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23.04.2026 | Meena Stavesand
Zukunft der Bildung: Warum wir trotz KI weiter lernen müssen
Claude liefert eine aufwendige Recherche in Sekunden, erklärt mathematische Formeln auf simple Weise, löst schwierige Aufgaben verständlich. Wozu brauchen wir dann noch Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen? Wozu müssen wir überhaupt noch lernen? Zukunftsforscher Max Irmer zeigt, wie KI unser Lernen verändern könnte und warum wir die Zukunft der Bildung neu denken sollten.
Max Irmer ist Zukunftsforscher. Er berät Organisationen dabei, wie die Welt in 10 oder 15 Jahren aussehen könnte. Im vergangenen Jahr leitete er an der HAW Hamburg das HOOU Spekulations-Labor* – einen dreiteiligen Workshop, in dem die Teilnehmenden die Zukunft der Bildung nicht nur durchdenken, sondern greifbar machen: mit spekulativem Design, Design Fiction und KI-Tools.
Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie künstliche Intelligenz unser Lernen verändert, warum wir trotzdem noch Wissenschaftler:innen und Lehrkräfte brauchen, und warum es sich lohnt, über eine „Zukunft ohne Lernen“ zu spekulieren.
Wir leben in Zeiten von KI und bekommen Unmengen an Wissen in Sekundenschnelle. Wie beeinflusst das unser Verständnis von Lernen?
Diese Diskussion führen wir gerade intensiv – zu Recht. Denn nicht alles, was wir sehen, ist positiv. Die Metapher „Wissen in Sekundenschnelle“ stimmt, aber wir müssen auch fragen: Was meinen wir mit Wissen? Ich kann heute schnell herausfinden, wann welcher Krieg stattfand. Aber das Wissen, das für unsere Zeit relevant ist, ist vor allem Transferwissen, das verschiedene Themenbereiche verbindet.
Die KI-Tools werden besser, können uns aber nicht immer das perfekte Wissen liefern. Ich denke, die Zukunft des Lernens entwickelt sich dahin, dass wir schneller recherchieren, und im besten Fall schafft das Freiraum: Wir verstehen Zusammenhänge besser und bilden uns eine eigene Perspektive. KI-gestützt, aber nicht KI-vorgegeben.
Als problematisch empfinde ich, dass KI-Programme uns vorgaukeln, sie würden uns alles Wissen geben, und wir müssten nicht mehr selbst denken. Die Zukunft kann sehr schön werden, sie kann dadurch aber auch schwierig werden, wenn wir so tun, als würden wir in wenigen Sekunden ein tolles Ergebnis liefern, aber eigentlich steht nichts da.
Warum sollten wir noch selbst aktiv lernen oder als Wissenschaftler:in oder Lehrkraft weiterarbeiten?
Wir brauchen unabhängige Instanzen, die Tools nutzen, aber selbst denken und hinterfragen, was aus einer Maschine kommt. Beim Lernen geht es stark um Identitätsbildung: Wer bin ich? Was kann ich? Ein Beispiel: Fremdsprachen lerne ich nicht gerne, darum freue mich auf eine Zukunft mit Echtzeit-Übersetzungen via Kopfhörer. Das bringt Vorteile, aber der kultureller Bezug einer Sprache wird weniger, und das ist schade, weil Gesprochenes mehr transportiert als reine Information.
Lernen bleibt wichtig, um zu differenzieren. Wir können KI legitim nutzen. Die Fragen sind allerdings: Wie, in welchem Umfang und wofür? Vokabeltraining kann KI-gestützt mehr Spaß machen als im alten Lehrbuch. Aber für andere Sachen ist analoges Lernen wichtiger – wenn es zum Beispiel darum geht, selber Dinge zu erfahren.

Ich wünsche mir, dass KI als Unterstützerin fungiert – eine, die sich ans individuelle Lernniveau anpasst, schneller oder spezifischer erklärt, in einer Sprache spricht, die ich verstehe.Max Irmer
Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sieht die Zukunft der Bildung aus?
Ich hoffe, dass wir die Dinge beibehalten, die gut funktionieren, und uns gleichzeitig neuere Entwicklungen zu eigen machen. Nicht nur Technologie, sondern auch die Frage: Braucht es noch Vorlesungen oder Frontalbeschallung? Braucht es klassische Hörsäle?
Ich wünsche mir, dass KI als Unterstützerin fungiert – eine, die sich ans individuelle Lernniveau anpasst, schneller oder spezifischer erklärt, in einer Sprache spricht, die ich verstehe.
Mein Wunsch: Wir hinterfragen kritisch und übernehmen, was Sinn ergibt. Wir dürfen uns aber nicht dem kapitalistischen Gedanken hingeben, sonst unterwerfen wir Wissen und Lernen dem System. Das ist nicht gut.
