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16.06.2026 | hoouadmin
Podcasts in der Wissenschaft: 5 Gedanken zum Einstieg
Wer wirklich langfristig Erfolg und Freude mit seinen Audioformaten haben möchte, merkt schnell: Es gibt ein paar Dinge, die einem vorher selten jemand sagt. Hier sind fünf persönliche Erkenntnisse aus zehn Jahren Workshoperfahrung – jenseits von Technik-Mythen und Erfolgsversprechen. Dieser Beitrag von Podcastexperte Christian Friedrich ist in der kostenlosen Broschüre „10 Stimmen zum Podcasting“ der HAW Hamburg erschienen. Dieser und die neun weiteren Impulse machen deutlich, wie sinnvoll Podcasts für die Wissenschaftskommunikation sein können. Du kannst die Broschüre kostenlos am Ende des Artikels downloaden.
Wer sich für einen Einstieg ins Podcasting interessiert, findet an vielen Stellen im Internet Beiträge mit Ratschlägen und Listicles. Oft mit dem Ziel, den eigenen Service oder das eigene Produkt zu vermarkten, seltener mit dem genuinen Interesse, anderen den Weg ins Podcasting zu ebnen. An vielen Stellen lese ich, dass es nie einfacher war, einen gut klingenden Podcast zu produzieren. Und das stimmt. Das heißt aber nicht, dass es per se einfach ist.
Es kann Selbstüberwindung kosten, Podcasting kann auch mit Rückschlägen verbunden sein. Die wenigsten werden also nach der Lektüre eines Beitrags wie diesem nahtlos ins Podcasting einsteigen und sich pudelwohl fühlen. Seit fast zehn Jahren leite ich Workshops, in denen die Teilnehmenden sich das Podcasting aneignen. Vor diesem Hintergrund starte ich hier den Versuch einer etwas anderen Liste von Empfehlungen für den Einstieg ins Podcasting:
1. Selbst Podcasts hören
Es wird seltener, aber immer noch zu oft begegnen mir Menschen, die einen Podcast starten möchten, selbst aber nur selten Podcasts hören. Das mag es geben, aber ich glaube nicht daran. Wer Podcasts hört, bekommt Ideen, die man kopieren, nachahmen, uminterpretieren und auf das eigene Format beziehen kann. Wie ich begrüße und verabschiede, wie ich in ein Thema einführe, wie ich Musik und Klang im Podcast nutze, welche Stimmlagen ich gern höre, welche Themen mich und andere Podcast-Hörende interessieren: all das bekomme ich am besten heraus, wenn ich selbst verschiedene Podcast-Formate höre.
2. Einmal ordentlich nachdenken, dann machen
Wer kein besonderes Talent, eine passende Ausbildung oder bestenfalls beides hat, wird sich mit dem Start ins Podcasting schwertun. Trotz aller Einfachheit gibt es viel zu beachten: Klang, Technik, Konzeption, womöglich Interviewführung, Mischen, Hosting, Design, Social Media, Urheberrecht. Wer loslegt, ohne sich zum Konzept, den eigenen Interessen und Wünschen, Zielgruppen, Themenfindung und vielem mehr Gedanken zu machen, wird nach drei Folgen überfordert oder gelangweilt vom eigenen Produkt sein. Das soll kein Plädoyer für Perfektion sein. Wer einmal Grundüberlegungen zum Konzept und der technischen Umsetzung zusammengestellt hat, sollte bald loslegen und den eigenen Podcast Wirklichkeit werden lassen. Konstante Weiterentwicklungen werden einfacher, wenn erste Erfahrungen gemacht sind.
Ulf Ansorge
Er ist für viele die Stimme des Hamburger Morgens: Ulf Ansorge moderiert „Guten Morgen Hamburg" und das NDR Hamburg Journal. Im Gespräch mit Christian Friedrich erzählt er, wie ihn ein zweiwöchiges Praktikum beim NDR landen ließ, warum Lokaljournalismus wichtiger ist denn je und weshalb er als Nachrichtenmann selbst manchmal abschalten muss. Außerdem: Klavier, Oboe, die Gassenhauer der Klassik und sein Credo, niemandem das Licht auszublasen, um selbst zu leuchten. Ein Gespräch übers Lernen, Dranbleiben und Freundlichkeit. Besprochen werden drei Lernangebote der Hamburg Open Online University (HOOU): „News-Life-Balance" zum gesunden Umgang mit Nachrichtenmüdigkeit, „Historische Klaviere" über den Klang klassischer Musik zu früheren Zeiten und „Innovatives Filme Machen" der HFBK Hamburg übers Erzählen jenseits tradierter Film- und Fernsehstrukturen.
