Schlagwort: wissenschaft
Charlotte Goblirsch bei ihrem Slam. Bild: Maximilian Glas
01.07.2026 | Meena Stavesand
Science and Art Slam: Hamburgs Wissenschaftler:innen buhlen um deinen Applaus
Stell dir vor, jemand wählt den Notruf – stellvertretend für Hamburgs marode Brücken. Genau so hat der Doktorand der TU Hamburg, Mohsen Falah, im vergangenen Jahr den lautesten Applaus des Abends kassiert und den Slam-Pokal geholt. Am Donnerstag, 12. November, geht das Ganze in die dritte Runde: beim Science and Art Slam der HOOU in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg. Eintritt frei – und garantiert kein einziger endloser Fachvortrag.
Vergiss Powerpoint-Marathons und Vorträge, bei denen du nach zehn Minuten aufs Handy schielst. Hier haben Forschende und Kulturschaffende nur wenige Augenblicke Zeit, dich für ihr Thema zu begeistern – simple und effektiv. Sie erklären ihre Arbeit so, dass sie jede:r versteht, egal ob mit Doktortitel oder ohne. Genau das ist der Punkt: Du brauchst kein Vorwissen und musst bei den ersten beiden Slams nicht dabei gewesen sein. Du kommst rein, lehnst dich zurück und entscheidest am Ende, wer am besten performt hat. Denn:
Du bist die Jury!
Dein Applaus zählt: Denn hier gibt’s keine Fachjury, die urteilt. Du bist die Jury. Du entscheidest, wer am Ende mit dem Pokal nach Hause geht. Was zwischen erstem und letztem Beitrag passiert, ist jedes Jahr neu – letztes Mal ging es unter anderem um nachhaltiges Online-Shopping, eine Hochschulreform, die vielleicht ChatGPT schreibt, und ein Cembalo, das plötzlich alles andere als barock klang.

Dass das Konzept aufgeht, hat haben die letzten beiden Slams gezeigt: Über 150 Gäste füllten die Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg und feierten die Beiträge lautstark. Ein Abend, an dem Wissenschaft und Kunst aufeinandertreffen und beide alles geben, um dich zu überzeugen.
Zwischendurch gibt’s eine Pause zum Durchatmen und Diskutieren. Danach gehst du mit einem Kopf voller Ideen nach Hause, die dich so schnell nicht loslassen. Das Beste: Der Einlass ist kostenlos. Aber: Die Plätze sind begrenzt – sichere dir dein Ticket, bevor’s jemand anderes tut: Anmeldung bald möglich.
Lust zu slammen?
Du forschst oder bist Kulturschaffende:r an einer Hamburger Hochschule und hast ein Thema, für das du brennst? Dann trau dich auf die Bühne. Du musst kein Bühnentalent mitbringen: Jede:r Slammer:in bekommt vorab ein kostenloses, professionelles Einzelcoaching, in dem wir gemeinsam an deinem Auftritt feilen – Aufbau, Timing, Wirkung. Am Ende stehst du da oben und weißt genau, was du tust. Dieses Handwerk nimmt dir übrigens niemand mehr weg, auch nicht nach dem Slam.
Melde dich jetzt bei Dr. Paula Guglielmi per E-Mail an guglielmi@hoou.de. Wir freuen uns auf deine Nachricht!
Science and Art Slam der HOOU 2026
- Donnerstag, 12. November, 17.30 bis 20 Uhr
- Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg, Hühnerposten 1 (Eingang: Arno-Schmidt-Platz), 20097 Hamburg
- Eintritt frei | Anmeldung erforderlich
Bild: Soundtrap / Unsplash
16.06.2026 | HOOU
Podcasts in der Wissenschaft: 5 Gedanken zum Einstieg
Wer wirklich langfristig Erfolg und Freude mit seinen Audioformaten haben möchte, merkt schnell: Es gibt ein paar Dinge, die einem vorher selten jemand sagt. Hier sind fünf persönliche Erkenntnisse aus zehn Jahren Workshoperfahrung – jenseits von Technik-Mythen und Erfolgsversprechen. Dieser Beitrag von Podcastexperte Christian Friedrich ist in der kostenlosen Broschüre „10 Stimmen zum Podcasting“ der HAW Hamburg erschienen. Dieser und die neun weiteren Impulse machen deutlich, wie sinnvoll Podcasts für die Wissenschaftskommunikation sein können. Du kannst die Broschüre kostenlos am Ende des Artikels downloaden.
Wer sich für einen Einstieg ins Podcasting interessiert, findet an vielen Stellen im Internet Beiträge mit Ratschlägen und Listicles. Oft mit dem Ziel, den eigenen Service oder das eigene Produkt zu vermarkten, seltener mit dem genuinen Interesse, anderen den Weg ins Podcasting zu ebnen. An vielen Stellen lese ich, dass es nie einfacher war, einen gut klingenden Podcast zu produzieren. Und das stimmt. Das heißt aber nicht, dass es per se einfach ist.
Es kann Selbstüberwindung kosten, Podcasting kann auch mit Rückschlägen verbunden sein. Die wenigsten werden also nach der Lektüre eines Beitrags wie diesem nahtlos ins Podcasting einsteigen und sich pudelwohl fühlen. Seit fast zehn Jahren leite ich Workshops, in denen die Teilnehmenden sich das Podcasting aneignen. Vor diesem Hintergrund starte ich hier den Versuch einer etwas anderen Liste von Empfehlungen für den Einstieg ins Podcasting:
1. Selbst Podcasts hören
Es wird seltener, aber immer noch zu oft begegnen mir Menschen, die einen Podcast starten möchten, selbst aber nur selten Podcasts hören. Das mag es geben, aber ich glaube nicht daran. Wer Podcasts hört, bekommt Ideen, die man kopieren, nachahmen, uminterpretieren und auf das eigene Format beziehen kann. Wie ich begrüße und verabschiede, wie ich in ein Thema einführe, wie ich Musik und Klang im Podcast nutze, welche Stimmlagen ich gern höre, welche Themen mich und andere Podcast-Hörende interessieren: all das bekomme ich am besten heraus, wenn ich selbst verschiedene Podcast-Formate höre.