An der HAW Hamburg leitest du als Zukunftsforscher das HOOU-Spekulations-Labor der HAW Hamburg. Was machen Zukunftsforscher:innen genau? Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich mache eine Mischung aus Zukunftsforschung und Foresight – also strategischer Vorausschau. Die Disziplin erforscht Zukünfte. Niemand hat eine Glaskugel, aber es gibt methodische Ansätze, wie man Zukünfte greifbar macht. Denn – und das sollte uns Zuversicht geben: Die Zukunft ist gestaltbar. Darum berate ich Institutionen zu der Frage, wie die Welt in 10, 15 Jahren aussehen könnte. Dafür nutze ich Methoden wie Trends, Szenarien, Speculative Design und Design Fiction. Damit machen wir Zukünfte greifbar, verständlich, erfahrbar und eben gestaltbar.
Die UNESCO spricht in dem Zusammenhang von Futures Literacy – der Kompetenz, Zukünfte lesen und bearbeiten zu können. Das befähigt uns, Zukunft aktiv zu gestalten und dem Dystopischen etwas entgegenzusetzen.
Du hast Methoden angesprochen, die im Spekulations-Labor vorkommen. Was passiert da genau?
Es geht um die Zukunft der Bildung beziehungsweise die Zukunft des Lernens. Dafür nutzen wir verschiedene Methoden. Wir inszenieren ein Labor und spekulieren. Das heißt, wir überlegen uns, wie die Zukunft des Lernens und der Bildung aussehen könnte. Das klingt einfach, aber wir machen das als Menschen ganz selten aktiv. Mit den richtigen Methoden gelingt das deutlich fundierter.
Wir greifen also auf Spekulationsmethoden zurück – dem Speculative Design und Design Fiction. Die Idee: Wir geben uns bewusst einen Raum, wo die Teilnehmenden die ganze Zeit in Zukünften denken, sich alternative Entwicklungen anschauen und das in eine Form gießen. Aus diesem abstrakten Denken entstehen spekulative Artefakte.
Was könnte das beispielsweise sein?
Ich sage bewusst nichts, weil ich den Teilnehmenden sonst etwas vorgeben würde. Sie sollen mit ihren eigenen Gedanken reinkommen. Wir schauen uns beispielsweise Hollywoodfilme an, weil die mit spekulativem Design arbeiten. Etwa „Minority Report“ von Steven Spielberg – der Film zeigt eine Zukunftswelt mit vielen Prototypen, die diese komplexe Zukunft greifbar machen.
Wir stellen uns Fragen wie: Wie lerne ich? Gehe ich noch in die Universität? Und wie komme ich dahin? Nehme ich den Bus, ein Flugtaxi? Wir versuchen, unseren Gedanken in Artefakten eine Form zu geben. Wir prototypisieren. Oder anders gesagt: Wir basteln konkret an Ideen.
Danach greifen wir auf KI-Tools zurück, um diese kennenzulernen und zu schauen: Was können die? Was können die nicht? Was ist kritisch daran?
Ihr titelt „Zukunft ohne Lernen? Lernen ohne Zukunft?“ Wie seid ihr darauf gekommen? Warum ist es sinnvoll, so an das Thema ranzugehen?
Der Titel ist provokativ. Bestenfalls reagieren Menschen darauf und sagen: Nee, das sehe ich nicht. Dann will ich wissen: Warum nicht? Und damit kommen wir in die Diskussion.
Was ich vorwegnehmen kann: Eine Zukunft ohne Lernen sehe ich persönlich nicht. Ich bin sehr gespannt, was die Teilnehmenden sagen. Ich hoffe, wir gehen mit einem anderen Titel als wir reingegangen sind. Aber das hängt ganz von den Teilnehmenden ab, von ihren Gedanken und dem, was sie sich vorstellen können und für plausibel halten.
Für wen ist der Workshop gedacht? Nur für Didaktiker:innen und für Wissenschaftler:innen oder auch für Menschen, die sich einfach für das Thema interessieren?
Alle sind herzlich willkommen. Die Mischung macht’s. Ich wünsche mir, dass nicht nur Menschen mit Wissenschaftshintergrund kommen, nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, nicht nur Studierende, sondern Menschen aus verschiedenen Ecken. Das macht den Diskurs und den Perspektivenwechsel spannender. Es gibt keine Einstiegshürden.
Oft gibt es leider eine Hürde, wenn es um Angebote von Hochschulen geht. Viele denken, sie gehörten als Nicht-Akademiker:innen da nicht hin.
Absolut. Aber man muss irgendwo anfangen. Ich bin gespannt, wie die Zukunft der Bildung diese Einstiegshürden abbaut. KI-gestützte Angebote können individualisierte Lerninhalte bringen. Wenn ein Bot mir morgens sagt „Hey, dieses Angebot ist umsonst, da könntest du hingehen“, dann ist es vielleicht spannend genug.
Ich hoffe, dass uns Technologie hilft, solchen positiven Bildern näherzukommen. Wir brauchen positive Zukunftsbilder. Dafür lohnt es sich, zum Workshop zu kommen und diese zu erarbeiten, zu entwickeln, zu basteln.
