was bedeutet es konkret? Katrin Bock von der TU Hamburg zeigt, warum Barrierefreiheit und OER zusammengehören. Beide wollen dasselbe: niedrigschwelligen, gleichberechtigten Zugang zu Bildung. Barrierefreiheit ist dabei kein nettes Extra, sondern gesetzlich verankert und ein Qualitätsmerkmal. Der Beitrag räumt mit Vorurteilen auf und macht Mut: Der Aufwand lohnt sich, aber niemand muss alles alleine schaffen.

6 – Selbst-Supervision für Zwischendurch

Eine schwierige Seminarsituation, ein zähes Meeting, eine gelungene Workshop-Session – aber keine Zeit, darüber nachzudenken? „LEADR“ schafft Abhilfe mit Online-Tools zur strukturierten Selbstreflexion. Die Leitfäden basieren auf der Themenzentrierten Interaktion und helfen, die eigene Leitungspraxis weiterzuentwickeln. Für alle, die Gruppen lebendig und wirkungsvoll führen wollen.

Das Kursbild zum Lernangebot: LEADR - Leadership with Reflection (Deutsche Version)

LEADR - Leadership with Reflection (Deutsche Version)

Woran lag es, dass meine Veranstaltung gut ging oder auch nicht? Entwickle durch Reflexion deine Leitungskompetenz für lebendiges Arbeiten mit Gruppen.

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5 – OER braucht Struktur, keine Superheld:innen

Lehrende sollen Expert:innen für ihr Fach sein und didaktisch fit, aber müssen sie auch noch Urheberrecht, Technikstandards und Metadaten beherrschen? Nein, sagt Bildungsexperte Jöran Muuß-Merholz. Der Schlüssel liegt in der Arbeitsteilung: Wenn jede:r das macht, was sie oder er am besten kann, entstehen OER, die wirklich funktionieren. Seine Vision für die Zukunft: In zehn Jahren wird niemand mehr bemerken, dass Materialien offen lizenziert sind – weil es einfach Standard ist.

4 – Wenn Studierende zu Lehrenden werden

Wer könnte Studierenden besser erklären, wie das Studium funktioniert, als andere Studierende? Beim „DigitalCampus“ produzieren mehrsprachige Teams Lernmaterialien zu überfachlichen Themen – von Studienfinanzierung bis Selbstmanagement. Die Formate reichen von Videoclips über Podcasts bis zu interaktiven H5P-Modulen.

Das Kursbild zum Lernangebot: Digital Campus

Digital Campus

Willkommen auf dem Digital Campus, der Plattform, die alle Aspekte des studentischen Lebens vereint.

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3 – Hybrid ohne Chaos: Die Technik-Checkliste

Akku leer, Chat explodiert, Mikro auf stumm – hybride Lehre kann technisch schnell zum Stressfaktor werden. Muss sie aber nicht. Unsere Checkliste führt chronologisch durch alle kritischen Punkte: Was muss eine Woche vorher passieren? Was 15 Minuten vor Beginn? Und wie behalte ich während der Veranstaltung den Überblick? Dazu gibt’s Tipps für hybride Tools – und das wichtigste Mantra: Jede Art der hybriden Lehre ist besser als keine.

2 – Von der Forschung zum eigenen Unternehmen

Aus der eigenen Forschung eine Gründungsidee entwickeln? „Science2Startup“ zeigt, wie’s geht. Der modulare Lernpfad begleitet Absolvent:innen und Wissenschaftler:innen durch sieben Stationen – von der ersten Inspiration über das Geschäftsmodell bis zum Pitch. Aber auch wer nie gründen will, profitiert: Die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und Tragfähigkeit vermittelt Future Skills, die überall gefragt sind.

Das Kursbild zum Lernangebot: Science2Startup

Science2Startup

Von der Forschung ins eigene Business? Lerne im interaktiven Lernprogramm, wie du deine (wissenschaftlichen) Erkenntnisse in unternehmerischen Erfolg umsetzen kannst.

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1 – Der Mehrwert entscheidet

Und jetzt zur großen Frage: Was macht hybride Lehre eigentlich aus? Ellen Pflaum, Teamleiterin der HOOU an der HAW Hamburg, hat eine klare Antwort. Sie lautet: Es gibt viele richtige Antworten. Jede Hochschule findet ihren eigenen Mix aus Digital und Präsenz. Entscheidend ist nicht die Form, sondern der Nutzen für die Studierenden.

Ihr Bild von hybrider Lehre? Ein offenes Haus mit Türen, Fenstern und Treppen überall. Bunt, weil es verschiedene Disziplinen und Perspektiven vereint. Und solide, weil es auf wissenschaftlicher Erfahrung und jahrzehntelanger Lehrpraxis aufbaut.

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Broschüre: Hybride Lehre und OER sind keine Frage der perfekten Methode. Sie sind eine Einladung, Bildung gemeinsam weiterzudenken.

Die ganze Broschüre lesen?

Alle zehn Gedanken, die Projektberichte, Interviews und Checklisten gibt’s hier zum kostenlosen Download – als OER unter CC BY 4.0.