2. Einmal ordentlich nachdenken, dann machen
Wer kein besonderes Talent, eine passende Ausbildung oder bestenfalls beides hat, wird sich mit dem Start ins Podcasting schwertun. Trotz aller Einfachheit gibt es viel zu beachten: Klang, Technik, Konzeption, womöglich Interviewführung, Mischen, Hosting, Design, Social Media, Urheberrecht. Wer loslegt, ohne sich zum Konzept, den eigenen Interessen und Wünschen, Zielgruppen, Themenfindung und vielem mehr Gedanken zu machen, wird nach drei Folgen überfordert oder gelangweilt vom eigenen Produkt sein. Das soll kein Plädoyer für Perfektion sein. Wer einmal Grundüberlegungen zum Konzept und der technischen Umsetzung zusammengestellt hat, sollte bald loslegen und den eigenen Podcast Wirklichkeit werden lassen. Konstante Weiterentwicklungen werden einfacher, wenn erste Erfahrungen gemacht sind.
Ulf Ansorge
Er ist für viele die Stimme des Hamburger Morgens: Ulf Ansorge moderiert „Guten Morgen Hamburg" und das NDR Hamburg Journal. Im Gespräch mit Christian Friedrich erzählt er, wie ihn ein zweiwöchiges Praktikum beim NDR landen ließ, warum Lokaljournalismus wichtiger ist denn je und weshalb er als Nachrichtenmann selbst manchmal abschalten muss. Außerdem: Klavier, Oboe, die Gassenhauer der Klassik und sein Credo, niemandem das Licht auszublasen, um selbst zu leuchten. Ein Gespräch übers Lernen, Dranbleiben und Freundlichkeit. Besprochen werden drei Lernangebote der Hamburg Open Online University (HOOU): „News-Life-Balance" zum gesunden Umgang mit Nachrichtenmüdigkeit, „Historische Klaviere" über den Klang klassischer Musik zu früheren Zeiten und „Innovatives Filme Machen" der HFBK Hamburg übers Erzählen jenseits tradierter Film- und Fernsehstrukturen.
3. Guter Klang
Es klingt so einfach. Und es war auch nie einfacher, einen gut klingenden Podcast zu produzieren. Aber auch im Jahr 2025 gibt es genug Podcasts, deren Sprechende unterschiedlich laut sind, in denen Hall und Hintergrundgeräusche klingen, als habe man in einer Autobahnkapelle aufgezeichnet, in denen Hörende jeden Atemzug der Sprechenden wahrnehmen. Nach meiner Erfahrung sind Hörende im Jahr 2025 weniger „verzeihend“, wenn ein Podcast nicht gut klingt, als noch 2015. Zu Recht, wie ich finde. Ein passendes Mikro ist auch für relativ kleine Budgets finanzierbar. Raumbedingungen lassen sich fast immer anpassen. Die Möglichkeiten der Nachbearbeitung sind inzwischen riesig, auch für Ungeübte. Heute muss niemand mehr klingen wie im Dosentelefon.
4. Erfolg nicht nur über Reichweite definieren
Wer 2025 als „Indie-Podcaster*in“, also ohne Redaktion, Verlagshaus, großes Budget oder Zeitkontingent für das Podcast-Projekt, große Reichweite im Kontext von Wissenschaftspodcasts hat, ist meist vor fünf bis zehn Jahren ins Podcasting gestartet und würde diese Reichweite heute nicht mehr mit dem gleichen Podcastformat erreichen. Das sagt so zum Beispiel Nicolas Wöhrl vom Podcast „Methodisch inkorrekt!“ in seinem Vortrag bei der subscribe-Konferenz im Jahr 2024. Erfolg mit dem eigenen Podcast kann sich an vielen Kriterien festmachen, zum Beispiel an:
- qualitativem Feedback von Studierenden oder der eigenen Fachcommunity
- größerer Sichtbarkeit an der eigenen Hochschule, in der eigenen Disziplin oder in der Fachpresse
- Einladungen zu Panels, Fachdiskussionen, Fernseh- oder Radio-Interviews.
Der eigene Podcast kann Sprech- und Medientraining sein, er kann mir helfen, mich in einer neuen Community zu vernetzen. Und natürlich kann es befriedigend sein, wenn der Podcast häufig heruntergeladen und gehört wird. Es wird auch sicher helfen, den Zeitaufwand, den eine Podcastproduktion verlangt, vor Kolleg*innen und Vorgesetzten zu rechtfertigen. Wer den eigenen Podcast jedoch nur an der Anzahl von Downloads misst, sollte besser nicht mit Podcasting anfangen.
Digitale Souveränität: philosophische Sackgasse?