Über Max Irmer

Max Irmer ist Zukunftsforscher und baut Brücken zwischen der Gegenwart und der Zukunft, der alten und der neuen Welt und zwischen Analogem und Digitalem. Dafür bedient er sich Ansätzen, Methoden und Tools aus den Bereichen Foresight, Experience Design und Transformationsmanagement. Max glaubt daran, dass wir die Zukunft nur gestalten können, wenn wir sie greifbar und erlebbar machen. Folglich versucht er den Zukunftsdiskurs überall wo möglich zu stimulieren.
*Hinweis: Aktuell gibt es keine neuen Termine für das Spekulations-Labor der HAW Hamburg.
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18.03.2026 | Meena Stavesand
Nicht jede:r muss alles können: OER braucht Struktur
Die Entwicklung von Open Educational Resources (OER) ist neben dem normalen Lehrbetrieb kaum zu schaffen. Der Schlüssel liegt in der Arbeitsteilung. Lehrende müssen nicht zu Medienprofis werden. Wenn jede:r das macht, was sie oder er am besten kann, entstehen OER, die wirklich funktionieren. So zeigt Bildungsexperte Jöran Muuß-Merholz auch, warum sich seit Jahren immer mehr Menschen für OER interessieren und wie aus vereinzelten Anstrengungen eine immer größere Bewegung wird. Doch wie wird Bildung eigentlich in zehn Jahren aussehen?
Fünf Fragen an Jöran Muuß-Merholz – erschienen in der Broschüre „10 Jahre HOOU – 10 Gedanken zu hybrider Lehre & OER“ der HAW Hamburg. Kostenloser Download am Ende des Beitrags.
Wie holen wir OER aus der Nische?
Jöran Muuß-Merholz: Erstens: Finanzierung und Förderung. Das ist so banal wie basal: Wann immer eine Förderrichtlinie oder ein Budget Geld dafür vorsieht, dass Lehr-Lern-Materialien entwickelt werden, können wir eine Veröffentlichung als OER zur Auflage machen. Von einer solchem Standard lassen sich Ausnahmen begründen, aber wir können den Default umdrehen: Was öffentlich finanziert wird, muss offen bereitgestellt werden.
Zweitens: Professionalisierung und Arbeitsteilung. Wir können von Lehrpersonen erwarten, dass sie sich richtig gut mit dem Inhalt ihres Fachs auskennen. Und wir sollten fordern, dass sie in Sachen Didaktik fit sind. Aber wir können nicht verlangen, dass sie sich in alle urheberrechtlichen Finessen, offenen Technikstandards oder Veröffentlichungsmodalitäten einarbeiten, die für professionelle OER-Standards notwendig sind. Dafür braucht es Profis – also Menschen, in deren Stellenbeschreibung und Kompetenzprofil das steht. Das ist nicht wirklich revolutionär, dafür haben wir z.B. Zentren für Hochschuldidaktik und für Medien, Bibliotheken, Verlage oder auch Hilfskräfte. Wenn wir diesen Stellen das entsprechende Budget und die Kompetenz ermöglichen, bekommen wir eine professionelle Arbeitsteilung: Lehrende übernehmen diejenigen 80 Prozent der Arbeit, die fachlich und didaktisch notwendig sind – der Rest wird von OER-Profis beigesteuert.
Drittens: Kapazitätsaufbau und Austausch. Wir sind auf einem guten Weg, bei immer mehr Menschen Bewusstsein und Know-how für OER zu verbreiten. Aber es gibt immer noch viel Luft nach oben. Wir sind bisher quasi von einem Promillebereich in einen sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich gekommen, was eine OER-Durchdringung angeht. Hinzu kommt, dass sich das Themenfeld ja ständig weiterentwickelt, zum Beispiel durch KI. Diese Weiterentwicklung wird durch Foren für den Austausch katalysiert. Wir merken das jedes Jahr beim OERcamp, unserem großen Treffen rund um freie und offene Materialien. Obwohl wir das seit 2012 veranstalten, kommen auch in 2025 noch jedes Jahr die Hälfte der Anmeldungen von Menschen, die vorher noch nicht dabei waren. Die Kreise dehnen sich immer weiter aus.
Für die Wirksamkeit dieser drei Punkte gibt es einen sehr markanten Beleg: In den vergangenen Jahren hat der Bildungsbereich Hochschule in Sachen OER den Bildungsbereich Schule überholt. Nach meiner Einschätzung liegt das ganz klar daran, dass man in den drei genannten Punkten in den Hochschulen Maßnahmen entschiedener als für die Schule vorangetrieben hat.

50
Prozent der Menschen, die zum OERcamp kommen, sind neu dabei.
Welche Chancen bieten hybride Lehr-/Lernangebote als OER?
Muuß-Merholz: Wenn man drei Lehrende fragt, was „hybride Angebote“ bedeuten, bekommt man vermutlich drei unterschiedliche Antworten. „Hybrid ist also nicht gleich hybrid“, schreiben Basner & Persike (2024)[1].