3. Guter Klang
Es klingt so einfach. Und es war auch nie einfacher, einen gut klingenden Podcast zu produzieren. Aber auch im Jahr 2025 gibt es genug Podcasts, deren Sprechende unterschiedlich laut sind, in denen Hall und Hintergrundgeräusche klingen, als habe man in einer Autobahnkapelle aufgezeichnet, in denen Hörende jeden Atemzug der Sprechenden wahrnehmen. Nach meiner Erfahrung sind Hörende im Jahr 2025 weniger „verzeihend“, wenn ein Podcast nicht gut klingt, als noch 2015. Zu Recht, wie ich finde. Ein passendes Mikro ist auch für relativ kleine Budgets finanzierbar. Raumbedingungen lassen sich fast immer anpassen. Die Möglichkeiten der Nachbearbeitung sind inzwischen riesig, auch für Ungeübte. Heute muss niemand mehr klingen wie im Dosentelefon.
4. Erfolg nicht nur über Reichweite definieren
Wer 2025 als „Indie-Podcaster*in“, also ohne Redaktion, Verlagshaus, großes Budget oder Zeitkontingent für das Podcast-Projekt, große Reichweite im Kontext von Wissenschaftspodcasts hat, ist meist vor fünf bis zehn Jahren ins Podcasting gestartet und würde diese Reichweite heute nicht mehr mit dem gleichen Podcastformat erreichen. Das sagt so zum Beispiel Nicolas Wöhrl vom Podcast „Methodisch inkorrekt!“ in seinem Vortrag bei der subscribe-Konferenz im Jahr 2024. Erfolg mit dem eigenen Podcast kann sich an vielen Kriterien festmachen, zum Beispiel an:
- qualitativem Feedback von Studierenden oder der eigenen Fachcommunity
- größerer Sichtbarkeit an der eigenen Hochschule, in der eigenen Disziplin oder in der Fachpresse
- Einladungen zu Panels, Fachdiskussionen, Fernseh- oder Radio-Interviews.
Der eigene Podcast kann Sprech- und Medientraining sein, er kann mir helfen, mich in einer neuen Community zu vernetzen. Und natürlich kann es befriedigend sein, wenn der Podcast häufig heruntergeladen und gehört wird. Es wird auch sicher helfen, den Zeitaufwand, den eine Podcastproduktion verlangt, vor Kolleg*innen und Vorgesetzten zu rechtfertigen. Wer den eigenen Podcast jedoch nur an der Anzahl von Downloads misst, sollte besser nicht mit Podcasting anfangen.
Digitale Souveränität: philosophische Sackgasse?
In dieser Folge nehmen Volker Skwarek und Ingo Timm das Thema digitale Souveränität auseinander. Sie diskutieren, warum Office 365, PowerPoint und Outlook so erfolgreich sind, wo Lock-in-Effekte wehtun und wieso Migrierbarkeit und offene Formate wichtiger sein könnten als der Versuch, eine eigene europäische Cloud zu bauen. Themen sind unter anderem der CLOUD Act, die Sperrung des Mail-Accounts von IStGH-Chefankläger Karim Khan, die Bundeswehr-Cloud bei Google, KI-Souveränität, Apertus, Mistral und der „Digital Independence Day". Am Ende die These: Trennung von Daten und Programmen ist der eigentliche Hebel
5. Haltung entwickeln und die eigene Stimme finden
Die eigene Stimme kann irreführend sein. Der Effekt ist bekannt: Höre ich meine eigene Stimme zum ersten Mal in einer Aufzeichnung, tritt ein Gefühl der Befremdung ein. So klinge ich wirklich? Das ist nicht gemeint, wenn ich hier von der „eigenen Stimme“ spreche. Ich meine damit eine erkennbare Grundmotivation, ein Interesse am eigenen Podcast, das sich in dem Podcast selbst ausdrückt. Das Gegenteil von Beliebigkeit, das sich durch eine bestimmte Nachfrage in einem Interview, eine besondere Art von Humor, ein bestimmtes konzeptionelles Detail und auch das Podcast-Design ausdrücken kann. Die Kombination von Kleinigkeiten, von Einzelentscheidungen, führt zu einem individuell unterscheidbaren Podcast und verleiht der Podcastproduktion wiederum Wert. Was so abstrakt vielleicht verkopft wirkt, ist denen, die einen Podcast hören, im Konkreten oft vertraut, es verleiht dem Podcast aus ihrer Sicht Wert, Individualität und Haltung. Die eigene Stimme zu finden, dauert etwas.
Von Foren über Workshops bis hin zu Tutorials
Neben den hier aufgeführten Hinweisen gibt es natürlich eine ganze Reihe von praktischen Tipps und Tricks, die es beim Podcasting zu beachten gilt: Wie ich zu einem passenden Konzept komme, wie sich gute Aufnahmebedingungen herstellen lassen, wie Schnitt und Post-Produktion gelingen, wie es eine Audiodatei ins Internet schafft, um dort zum Podcast zu werden – allesamt valide Fragen, die an verschiedenen Stellen im Internet ordentlich beantwortet werden. Ein guter Startpunkt für viele ist das Forum von Podcastenden namens Sendegate. Andere wiederum fühlen sich in einem Podcasting-Workshop wohler, wie sie die HOOU immer wieder anbietet. Und auch Listicles, Blogposts und Videotutorials haben ihren Wert.