In dieser Folge nehmen Volker Skwarek und Ingo Timm das Thema digitale Souveränität auseinander. Sie diskutieren, warum Office 365, PowerPoint und Outlook so erfolgreich sind, wo Lock-in-Effekte wehtun und wieso Migrierbarkeit und offene Formate wichtiger sein könnten als der Versuch, eine eigene europäische Cloud zu bauen. Themen sind unter anderem der CLOUD Act, die Sperrung des Mail-Accounts von IStGH-Chefankläger Karim Khan, die Bundeswehr-Cloud bei Google, KI-Souveränität, Apertus, Mistral und der „Digital Independence Day". Am Ende die These: Trennung von Daten und Programmen ist der eigentliche Hebel
5. Haltung entwickeln und die eigene Stimme finden
Die eigene Stimme kann irreführend sein. Der Effekt ist bekannt: Höre ich meine eigene Stimme zum ersten Mal in einer Aufzeichnung, tritt ein Gefühl der Befremdung ein. So klinge ich wirklich? Das ist nicht gemeint, wenn ich hier von der „eigenen Stimme“ spreche. Ich meine damit eine erkennbare Grundmotivation, ein Interesse am eigenen Podcast, das sich in dem Podcast selbst ausdrückt. Das Gegenteil von Beliebigkeit, das sich durch eine bestimmte Nachfrage in einem Interview, eine besondere Art von Humor, ein bestimmtes konzeptionelles Detail und auch das Podcast-Design ausdrücken kann. Die Kombination von Kleinigkeiten, von Einzelentscheidungen, führt zu einem individuell unterscheidbaren Podcast und verleiht der Podcastproduktion wiederum Wert. Was so abstrakt vielleicht verkopft wirkt, ist denen, die einen Podcast hören, im Konkreten oft vertraut, es verleiht dem Podcast aus ihrer Sicht Wert, Individualität und Haltung. Die eigene Stimme zu finden, dauert etwas.
Von Foren über Workshops bis hin zu Tutorials
Neben den hier aufgeführten Hinweisen gibt es natürlich eine ganze Reihe von praktischen Tipps und Tricks, die es beim Podcasting zu beachten gilt: Wie ich zu einem passenden Konzept komme, wie sich gute Aufnahmebedingungen herstellen lassen, wie Schnitt und Post-Produktion gelingen, wie es eine Audiodatei ins Internet schafft, um dort zum Podcast zu werden – allesamt valide Fragen, die an verschiedenen Stellen im Internet ordentlich beantwortet werden. Ein guter Startpunkt für viele ist das Forum von Podcastenden namens Sendegate. Andere wiederum fühlen sich in einem Podcasting-Workshop wohler, wie sie die HOOU immer wieder anbietet. Und auch Listicles, Blogposts und Videotutorials haben ihren Wert.
Jetzt downloaden: „10 Stimmen zum Podcasting“
Bild: Duncan Kidd / Unsplash
11.12.2025 | HOOU
Wie Kniffelix die Wissenschaft erlebbar macht
Die KinderForscher an der TU Hamburg wurden 2015 als eines der ersten Projekte der Hamburg Open Online University gefördert. Entstanden ist das digitale Lernangebot Kniffelix, in dem Interessierte mit Alltagsgegenständen selbst Experimente durchführen können. Ein Interview mit der Projektverantwortlichen Gesine Liese von Stephan Dublasky.
Es geht bei dem Gespräch nicht nur um das Lernangebote an sich. Es ist auch ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahr, die Gesine Liese schon mit den KinderForschern an der TU Hamburg aktiv ist und was sich verändert hat.
Wie startete das digitale Angebot der KinderForscher?
Gesine Liese: Wir haben in der Metropolregion Hamburg ein haptisches Projekt aufgebaut mit Experimentierkisten, die mit Alltagsprodukten bestückt sind: Hefe, Ketchup oder Legosteine aus dem Kinderzimmer. Und aus diesen haben wir Experimente entwickelt, zu denen passend die Experimentierkisten ausgeliehen werden können. Und dann hatte ich gehört, dass Professor Sönke Knutzen hier an der Technischen Universität Hamburg, wo ich ja KinderForscher gegründet habe, gerade dabei war, die HOOU aufzubauen, und Projekte suchte, um Wissenschaft an die Gesellschaft zu bringen. Und da habe ich gesagt: Ach, wie klasse ist das denn? Wie können wir das digital in die ganze Welt bringen, dass jeder so lernen kann, wie man das hier in Hamburg kann?
Und dann gab es die ersten Experimente zu Fragen wie: Wie geht Hefe auf und warum kommt der Ketchup nicht aus der Flasche? Also zu sehr alltagsnahen Themen. Das heißt, man brauchte dann, wenn man das machen wollte, nicht die Experimentierkiste, sondern man konnte es mit Alltagsgegenständen aus der eigenen Küche machen. Und wir haben es auch zugleich so konzipiert, dass jede Lehrkraft, egal wo sie auf der Welt ist, von zu Hause oder in der Schule, diese Sachen zusammensuchen und auch mit der Klasse experimentieren kann.
Bei euch geht es nicht nur um das Verstehen. Man muss auch mitmachen?
Liese: Man kann mitmachen. Lernen ist ja immer ein Angebot, aber man kann alle Sinne einsetzen. Also bei Kniffelix kann man nicht nur Fernsehen gucken wie bei der Sendung mit der Maus. Es ist auch so ein bisschen die Vorbildidee dahinter, da sitzt man aber passiv und guckt. Und ich wollte dieses Erlebnis viel größer machen. Ich wollte, dass man ausprobieren kann, wirklich mit den Händen arbeiten in der Küche, am Schreibtisch, am Esszimmertisch, im Garten. Dass man Sachen ausprobieren kann, die man digital gesehen hat – in Videos, Texten, Downloads und Arbeitsblättern.
Beim Lesen des Textes lerne ich schon etwas, aber wenn ich dann noch Wörter einfüllen muss? Zwischendurch macht mich das viel aktiver, als wenn ich nur lese. Und ich kann auch überprüfen, habe ich das verstanden, was ich da gerade gesehen oder erlebt habe. Und das Tolle am digitalen Lernen, also in der Hamburg Open Online University, ist, wenn ich jetzt gerade was nicht verstanden habe und es mich interessiert, kann ich jederzeit zurückgehen. Ich kann es an mein eigenes Tempo, an mein eigenes Lernverständnis anpassen.