Nehmen wir als Szenario A an, dass „hybrid“ weiterhin ein unscharfer Begriff bleibt, der uneinheitlich verwendet wird. Selbst in diesem Falle hilft uns das Konzept von OER. Denn eine fundamentale Eigenschaft von OER liegt ja darin, dass unterschiedliche Lehrende Materialien je nach unterschiedlichem Einsatzszenario flexibel anpassen und verwenden können. Es liegt in der DNA von OER, dass offene Materialien gerade für unübersichtliche Übergänge (aka agile Innovationsprozesse) bessere Bedingungen bieten als geschlossene Materialien, die nur nach einer Friss-oder-stirb-Logik eingesetzt werden können.
Nehmen wir als Szenario B an, dass sich in Sachen „hybride Lehre“ in den nächsten Jahren Konzepte und Praxis weiter ausdifferenzieren und standardisieren. Auch dann wären dafür Akteur:innen, die auf OER setzen, prinzipiell besser aufgestellt. Das liegt in der grundsätzlichen Anpassbarkeit der Materialien begründet. Was wir in den Überlegungen zur hybriden Lehre ja immer besser verstehen: Es geht um neue Konfigurationen zwischen drei Kategorien, die wir für Bildungsangebote traditionell als distinkt betrachtet haben:
- A. Treffen, Veranstaltungen (traditionell: gleicher Ort, gleiche Zeit)
- B. Materialien, Publikationen (traditionell: ungleicher Ort, ungleiche Zeit)
- C. Austausch, Netzwerk (traditionell: eher synchron, häufig als „Nebenwirkung“ von A.)
Jede:r, der:die schon mal die einfachste Form der hybriden Lehre gestaltet hat, also einen Vortrag mit Videostream, bekommt einen ersten Eindruck, wie die traditionellen Kategorien aufbrechen. Aus der Veranstaltung wird durch das Video auch ein Material. Durch das Material wird die zeitliche Asynchronität möglich. Durch das Streaming wird die Ortsbindung aufgehoben. Durch digitale Tools kann man aus dem Material ein anderes Material machen, zum Beispiel ein automatisches Transkript, eine KI-generierte Zusammenfassung, eine interaktive Lerneinheit mit Quizfragen. Die Lernenden können das wahlweise in doppelter Geschwindigkeit wahrnehmen oder als Podcast (oder live im Hörsaal). Sie können sich synchron austauschen, z.B. im WhatsApp-Chat, noch während die Person vorträgt, später in einer Lerngruppe, anhand der Aufzeichnung, oder auch asynchron, in einem Forum oder über eine Kommentarfunktion.
Ich zitiere Muuß-Merholz (2021)[2]: „Hybrides Lehren und Lernen bedeutet, wenn man unter die Oberfläche schaut, dass die traditionellen Grenzen zwischen 1. Treffen/Veranstaltungen, 2. Materialien/Publikationen und 3. Austausch/Netzwerk verwischen. Die drei Bereiche vermischen sich und setzen sich neu zusammen, verweben und verzahnen sich. Die Digitalisierung macht unser Lehren und Lernen kuddelmuddeliger und vielfältiger. Wir können und müssen unsere Formen und Formate neu erfinden.“
Wir stehen nicht vor der Frage, ob das passiert oder nicht, sondern vor der Frage, ob und wie wir uns als Gestaltende einer Neukonfiguration sehen, die für Lehre das neu erfindet, was wir bisher als „Lehr-Lern-Material“ gedacht haben. Das ist kein einfacher Prozess. Aber mit OER wird dieser Prozess ganz sicher einfacher als ohne OER.

Um OER dauerhaft und im Zentrum von Hochschulen zu verändern, braucht es „soft politics“ im Hinblick auf Kultur und Haltung UND „hard politics“ bei den Strukturen und Rahmenbedingungen für die Lehre.Jöran Muuß-Merholz
Der OER-Grundsatz lautet „Teilen und Weiterentwickeln“. Wie verändert OER die Rolle der Lehrenden?
Muuß-Merholz: Im Sinne der bei der zweiten Frage skizzierten Neukonfiguration von Lehre wird die Arbeit mit Materialien grundsätzlich komplexer und praktisch einfacher. Angesichts von KI-Technologien stehen wir vor einem Überfluss an Möglichkeiten. Wenn die Verfügbarkeit und Übertragbarkeit von Materialien dazu kommt, dann haben wir auch hier eine Überfluss-Situation. „Überfluss“ heißt aber nicht automatisch „Paradies“. Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir Ordnung, Auswahl, Anpassung und Orientierung für die Lernenden schaffen müssen.
Im OER-Diskurs ist häufig davon die Rede, dass sich für Lehrende die Aufgabe des Produzierens zugunsten des Kuratierens verschiebt. Sie wählen vorhandene Materialien aus, kombinieren sie neu, adaptieren sie und stellen den Kontext her. Ich vermute aber: die Rolle wird komplexer werden. Denn die beschriebenen Aufgaben lassen sich möglicherweise perspektivisch durch KI-Technologien übernehmen. Das ist für mich eine große, offene Frage.
Meine Annahme ist: Je unübersichtlicher, komplexer und unvorhersehbarer diese Entwicklungen sind, desto wichtiger werden Zusammenarbeit und Arbeitsteilung. Und an der Stelle sehe ich die OER-Akteur:innen als Vorreiter:innen. In Bezug auf Materialien sind sie im Austausch über traditionelle Grenzen hinaus quasi schon geübter, haben mehr Erfahrung in organisationsübergreifender Kooperation, gemeinsamer Entwicklung, im Austausch und in der ständigen Weiterentwicklung auch der nicht-eigenen Inhalte.
Wo liegen die Herausforderungen, OER im Zentrum der Hochschulen zu verankern?
Muuß-Merholz: Zu dieser Frage ist in Antworten häufig davon die Rede, dass es Verschiebungen in der „Kultur“ oder in der „Haltung“, vielleicht sogar im „Ethos“ der Lehrenden brauche. Dafür gibt es gute Argumente. Beispielsweise wird OER als Teil der Lehre nie die Bedeutung haben können, die Open Access als Teil der Forschung inne hat, solange die Lehre einfach viel weniger Wertschätzung erfährt als die Forschung. An vielen Hochschulen wird OER strategisch als Teil der Third Mission, also des Transfers von Wissen in die Gesellschaft, gesehen. Auch hier gilt: In einer Welt, in der Transfer eher als Add-On denn als integrativer Teil des Auftrags an Hochschulen gesehen wird, wird „Transfer-OER“ eine Randerscheinung bleiben.
Ich möchte nicht gegen die Rede von Kultur, Haltung und Ethos argumentieren. Aber diese Ebene wird alleine nicht ausreichen, um OER von einer Randerscheinung zum Normalfall zu machen. Dafür braucht es zusätzlich Veränderungen in den Strukturen. Dazu möchte ich die drei Forderungen aufgreifen, die ich zu Frage #1 genannt habe: Finanzierung und Förderung, Professionalisierung und Arbeitsteilung, Kapazitätsaufbau und Austausch. Das sind formale Rahmenbedingungen, über die sich das steuern lässt. Das sind Fragen von Policies, Budgets, Prioritäten – alles „hard politics“, wenn man so will. Um OER dauerhaft und im Zentrum von Hochschulen zu verändern, braucht es „soft politics“ im Hinblick auf Kultur und Haltung UND „hard politics“ bei den Strukturen und Rahmenbedingungen für die Lehre.
Szenario: In zehn Jahren gibt es hybride Lehr-/Lernangebote flächendeckend als OER. Wie sieht dann die Bildung aus?
Muuß-Merholz: Hier kommt die hoffnungsvolle Variante: Die Bildung ist in zehn Jahren noch vielfältiger und noch pädagogisch durchdachter als heute. Die Lehr-/Lernangebote haben sich noch stärker ausdifferenziert und weiterentwickelt. Wir sehen die klassische Vorlesung nur noch punktuell, zu rituellen und sozialen Zwecken. Wir unterstützen die Lernenden methodisch und technisch dabei, selbständig mit Lehr-Lern-Materialien zu lernen. Wir haben die soziale Bedeutung des Lernens besser verstanden und den Wert von Settings erkannt, in denen Menschen synchron und möglicherweise sogar in physischer Präsenz bei- und nebeneinander sitzen. Insgesamt haben wir die Didaktik so ausdifferenziert, dass das individuelle Lernen auf Materialien basiert (Intelligente tutorielle Systeme, Texte, Kurse, Videos, Übungen etc.) und unsere gemeinsamen Treffen den Austausch und die Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen.
Dass die Materialien, mit denen wir arbeiten, dafür möglichst flexibel und anpassbar sein müssen, ist selbstverständlich. Dabei wird in zehn Jahren niemand im Alltag mehr bemerken, dass das „OER“ ist, mit dem wir da arbeiten. Denn es wird einfach der Standard sein, dass wir Materialien kopieren, anpassen, verändern und wieder weitergeben können. Das ist ja in anderen Bereichen heute schon so – weil wir uns das mit dem wissenschaftlichen Austausch mal unter den Vorzeichen von Offenheit ausgedacht und erfunden haben! Es bemerkt ja heute auch selten jemand, dass E-Mails, Kalender, Podcasts oder das World Wide Web auf offenen Standards basieren und durch diese Möglichkeiten eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben haben. Aber sobald unsere Flexibilität, unser Austausch und unsere Zusammenarbeit wegen proprietärer Standards und isolierenden Silos gebremst oder blockiert werden, merken wir das sofort. Nur bei den Lehr-Lern-Materialien haben wir uns irgendwie an diesen defizitären Zustand so stark gewöhnt, dass wir ihn für normal halten – was für eine dumme Selbstbeschränkung von uns!