Kniffelix ist durch die HOOU mehrere Jahre gefördert worden. Welche Angebote habt ihr realisiert in der Zeit?
Liese: Wir haben sechs Grundthemen erschaffen, sodass jede:r ab acht Jahren bis 99 die beliebtesten KinderForscher-Themen erleben konnte. Ich bin auch immer wieder angesprochen worden von Erwachsenen, die verstehen ja auch nicht immer, was die Hefe im Pizza- oder Brotteig zum Gehen bringt. Ich weiß auch nicht, warum der Ketchup schnell oder langsam ist. Das ist für einen Achtjährigen total interessant, aber genauso war meine Schwiegermutter ganz begeistert mit über 80 Jahren. Die beliebtesten Fragen haben wir im KinderForscher-Team digital umgesetzt: Hefe, Ketchup, dann das Thema Flugzeug mit der Frage: Wie müssen Tragflächen geformt werden? Dann unser viertes Thema: Wo muss der Schwerpunkt im Flugzeug liegen? Danach ging es um die Produktentwicklung: Wie kommt man von der Idee eines Hubschraubers dazu, dass man einen Hubschrauber entweder als reales Produkt oder als Spielzeug entwickelt? Dann haben wir noch das Thema Boden oder Erde gemacht. Wenn ich eine Topfpflanze ziehe, woher soll ich wissen, was für eine Erde ich nehmen soll, wenn ich in den Baumarkt gehe? Da gibt es Säcke mit Zitronen-, Rhododendron-, Rosen- oder einfach Pflanzenerde. Was ist eigentlich Erde und worin unterscheidet sie sich? Dann stirbt die Topfpflanze auch nicht so schnell, sondern wächst und gedeiht, und man weiß sogar warum!
Kniffelix
Entdecke unseren Mitmach-Experimentier-Blog und lerne anhand von Forschungsmissionen mehr über alltägliche Situationen.
Wie ist es mit Kniffelix nach der Förderung durch die HOOU weitergegangen?
Liese: Das Entscheidende war, als ich in der Hamburg Open Online University diese Förderung bekommen habe, dass ich von vornherein wusste, ich würde immer wieder rausgehen und weiteres Fördergeld von anderen Stellen nutzen, um auf dieses Fundament, das mir die HOOU ermöglicht hat, neue Projekte draufzusetzen und es wirklich als die digitale Kommunikationsplattform zu nutzen, die es heutzutage ist.
Wir haben im Rahmen des Ralf Dahrendorf Preises vom BMBF Gelder bekommen, sodass ich zusammen mit den Mitarbeitenden von Professorin Irina Smirnova vom Institut für Thermische Verfahrenstechnik der TU Hamburg konnte ein Thema aufgebaut werden. Aerogele sind die leichtesten Feststoffe der Welt und man kann zum Beispiel nachhaltige Baumaterialien ganz interessant mit Aerogelen herstellen. Man kann aber auch den leichtesten Nachttisch der Welt machen: aerogeles Gebäck oder eine aerogele Erdbeere – eine Erdbeere, die man anschließend auch essen kann. Also ein total cooles Thema!
Dann habe ich einen Antrag an die Sigma Aldrich Foundation in den USA geschrieben (durch Empfehlung von Merck in Deutschland) und gesagt, dass ich gerne mehr Themen entwickeln möchte, sodass wir weltweit mehr Schülerinnen erreichen können. Damit habe ich eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die dann das Thema Chromatografie umgesetzt hat. Dabei geht es um Trennverfahren. Jeder kennt es schon als Kind: man malt ein Bild mit Filzstiften und dann trinkt man etwas oder isst ein Eis dabei, und dann klecksen Tropfen aufs Papier. Plötzlich sieht man, dass zum Beispiel der rote Filzstift in dem Tropfen Wasser aufgetrennt wird in Gelb und Pink, weil Rot durch Magenta und Gelb hergestellt wird. Das ist Chromatografie, und wer mehr darüber lernen will, kann das auf Kniffelix lernen. Es geht auch darum, wie Forschende das in ihrer Forschung nutzen. Bis heute fördert Merck die weitere Entwicklung neuer Kniffelix-Themen und die KinderForscher.
Welche Themen sind für die Zukunft geplant?
Liese: Dr. Paul Bubckenheim vom Institut für Technische Biokatalyse der TU Hamburg hat zusammen mit dem Start-up Infinite Roots einen erfolgreichen Projektantrag beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestellt. Wir suchen gerade eine neue Mitarbeiterin mit einer 60-Prozent-Stelle für drei Jahre, um das neue Thema zu entwickeln. Es geht darum, die Molke als Hauptnebenprodukt der Milchverarbeitung aufzuwerten und für die Herstellung neuer Lebensmittel und neuer Produkte zu nutzen, zum Beispiel um Pilz-Mycelium zu züchten.
Wir werden genau bei den Pilzen anfangen, bei etwas, das alle in ihrem Alltag kennen. Wir werden die Forschung begleiten und auch darstellen, wofür Pilze und ihr Mycelium bisher verwendet werden können. Man sieht Pilze im Wald, die an Bäumen wachsen, die in der Erde wachsen. Pilze haben eine enorme Bedeutung für das komplette Ökosystem, also nicht nur für unser Angebot an Nahrungsmitteln – das werden alle bei Kniffelix lernen können.
Was würdest du neuen HOOU-Projekten raten, die jetzt eine Förderung beantragen?