Literatur
[1] Basner, T., Persike, M. (2024). “Können Sie das nicht auch live streamen?” Didaktische Herausforderungen und strategische Potenziale hybrider synchroner Lehre. Diskussionspapier Nr. 31. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung. Verfügbar unter https://hochschulforumdigitalisierung.de/wp-content/uploads/2024/06/HFD_DP_31_Hybride_Synchrone_Lehre.pdf.
[2] Muuß-Merholz, J. (2021): Die tatsächliche Hybridisierung der Bildung – warum sich Lernangebote im digitalen Wandel neu erfinden müssen. Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar unter https://www.selbstlernen.net/hybridisierung-der-bildung/.
Das Interview ist in der Broschüre „10 Jahre HOOU – 10 Gedanken zu hybrider Lehre & OER“ der HAW Hamburg erschienen. Diese steht kostenlos zum Download.
In der Broschüre hat das Team der HAW Hamburg zehn Impulse gesammelt – zu Technik und Recht, zu Barrierefreiheit und Diversität, zu OER und interkultureller Zusammenarbeit. Keine trockene Theorie, sondern Praxisberichte, Checklisten und Interviews mit Menschen, die hybride Lehre jeden Tag gestalten.
Bild: Antonio Janeski
28.11.2025 | Meena Stavesand
Hochschulbildung für alle – aber wie? 5 Learnings aus der Praxis
Wie erreicht man Menschen, die nicht an der Uni sind, mit wissenschaftlichen Inhalten? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Seit 10 Jahren engagiert sich die Hamburg Open Online University in diesem Bereich und hat schon viel dazugelernt. Das Team der TU Hamburg gibt nun 5 Learnings dazu. Es geht um die gesellschaftliche Relevanz von Themen, um das Überwinden digitaler Barrieren und um Öffentlichkeitsarbeit. Ein Text von Katrin Bock.
Hochschulen nehmen als Orte der Wissensvermittlung, der Erkenntnisbildung und der Reflexion eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein. Es ist jedoch nicht einfach, diese Prozesse für alle sichtbar und zugänglich zu machen. Gesellschaftliche Teilhabe an der Hochschulbildung wird durch viele Barrieren erschwert. Um diese zu überwinden, setzt die HOOU auf die Bereitstellung digitaler Lernangebote auf einer offenen und freien Lernplattform. Die interessierte Öffentlichkeit soll so, gebündelt an einem ansprechenden digitalen Ort, Zugang zu vielfältigen Inhalten aus Forschung und Lehre an den Hochschulen erhalten.
Doch die interessierte Öffentlichkeit ist divers. Lernende bringen unterschiedliche Kompetenzen und Kenntnisse mit, kommen aus verschiedensten Kontexten, haben unterschiedliche Motivationen und lernen auf ganz unterschiedliche Weise. Das Team der HOOU@TU Hamburg versucht, dies bei der Entwicklung digitaler Lernangebote zu berücksichtigen, und möchte möglichst vielen Menschen Zugang zu ihren Inhalten ermöglichen. So konnte das Team aus den vergangenen zehn Jahren Lernangebotsentwicklung einige Learnings mitnehmen:
1. Gesellschaftliche Relevanz als inhaltlicher Ausgangspunkt für wissenschaftliche Themen kann Barrieren überwinden
Um Verständnisbarrieren bei wissenschaftlichen und abstrakten Themen zu überwinden, kann die gesellschaftliche Relevanz als niedrigschwelliger Einstieg Zugänge ermöglichen. Denn zu lernen, warum ein Sachverhalt wichtig ist und was dieser mit der eigenen Lebenswelt zu tun hat, fördert die Motivation und Fähigkeit, diesen zu verstehen.
Dabei können auch mentale Hürden, die entstehen können, wenn wissenschaftliche Inhalte durch ihre Komplexität als nicht passend wahrgenommen werden, verkleinert werden.
2. Kleine, leicht verständliche Wissenshäppchen für einen niedrigschwelligen Einstieg ins Lernen
Neben den eher umfangreicheren Lernangeboten, in denen sich die Lernenden intensiv mit verschiedenen Themen beschäftigen, setzt die HOOU an der TU Hamburg auch auf das Format „Wissenschaft kurz erklärt“. In kleinen Informationsangeboten werden Inhalte leicht verständlich aufbereitet und ermöglichen so einen ansprechenden und vor allem schnellen Zugang zu Wissen.
Diese Angebote lassen sich in sehr kurzer Zeit durcharbeiten. Dafür werden verschiedene Medien eingesetzt. Mit kurzen Videos und Podcasts oder interaktiven Grafiken werden die Inhalte auf verschiedene Weise vermittelt. Wer dann doch tiefer in die jeweiligen Themen einsteigen möchte, erhält Vorschläge für passende umfangreichere Lernangebote.

Was bedeutet “Bildung für alle“?<br>Grundsätzlich geht es darum, dass alle Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung erhalten. Dabei sollen allen die gleichen Möglichkeiten offenstehen, selbstbestimmt an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potentiale zu entfalten, unabhängig ihrer Voraussetzungen oder bestimmter Bedingungen. Systematische Ungleichheiten oder Benachteiligungen müssen dabei im Sinne der Chancengleichheit verhindert werden (vgl. UNESCO, 2005).
3. Lernangebotsentwicklung nach dem Constructive Alignment zur Lernendenzentrierung
Die Grundlage der Lernangebotsentwicklung der HOOU an der TU Hamburg bilden, angelehnt an das Konzept des Constructive Alignment, die Lernziele (vgl. Biggs &Tang, 2011). Diese sind, unabhängig von technischen Möglichkeiten oder neusten Trends, der Startpunkt für die inhaltliche Gestaltung und Entwicklung der Lehr- und Lernaktivitäten.
Die Angebote werden in einem ersten Schritt rein konzeptionell entwickelt, erst in einem zweiten Schritt werden passende mediendidaktische Formate und technische Tools für die Umsetzung ausgewählt. Eine solche unabhängige Ausrichtung auf die Lernenden kann dabei helfen, Verständnisbarrieren für diese zu überwinden und verhindert ein Überangebot an technischen Tools, welches die Lernenden überfordern kann.
Eine gezielte und bedürfnisorientierte Auswahl der technischen Möglichkeiten unterstützt außerdem die Überwindung digitaler Barrieren, indem eine intuitive und individuell anpassbare Nutzung des Lernangebotes gefördert wird.
4. Experimentierfelder für neue technische Möglichkeiten zur Überwindung digitaler Barrieren
Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat die HOOU an der TU Hamburg im Rahmen von Experimentierfeldern verschiedene technische Möglichkeiten ausprobiert und evaluiert. Eine große Herausforderung war und ist dabei die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven. Im Rahmen eines umfangreichen Anforderungsmanagements für die Plattformentwicklung werden diese identifiziert, um technische Anforderungen zu entwickeln und zu priorisieren.
Denn ebenso wie die Technik entwickeln sich auch die Bedarfe der Menschen weiter. Um Barrieren zu überwinden und Zugänge zu schaffen, wird dies immer zusammen gedacht. Dadurch konnten bereits viele Potenziale sowie auch Probleme identifiziert und für die neue Plattform implementiert oder ausgeschlossen werden.
5. Digitale Lernangebote allein schaffen nicht ausreichend Zugänge
Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben eindeutig gezeigt: Eine öffentliche Plattform als alleiniger Zugangspunkt zu digitalen Lernangeboten reicht oft nicht aus, um alle Menschen zu erreichen. Dies liegt vor allem an der Fülle an Informationen, die im Netz zu finden sind, und der Art und Weise, wie Menschen sich dort informieren und lernen.
So ist es wichtig, Lernangebote kontextuell einzubetten, um Zugangsmöglichkeiten zu erweitern. Dies kann eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit sein, durch die Lernende beispielsweise über Social Media oder durch Plakate zu Inhalten gelangen. Aber auch Lernerlebnisse in der analogen Welt schaffen Zugänge, indem sie Menschen vor Ort abholen und verbinden. Dies versucht die HOOU an der TU Hamburg über verschiedene Veranstaltungsformate, auch außerhalb der Hochschulen, aber auch durch die Einbindung ihrer Inhalte in die Lehre.
Welche Barrieren kann es für den Zugang zur Hochschulbildung geben?
Die Art der Barrieren, die Menschen beim Zugang zu Hochschulbildung begegnen, sind vielfältig. Hier einige Beispiele, die besonders häufig auftreten:
Informationsbarrieren: Was passiert an unseren Hochschulen in Forschung und Lehre? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen sind leider nicht immer leicht zu finden. Informationen von Hochschulen verstecken sich oft – wenn sie überhaupt öffentlich zugänglich sind – auf unübersichtlichen Hochschul- oder Projektwebseiten. Inhalte sind nicht selten schlecht gepflegt und veraltet, was das Finden der richtigen Informationen zusätzlich erschwert.
Sprach- und Verständnisbarrieren: Nicht alle können etwas mit wissenschaftlicher Sprache anfangen. Viele Fremdwörter und komplexe Satzstrukturen setzen eine hohe Sprach- und Lesekompetenz voraus und sorgen dafür, dass viele Menschen diese nicht verstehen können oder durch einen erschwerten Lesefluss kein Interesse an akademischen Texten haben. Viele Texte stehen nur in einer Sprache zur Verfügung, sodass Zugänge zusätzlich beschränkt sind.
Digitale Barrieren: Trotz gesetzlicher Vorschriften und Regelungen sind viele Webseiten im Hochschulkontext nicht barrierefrei. Durch fehlende technische Möglichkeiten zur bedürfnisorientierten Gestaltung und einer unzureichenden Usability kann eine intuitive und individuelle Nutzung der Webinhalte nicht gewährleistet werden.