Liese: Wie sollte man sich ein Projekt ausdenken und loslaufen? Das ganz Entscheidende beim Lernen ist: Worauf habe ich Lust, worauf habe ich Bock, wofür brenne ich? Und wenn man da etwas findet… und mein großes Ziel war, meine Leidenschaft in die Welt hinauszutragen. Das Allerwichtigste ist, dass man sich einfach fragt: Woran arbeite ich gerne? Man muss den Mut haben, einen Antrag zu stellen und das innere Selbstvertrauen, dass da schon etwas Cooles herauskommen wird.
Über Giese Liese

Gesine Liese wuchs unter anderem im Silicon Valley auf und ist eine überzeugte Gründerin, die aus der sprichwörtlichen Garage heraus startete. Im Jahr 2007 entwickelte sie zusammen mit ihrem Mann, Professor Andreas Liese, Leiter des Instituts für Technische Biokatalyse, die Nachwuchsinitiative KinderForscher an der TU Hamburg. Zunächst begann alles in der heimischen Küche, danach auf dem Campus der TU Hamburg.
Foto: Gerd Altmann / Pixabay
12.02.2025 | Meena Stavesand
"Wissenschaft lebt von Perspektivenvielfalt und Interdisziplinarität"
Prof. Dr. Maren Baumhauer ist seit Februar neues Mitglied im HOOU-Aufsichtsrat. Anlässlich des internationalen Tags der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft gibt sie Einblicke in die Zukunft des Wissenschaftssystems. Sie betont, dass echter Fortschritt nur durch fachübergreifende Zusammenarbeit und multiprofessionelle Teams entstehen kann.
Prof. Baumhauer setzt sich für transparente Bildungsangebote ein und macht mit innovativen Projekten wie dem „Navigator für KI-Einsteiger“ Wissenschaft für alle zugänglich. Dabei unterstreicht sie die Bedeutung einer offenen Wissenschaftskultur, die nicht nur den technologischen Fortschritt vorantreibt, sondern auch das gesellschaftliche Vertrauen in die Forschung stärkt.
Was macht Wissenschaft für unsere Gesellschaft so wertvoll und wie bereichert uns die Vielfalt der Perspektiven in der Forschung?
Prof. Dr. Maren Baumhauer: Meines Erachtens liegt gerade die Zukunft unseres Wissenschaftssystems in der Interdisziplinarität und einer Perspektivenverschränkung unterschiedlichster Forschungsansätze und -strategien begründet. Sicherlich ist der Aspekt der Selbstbehauptung und Anerkennung, gerade wenn es um das „eigene“ Gegenstandsinteresse einer Disziplin geht wichtig.
Ein „echter“ Fortschritt – im Sinne eines konkreten Mehrwerts für die Gesellschaft – lässt sich aus meiner Sicht aber nur mit einem „Blick über den eigenen Tellerrand“ und über die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams erzeugen. Wenn ich den Wert von Wissenschaft an bestimmten Kategorien festmachen müsste, würde ich vor allem den Erkenntnisgewinn, den technologischen Fortschritt und die Innovation, ihren kulturellen Beitrag und die Weiterentwicklung der Gesellschaft sowie die offenen Bildungsmöglichkeiten für Individuen herausstellen.

Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft (englisch: International Day of Women and Girls in Science) wird jedes Jahr am 11. Februar begangen und wurde erstmals 2016 offiziell gefeiert. Ausgerufen von den Vereinten Nationen, soll dieser Tag auf die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten in wissenschaftlichen Disziplinen aufmerksam machen. Ziel ist es, die volle und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Mädchen in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik zu fördern. Gleichzeitig erinnert der Tag daran, dass Diversität und Chancengleichheit entscheidend sind, um Innovationen voranzutreiben und globale Herausforderungen zu meistern.
Wie können wir die Wissenschaftswelt offener und zukunftsfähiger gestalten?
Prof. Dr. Maren Baumhauer: Ein „offenes“ Konzept von Wissenschaft und Bildung hat aus meiner Sicht eine hohe Bedeutung für die Zusammenarbeit in Bildungsorganisationen und den Austausch von Wissen. Gemeinsam Wissensstrukturen zu erzeugen, zu teilen und voneinander zu profitieren ist für die kollektive und individuelle Kompetenzentwicklung im Kontext von Arbeit, Beruf und Bildung enorm wichtig.
Ein weiterer zentraler Punkt ist aus meiner Perspektive das gesellschaftliche Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken. Transparente Bildungsangebote und der freie Zugang zu wissenschaftlich basierten Bildungsmaterialien können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Genau diese Punkte sehe ich in den Bildungsinitiativen und offenen Lernangeboten der HOOU realisiert.
Ein aktuelles Beispiel ist der „Navigator für KI-Einsteiger“, den ich zusammen mit meinem Team konzipiert habe. Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil unserer Bildungsrealität geworden. Unser Lernangebot richtet sich an alle Bildungsinteressierten und bietet neue Impulse, sich Schritt für Schritt dem Thema KI anzunähern, um ihre Möglichkeiten und Grenzen zu reflektieren.
Schritt für Schritt: Ein Navigator für KI-Einsteiger
Künstliche Intelligenz (KI) hat sich inzwischen zu einem integralen Bestandteil unseres Alltags entwickelt. Mit innovativen KI-Tools wie ChatGPT, DALL-E oder Gemini ist es möglich, Texte zu erstellen, Bilder zu generieren, Musik zu komponieren und komplexe Probleme zu lösen.KI bietet zahlreiche Chancen, bringt jedoch auch Herausforderungen und Risiken mit sich. Daher ist es von Bedeutung, sich aktiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um die Möglichkeiten und Grenzen dieser technischen Entwicklung zu verstehen.Unser Lernangebot zeigt dir einen Weg auf, wie du dich Schritt für Schritt mit dem Thema KI vertraut machen kannst.