Mentale Barrieren: Hochschulen haben es in Zeiten von Fake News, Nachrichtenmüdigkeit und diversen Krisen nicht leicht, die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Vielen Menschen fehlt es an Vertrauen in die Wissenschaft oder sie fühlen sich durch hierarchische Strukturen im Sinne eines „von oben herab“ nicht adressiert.
Der lange Weg zu einem niederschwelligen Zugang
Die Lernangebote der HOOU an der TU Hamburg können also durch eine lernzielorientierte, didaktische Konzeptionierung und den passenden Einsatz technischer Möglichkeiten Zugänge zur Hochschulbildung ermöglichen. In Verbindung mit zielgruppengerechter Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsamen Lernerlebnissen in der Öffentlichkeit werden diese Zugänge ausgeweitet.
Durch die offene und ansprechende HOOU Lernplattform, die neben den digitalen Lernangeboten weitere Inhalte zu gesellschaftlich relevanten Themen in verschiedenen Formaten niedrigschwellig zur Verfügung stellt, werden Barrieren überwunden. Trotz dieser Potenziale ist es jedoch noch ein weiter Weg für die HOOU, Hochschulbildung wirklich frei zugänglich für alle Menschen zu machen. Viele Inhalte der HOOU stehen nicht mehrsprachig zur Verfügung und sind thematisch sehr spezifisch.
Die Plattform an sich ist noch nicht komplett barrierefrei, hier gibt es vor allem technisch noch viel Entwicklungsbedarf. Zugänglichkeit ist kein irgendwann abgeschlossener Zustand, sondern ein Prozess, den die HOOU stetig versucht, weiter voranzutreiben. Für die HOOU an der TU Hamburg heißt dies also auch für die nächsten zehn Jahre, mehr Zugänge zu ermöglichen, damit Bildung für alle wirklich irgendwann Bildung für alle ist. Wir freuen uns darauf, unsere Learnings dafür weiter auszubauen!
Literatur
Biggs J. & Tang, C. (2011). Teaching for Quality Learning at University: What the Student Does (4. Aufl.): Maidenhead: Open University Press.
UNESCO (Hrsg.).(2005).Guidelines for inclusion: ensuring access to education for all. Paris: UNESCO.
Bild: SPOTSOFLIGHT/Pixabay
23.01.2024 | hoouadmin
Virtueller Studienführer? HAW Hamburg arbeitet an spannendem Chatbot
Können Chatbots im Studium helfen? Das erarbeiten aktuell die Projektverantwortlichen des Lernangebots ChAdmin der HAW Hamburg.
Chatbots begegnen uns schon seit vielen Jahren in unserem digitalen Alltag. Agierten sie anfangs noch als interaktive FAQ, lernen sie durch künstliche Intelligenz auch mehr und mehr auf komplexere Fragen Antworten zu finden. Ihnen allen ist gemein, dass nicht Mensch mit Mensch, sondern Mensch mit Computer interagiert. Aber wie werden Chatbots konzipiert und was ist die Technologie dahinter?
Wie funktioniert das Projekt ChAdmin?
Über projektorientiertes Lernen soll in dem Lernangebot ChAdmin der HAW Hamburg an die Funktionsweise von Chatbots herangeführt werden. Dabei geht es auf technischer Seite um die KI-basierte Technologie. Durch den niedrigschwelligen Zugang werden keine Vorkenntnisse benötigt.
Mit der konkreten Aufgabe, einen virtuellen Studienbegleiter zu erstellen, müssen die Themenfelder, zu denen der Chatbot auskunftsfähig sein soll, identifiziert und abgegrenzt werden. Darüber hinaus werden die rechtlichen, psychologischen, wirtschaftlichen, ethischen und weiteren wissenschaftliche Perspektiven auf den Einsatz von Chatbots vermittelt.
Einsatzmöglichkeiten für Chatbots identifizieren
Das Ziel des Projektes ist, dass die Nutzer:innen in der Praxis Einsatzmöglichkeiten für Chatbots identifizieren und etwaige Nebenwirkungen rechtzeitig bedenken können. Das Projekt hat die Vision, mit den konstruierten Chatbots und der großen Anzahl an Fragen und Antworten im Crowd-Ergebnis einen tatsächlich nutzbaren Studienbegleiter für die HAW Hamburg zu erstellen. Dadurch soll unter anderem auch ein Entlastungspotential für die Hochschulverwaltung ermöglicht werden.
Für Studierende im Erstsemester, aber auch im höheren Semester
Durch den niedrigschwelligen Einstieg in dieses komplexe Thema umfasst die Zielgruppe alle Studierenden der HAW Hamburg und Interessierte darüber hinaus. Das Lehrangebot wäre sowohl für Erstsemester als auch für höhere Semester einsetzbar. Es ist möglich, dieses im Studium einzusetzen, als auch im Selbststudium durchzuarbeiten. Die Projektverantwortlichen arbeiten aktuell an der Umsetzung des Lernangebots.
Text: Dorothee Wagner/HAW Hamburg