Was hat in Ihnen die Begeisterung für die Wissenschaft geweckt und welchen Rat möchten Sie jungen Menschen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn erwägen?
Prof. Dr. Maren Baumhauer: Wissenschaftlich zu arbeiten bedeutet für mich absolute Freiheit und kreative Entfaltungsmöglichkeit im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit. Das ist eine großartige Chance, die das Wissenschaftssystem für junge Menschen bietet. Herausfordernder war und ist es, geeignete Rahmenbedingungen im Kontext andauernder Befristung zu schaffen, um weder Energie noch Muße für die wissenschaftlichen Qualifizierungsphasen zu verlieren.
Für die Bewältigung dieser Phasen bedarf es eines zielgerichteten Ressourceneinsatzes, um sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Absolut wichtig ist für mich darüber hinaus die Entwicklung von Ambiguitätskompetenz im Wissenschaftssystem, die sich auf den Umgang mit Unsicherheiten und auch Mehrdeutigkeiten bezieht. Eine offene Haltung im Umgang mit Widersprüchen, unterschiedlichen Perspektiven und Erklärungsansätzen ist dafür unerlässlich.
Über Prof. Dr. Maren Baumhauer

Prof. Dr. Maren Baumhauer ist Juniorprofessorin für Berufliche Bildung und Digitalisierung am Dekanat T (Technologie und Innovation in der Bildung) an der TU Hamburg. Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften (Dipl.-Päd.) an der Universität Trier mit den Nebenfächern Soziologie und Psychologie, Studienrichtung Weiterbildung, folgten Stationen als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universittät Trier und der Leibniz Universität Hannover.
Ihre Promotion legte Baumhauer in Berufspädagogik ab. Titel ihrer Dissertation: Berufsbezug und Wissenschaftsorientierung – Grundzüge einer Didaktik wissenschaftlich reflektierter (Berufs-)Praxis im Kontext der Hochschulweiterbildung. Seit 2023 forscht und lehrt sie an der TU Hamburg.
Bild: Kane Reinholdtsen
02.04.2024 | Meena Stavesand
Science-and-Art-Slam der Hamburg Open Online University: Wissenschaft trifft auf Kunst und Kultur
Hast du Lust, Wissenschaft und Kunst hautnah auf eine außergewöhnliche Weise zu erleben? Dann komme am 30. Mai 2024 in die Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg und besuche uns bei dem diesjährigen Science-and-Art-Slam der Hamburg Open Online University!
Forschende und Kulturschaffende unserer Hochschulen werden dabei ihre Leidenschaft und Expertise in einem spannenden Wettbewerb präsentieren – kurz und knapp, unterhaltsam und verständlich für alle. Aufgrund der vielfältigen Fachrichtungen unserer Hochschulen wird der Slam zu einer thematisch abwechslungsreichen Feier von Forschung, in der sich wissenschaftliche Themen mit künstlerischen Beiträgen mischen. Im Anschluss darf das Publikum entscheiden, wer den Slam gewinnt.
Ein Ort für Kreativität, Innovation und Neugierde
Mit diesem Event möchte die HOOU in Kooperation mit den Bücherhallen einen Ort schaffen, an dem Kreativität, Innovation und Neugierde aufeinandertreffen und der Austausch zwischen Forschenden, Kunstschaffenden und der breiten Gesellschaft gefördert wird.

Diese Veranstaltung wird in enger Zusammenarbeit der Hamburg Open Online University mit den Bücherhallen Hamburg organisiert und durchgeführt. Zusammen möchten wir Wissenschaft, Forschung und Kultur für alle zugänglich machen.
Geplanter Programmablauf
Wir fangen am 30. Mai 2024 um 17.30 Uhr mit einer Begrüßung an. Es folgen drei kurze Slams. Nach einer Pause kommen drei weitere Slams. Im Anschluss darf das Publikum entscheiden, wer am meisten überzeugt hat und den Pokal mit nach Hause nehmen darf. Die Veranstaltung endet gegen 20.15 Uhr.
- 17.30 Uhr: Eröffnung durch Dr. Eva Gümbel, Staatsrätin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
- Begrüßung durch die Veranstalter HOOU und Bücherhallen
- 18.00 Uhr: erster Slam-Slot
- 18.45 Uhr: Pause
- 19.00 Uhr: zweiter Slam-Slot
- 19.45 Uhr: Abstimmung des Publikums und Preisverleihung
- 20.15 Uhr: voraussichtliches Ende
Anmeldung
Melde dich jetzt an und sichere dir einen der Plätze! Sei dabei und lass dich von der Wissenschaft und Kunst inspirieren!
Bildquelle: Kane Reinholdtsen auf Unsplash
Bild: Brands&People/Unsplash
21.02.2024 | Meena Stavesand
Workshop beim OERCamp: Was OER für Forschung und Transfer an Hochschulen tun können
In unserem Workshop beim OERCamp in Hamburg möchten wir mit den Teilnehmenden analysieren, welche Potenziale und welche Grenzen es bei der Nutzung von OER im Kontext von Forschung und Transfer gibt. Wir haben mit Ellen Pflaum und Paula Guglielmi darüber gesprochen.
Es reicht nicht, wenn die Wissenschaft neue Erkenntnisse und Ergebnisse produziert. Diese müssen auch die Öffentlichkeit erreichen. Darum stellen Ellen Pflaum von der HAW Hamburg, Dr. Paula Guglielmi von der TU Hamburg und weitere Expertinnen und Experten des HOOU-Kosmos die Frage: „Was können OER für den Bereich Forschung und Transfer an Hochschulen tun?“ Es ist ein Workshop beim OERCamp am 6. März in Hamburg. Eine Anmeldung ist noch möglich.
Wie läuft der Workshop ab?
Ellen Pflaum: In unserem Workshop führen wir in das Thema der Transferfelder des Stifterverbandes ein und erklären, welche vier wir ausgewählt haben. Dazu geben wir einen kurzen allgemeinen Input. Danach arbeiten wir zweimal in zwei parallelen Sessions zu je einem Transferfeld. Es wird jeweils ein konkretes Beispiel vorgestellt und diskutiert. Dann sammeln wir Ideen, wie man mit Hilfe von OER die Arbeit in diesem Transferfeld leichter oder besser gestalten kann. Am Ende tragen wir im Plenum die Ergebnisse aus den vier Sessions zusammen. Die von uns ausgewählten Transferfelder sind:
- Wissenschaftsdialog
- Forschen und Entwickeln mit der Gesellschaft
- Entrepreneurship
- Transferorientierte Lehre und Weiterbildung
Dr. Paula Guglielmi: Ich gebe mit Axel Dürkop eine der angesprochenen Sessions – die zum Wissenschaftsdialog. Wir werden Kurzimpulse zu den Definitionen von Wissenschaftsdialog und OER geben, denn wir gehen davon aus, dass nicht alle Teilnehmenden OER-Expert:innen sind. Nachfolgend wollen wir in unserer Session etwa folgende Fragen diskutieren:
- Wie können OER den Wissenschaftsdialog fördern?
- Welche offenen Bildungsformate gibt es schon, die den Wissenschaftsdialog fördern?
- Wo gibt es besonderes Entwicklungspotenzial? Wo werden Schwierigkeiten erwartet?
Im Anschluss diskutieren wir die gesammelten Ergebnisse.

An wen richtet sich der Workshop?
Ellen Pflaum: Der Workshop richtet sich vorrangig an Menschen an Hochschulen, Lehrende, Beratende und Menschen aus der Verwaltung, die sich eher im Bereich Forschung und Transfer sehen. Denn in Forschungsprojekten wird es immer wichtiger, dass die Ergebnisse und ihre Relevanz an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Das geht nicht, indem Forschung einfach Open Access gestellt wird, sondern setzt häufig voraus, dass Sachverhalte noch einmal anders aufbereitet, niedrigschwellig erklärt und visualisiert werden. Letztlich ist es ja auch ein Ziel von Forschung, dass die Ergebnisse in eine (möglichst breite) Nutzung gehen.
Dr. Paula Guglielmi: Wir möchten mit unserer Session zum Wissenschaftsdialog all jene ansprechen, die Interesse an Wissenschaftskommunikation haben und offen für neue Formate sind, die den Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und der Gesellschaft fördern. Wir begrüßen auch gerne Menschen, die lernen wollen, wie sie offene Materialien für partizipative Veranstaltungsformate nutzen können. Hier sind Learning Circles ein Beispiel, die die HAW Hamburg und die TU Hamburg in Kooperation mit den Bücherhallen schon veranstaltet haben. Bei Learning Circles müssen die Veranstaltenden nicht selbst die Urheber:innen der Materialien sein. Es sind selbstverständlich auch Menschen willkommen, die ihre individuelle Neugier oder das Erkenntnisinteresse ihres Vereins oder ihrer Organisation im Allgemeinen mit Hochschulen verknüpfen wollen, um gemeinsam zum Thema zu arbeiten.
Wie können sich Interessierte auf den Workshop vorbereiten?
Dr. Paula Guglielmi: Wir fänden es spannend zu hören, was die Teilnehmenden unter Wissenschaftsdialog verstehen, welche Formen sie bereits kennen und wie man OER nutzen könnte, um den Dialog zwischen Wissenschaftler:innen und Gesellschaft zu fördern.
Ellen Pflaum: Generell wäre es toll, wenn sich die Teilnehmenden im Vorfeld überlegen, was sie bereits in den Transferfeldern tun (selbst oder an ihrer Hochschule generell).
Welche Potenziale gibt es bei der Nutzung von OER im Kontext von Forschung und Transfer?
Ellen Pflaum: Die Potenziale sind vielfältig. Denn OER können auf Kontexte angepasst und verändert werden. Das heißt, dass z.B. als OER lizenzierte Artefakte, die Forschung kommunizieren, besser von anderen Forschenden oder Medien aufgegriffen werden können, an Kontexte angepasst, ergänzt oder verwendet werden können. Über OER-Lernangebote wie etwa das Angebot Science2Startup der HAW Hamburg, das pünktlich zum OERCamp veröffentlicht wird, können Personen, die aus der Hochschule oder ihrer Forschung ein Start-up gründen, mit Lernmodulen begleitet werden. So wird ihnen der Start in die Selbständigkeit erleichtert. Weitere Potenziale diskutieren wir gerne in dem Workshop.

Welchen Herausforderungen muss man sich bei OER stellen?
Dr. Paula Guglielmi: Wissenschaftler:innen fühlen sich oft unwohl, wenn sie die komplexen Themen ihrer Forschung in einfachen Worten erklären müssen. Sie befürchten, dass dies ihre Reputation innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft beeinträchtigen könnte, was wiederum einen reibungslosen Dialog mit Bürger:innen verhindern könnte. Außerdem wird Wissenschaftskommunikation meistens nur in eine Richtung betrieben: von der Wissenschaft an die Gesellschaft. Es ist schwer abzuschätzen, wie offen Wissenschaftler:innen für einen echten Dialog wären und inwieweit sie Anmerkungen und Anregungen der Gesellschaft in ihre Forschung integrieren würden.
Ellen Pflaum: Ich sehe weitere Zielkonflikte. Im Bereich der Forschung gibt es etwa Auftragsforschung, es gibt Patente, die (Teil-)Ergebnisse schützen, es gibt Weiterbildung, die kostendeckend arbeiten muss. Das kann zum Beispiel die Nutzung als OER (insbesondere bei Lizenzen mit NC) ausschließen.
Wer sich für das Thema OER und die vier Transferfelder Wissenschaftsdialog, Forschen und Entwickeln mit der Gesellschaft, Entrepreneurship und Transferorientierte Lehre und Weiterbildung interessiert, ist herzlich zu unserem HOOU-Workshop eingeladen. Die Anmeldung erfolgt über die Homepage des OERCamps.
Titelbild: thisisengineering / Unsplash
30.08.2023 | Meena Stavesand
„Mehr Diversität in MINT-Fächern fördert vielfältige Perspektiven und Kreativität“
Mit unserer Reihe „Who is HOOU?“ wollen wir uns vorstellen. Den Anfang macht Dr. Paula de Oliveira Guglielmi, die an der TUHH für die HOOU die Wissenschaftskommunikation verantwortet. Paula ist Ingenieurin und freut sich über viele weibliche Mitstreiterinnen, um die Vielfalt im MINT-Bereich zu erhöhen.
Paula, du bist Ingenieurin – warum hast du dich für ein MINT-Studium entschieden?
Dr. Paula de Oliveira Guglielmi: Eigentlich fiel die Entscheidung für ein MINT-Studium bereits, als ich 14 Jahre alt war. Damals habe ich angefangen, Chemie und Physik in der Schule zu lernen. Diese Fächer haben mich direkt fasziniert. Die Themen machten mir viel Spaß und es fiel mir leicht, sie zu verstehen. Ich wollte unbedingt etwas studieren, das diese beiden Fächer zusammenbringt. Und so habe ich mich für die Materialwissenschaft entschieden. Vorher wollte ich mal Journalismus studieren – daher stammt auch mein Interesse für die Wissenschaftskommunikation.
Warum empfiehlst du anderen – insbesondere Frauen, die dort leider noch unterrepräsentiert sind – MINT-Fächer zu studieren?
Paula: Die MINT-Fächer schaffen die Grundlagen, damit wir unsere Umwelt verstehen. Sie sind sehr vielfältig. Man kann viel mit diesem Wissen machen. Am schönsten finde ich es, wenn Menschen dieses Wissen nutzen, um Sachen zu entwickeln, die entweder unser Leben schöner und bequemer machen oder die Lösungen für aktuelle Herausforderungen bieten. Als Beispiele könnte man die Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik und Diagnostik nennen, die uns ermöglichen, länger und gesünder zu leben, oder die Entwicklungen im Bereich des Transportwesens (Flüge und Züge), durch die wir große Distanzen in kurzer Zeit zurücklegen können, um unsere Welt zu entdecken und sich so mit Menschen aus der Ferne zu verbinden. Auch im Feld der erneuerbaren Energien finden sich viele Anwendungsmöglichkeiten, die uns aktuell dabei helfen, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Es macht Spaß, Sachverhalte zu verstehen und neue Sachen zu erfinden und entwickeln!
Aus meiner Erfahrung heraus bin ich fest davon überzeugt, dass es überhaupt keine technische oder MINT-bezogene Aufgabe gibt, die ausschließlich von Männer durchgeführt werden kann. Frauen können dies genauso gut wie Männer. Deswegen sollen sich junge Frauen, die sich für MINT-Fächer interessieren und daran Spaß haben, unbedingt trauen, MINT-Fächer zu studieren. Außerdem würde mehr Diversität in technischen Bereichen vielfältige Perspektiven schaffen und dabei mehr Kreativität fördern.

Was machst du bei uns an der HOOU?
Paula: Mein Schwerpunkt bei der HOOU ist die Wissenschaftskommunikation. Meine Aufgabe besteht darin, neue Strukturen und Formate zu schaffen, die den Wissenschaftler:innen unserer Hochschulen ermöglichen, ihr Wissen und ihre Erfindungen in einer verständlichen Weise an die Gesellschaft weiterzugeben. Das ist eine wichtige Aufgabe, da unsere Gesellschaft heute ständig den immer schnelleren Fortschritten in Wissenschaft und Forschung ausgesetzt ist. Dabei fehlt es vielen Menschen häufig die Zeit oder das Grundlagenwissen, diese Fortschritte gründlich zu verarbeiten und zu verstehen. Hinzu kommt die große Menge an Information, die teilweise unprofessionell über Social-Media-Kanäle verbreitet wird und so oft zu Verwirrungen und Unsicherheiten führt.
Als zentrale Wissenschaftsakteure haben die Hochschulen die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, durch ihre Fachexpertise und Reputation, die aktuellen Forschungsfortschritte in einer verständlichen Weise zu kommunizieren, um der Bevölkerung dabei zu helfen, sich mit eben jenen Fortschritten besser auseinanderzusetzen und vielleicht auch die positiven Seiten der wissenschaftlichen Entwicklungen wahrzunehmen.
Die Hamburg Open Online University stellt eine hervorragende Schnittstelle zwischen den Hochschulen und der Gesellschaft dar und spielt somit eine entscheidende und strategische Rolle in der Wissenschaftskommunikation. Mir macht dieser Job Spaß, weil man nicht an ein einziges Thema gebunden ist, sondern man viel aus verschiedenen Bereichen lernt, da die Angebote der HOOU so vielfältig sind. Außerdem war es mir als Wissenschaftlerin immer wichtig, meine Forschung so didaktisch und verständlich zu formulieren, dass sie jeder versteht. Jetzt kann ich auch andere dabei unterstützen.